2. Februar 2010 von Bettina Büsser

Frage des Tages

Seltsam: Im Fall der geklauten Bankdaten-CD, die Deutschland jetzt wohl kaufen will, ist in Schweizer Medien und Kommentaren mehrheitlich von “Steuersündern” die Rede, deren Daten sich auf der CD befinden könnten. Nicht “Steuerhinterzieher”, nicht “Steuerbetrüger”, nein, nur “Steuersünder”. Manifestiert sich in dieser soften Bezeichnung etwa ein unterschwelliger Heimatschutz (bzw. Bankgeheimnisschutz)? Denn Sünden, wissen wir im christlichen Abendland, können vergeben werden. Betrug ist eine andere Sache.

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21. Januar 2010 von Nick Lüthi

RTV-Gebühren: weshalb alle zahlen sollen

Heute bezahlt in der Schweiz Radio- und Fernsehgebühren, wer über ein Empfangsgerät verfügt. Das soll sich ändern. In einem Bericht zuhanden des Parlaments schlägt der Bundesrat eine allgemeine, geräteunabhängige Gebührenpflicht vor. Wenn alle zahlen, würde auch das kostspielige Aufspüren von Schwarzsehern obsolet und dank dem eingesparten Geld liesse sich der Gebührenbetrag senken. Aus Kreisen der notorischen SRG- und Billag-Gegner erschallte trotz den Aussichten auf tiefere Gebühren empörter Widerspruch: «Selbst wenn Sie auf der Alp oben wohnen, weder einen Fernseher, Laptop noch ein Smartphone haben, müssen Sie bezahlen», lässt sich eine Exponentin der Kampagne «Bye Bye Billag» auf blick.ch zitieren. Fragt sich, wie viele Menschen tatsächlich kommunikativ totalisoliert auf Schweizer Alpen hausen. Ausserdem gibt es durchaus Gründe, die eine geräteunabhängige Gebührenpflicht sinnvoll erscheinen lassen – allerdings unter Voraussetzungen, die heute nur beschränkt erfüllt sind.

Auch wer die Programme von SRG und gebührenunterstützten Privatsendern nicht berücksichtige, profitiere von deren «Leistungen für die Demokratie», schreibt der Bundesrat. Überhaupt habe sich der Charakter der RTV-Gebühren gewandelt  «von einem Entgelt der Einzelnen für individuell in Anspruch genommene Leistungen zur Finanzierung einer öffentlichen Aufgabe (..) deren Erfüllung im Interesse der Allgemeinheit ist und auch denjenigen zugute kommt, die keine Radio- und Fernsehprogramme konsumieren.»  So plausibel die Begründung für die allgemeine Gebührenpflicht auf den ersten Blick erscheinen mag, so unklar bleiben die beschriebenen «Leistungen für die Demokratie». Der Leistungsauftrag, der die Programme von SRG und Privaten zu einem «Service Public» verpflichtet, ist das eine, die gesendete Realität das andere. Insbesondere bei den privaten Veranstaltern, die mit dem neuen Radio- und Fernsehgesetz verstärkt am Gebührentropf hängen, wäre es doch übertrieben zu behaupten, sie täten sich mit «Leistungen für die Demokratie» hervor.

19. Januar 2010 von Bettina Büsser

JournalistInnen in Haiti

Die Pressefreiheit muss gewährleistet sein, JournalistInnen dürfen bei ihrer Arbeit nicht behindert werden – das sind eiserne Gesetze, die überall und immer gelten müssen. Oder doch nicht? Ini der aktuellen Situation in Haiti könnten leise Zweifel daran aufkommen. Etwa wenn man Bilder sieht, welche eine eben geborgene Überlebende zeigen – umlagert von FotografInnen und Kameraleuten. Oder wenn der “Tages-Anzeiger”-Korrespondent aus Haiti berichtet, er schlafe im Garten eines Hotels auf einer Matratze, verpflegen könne man sich, weil auf der Strasse wieder Lebensmittel verkauft und auch manche Restaurants wieder eröffnet würden. Oder wenn DRS1 in den Nachrichten mit einem deutschen Journalisten in Port-au-Prince telefoniert, der von seiner Fahrt durch die Stadt erzählt: Man komme nur ganz, ganz langsam voran, der Trümmer wegen, und weil es so viel Verkehr habe – was die Versorgung der Überlebenden mit Wasser, Nahrung und medizinischer Hilfe erschwere.
Da stellen sich unangenehme Fragen: Werden die Strassen nicht noch viel mehr verstopft, weil die Scharen von JournalistInnen, die jetzt nach Haiti gekommen sind, durch die Stadt fahren? Behindern die vielen Kameraleute und FotografInnen nicht die Rettungstrupps? Wäre es nicht besser, die Matratze im Hotelgarten und die Nahrung in den wieder eröffneten Restaurants würden den Erdbebenopfern zur Verfügung stehen? Und was geschieht mit einer kaputten Infrastruktur, wenn sie zusätzlich noch von HelferInnen und JournalistInnen beansprucht wird, die dafür auch gut (zum Beispiel in Dollars) bezahlen können?
Auch wenn die JournalistInnen in Haiti unter sehr, sehr harten Bedingungen gute Arbeit leisten: Vielleicht muss man sich überlegen, wie viele Medienleute in solchen Situationen sinnvollerweise vor Ort sein sollten.

