20. April 2009 von Bettina Büsser
Nachdem uns “Das Magazin” vor kurzem mit den Heften “Menschen, denen die Zukunft gehört” (Nr. 12/09) und “500 Beiträge der Schweiz zur Verbesserung der Welt” (Nr. 15/09) beglückt hat, gab es am Samstag Nachschub in Sachen “Aufzählen mit Bildern”: “Wie wir leben. Bilder von Menschen von null bis hundert” heisst die aktuelle Nummer; sie zeigt 100 Bilder von Personen mit je einem Zitat dazu.
Die Nummer hat ein aufklappbares Titelbild mit drei Seiten Migros-Werbung, auch auf der letzten Heftseite wirbt die Migros. Den Inhalt hat ebenfalls so gut wie ganz die Migros geliefert:”Der Porträt-Zyklus wurde produziert von Studio Achermann, Zürich, im Auftrag der Migros, die das Portfolio zusammen mit dem diesjährigen Geschäftsbericht publiziert”, heisst es im “Magazin”.
Das, finden wir, ist nicht “Ein M besser”, das sind “einige M zu viel”. Top – und passend dazu ist das Zitat zum Bild von Schauspieler Anatole Taubman: “Bevor ich jeweils aus der Schweiz nach Berlin fliege, wo ich wohne, nehme ich mir immer einen Sack voller Sachen aus der Migros mit.” “Viel mehr als die Migros-Seiten enthält “Das Magazin” 16/09 also nicht”, bilanziert denn auch der Branchendienst persoenlich.com.
Besonders amüsant: Obwohl “Das Magazin” sonst jeweils sozusagen vollumfänglich ins Netz gestellt wird, finden sich dieses Mal unter dasmagazin.ch gerade mal das aktuelle “Journal der Gegenwart” und das “Monatsgespräch”. Logisch – denn wer den restlichen Inhalt des aktuellen “Magazin” online sehen will, schaut sich ganz einfach unter migros.ch den Geschäftsberichtan.
19. April 2009 von Bettina Büsser
Die Skala ist offenbar nach oben offen: Werbung und Sponsoring kennen keine Grenzen – vor allem, wenn es um TV geht. Der Beweis? Ralph Krueger, Trainer der Schweizer Eishockey-Nati und damit natürlich kurz vor Beginn der Eishockey-WM willkommener Studio-Gast im “Sportpanorama”, warb dort nicht nicht nur für seine Mannschaft, was sicherlich zu seinem Job gehört. Nein, er trug auf seinem Hemdkragen auch gleich noch die Logos von zwei ihrer Sponsoren: “Gate24″ und “PostFinance”.

Sie kamen natürlich während des ganzen, vierteiligen Gesprächs in jeder Grossaufnahme wunderbar zur Geltung. Wir fragen uns: Wann müssen sich die Trainer für den Fall eines TV-Auftritts die Logos der jeweiligen Sponsoren ins Gesicht tätowieren lassen?
15. April 2009 von Bettina Büsser
Zuerst, als Apéro:
1 Glas Prosecco – Champagner war