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11. Januar 2010 von Klartext

Was wir heute lesen

„Weltwoche“ plädiert für Beugehaft | Dominique Strebel’s Blog
Die „Weltwoche“ plädiert offen für die Beugehaft. Journalisten verlieren das Verständnis für den Sinn von Untersuchungshaft.

Medientrends: Twittern war gestern | ZEIT ONLINE
Seriöse Information hat Zukunft. Wer hier investiert, gewinnt – glaubt der Londoner Zeitschriften-Erfinder Tyler Brûlé

Google Editions: Erste offizielle Informationen | bewegliche lettern
Mit Google Editions will der Internetkonzern vom kommenden Jahr an in Zusammenarbeit mit Verlagen digitale Bücher zum Kauf anbieten.

6. Januar 2010 von Bettina Büsser

Wann glaubt Lebrument an “unsere Zeitungen”?

 Alle Jahre wieder versammelt sich die Medienbranche zur Dreikönigstagung. Und alle Jahre wieder – seit er Präsident des Verbands Schweizer Presse ist – hält dann Hanspeter Lebrument eine Rede, aus der gerne zitiert wird. Das war an dieser Dreikönigstagung nicht anders. Lebrument erzählte vom Verlegerkongress in Interlaken, an dem eine “Masochistenschar” von Verlegern, Chefredaktoren, Publizisten und Anzeigenchefs die Rede von Bundesrat Ueli Maurer beklatscht habe: Maurer habe erstens die Wichtigkeit der Medien für den demokratischen Staat betont, zweitens gesagt, die Medien erfüllten ihre Aufgabe schlecht, drittens kund getan, dass er nicht höre, schaue und lese, was die Medien bringen, und – viertens – dafür tosenden Applaus geerntet. Wie, fragte Lebrument, hätte wohl ein Bauernpublikum auf eine entsprechende Maurer-Rede reagiert, wenn er über die Landwirtschaft dasselbe gesagt hätte: Eure Produktion ist wichtig für diesen Staat, aber was ihr liefert, ist ungeniessbar, und ich esse es nicht.
Ein hübscher Vergleich. Es kam noch besser. “Wir müssen zeigen, dass es sich lohnt, unsere Medien zu nutzen und dafür zu bezahlen”, sagte Lebrument  und rief zu einer “Offensive” gegen die “Glaubwürdigkeitskrise” der Medien auf. Eine Krise, die nach Lebrument offensichtlich auch auf dem eigenen Mist gewachsen ist: “Wir halten die Qualität unserer Produkte für ungenügend, wir bringen unseren Partnern bei, dass wir schlechte Arbeit leisten, unser Branchenmarketing zielt darauf, Inserenten vom Inserieren und Leser vom Abonnieren abzuhalten.” Wenn Lebrument auch nicht klar spezifizierte, wer nun dieses “wir” ist – zumindest ein Teil dieses “wir” müssen ja wohl die Verleger sein. Und damit gehören auch sie zu denen, denen er vorwarf: “Wir glauben nicht an unsere Zeitungen.”
Bloss: Es ist noch kein Jahr her, dass Lebrument in einem Interview mit “Le Temps” sagte, die abonnierten Tageszeitungen führten derzeit einen “existentiellen Kampf um das Überleben”, weil “wir nicht mehr sicher sind, dass die Tagespresse wirklich eine Zukunft hat”. Spricht so einer, der im Gegensatz zur Branche “an unsere Zeitungen” glaubt? Oder glaubt er je nach Anlass mehr oder weniger? Man wüsste es zu gerne.

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Aktuelles Heft

Ausgabe: 6 | 2009 Die Themen:
  • Marc Walder im Gespräch
  • Radio zum selbermachen
  • Zeitungen auf dem Werbe-Strich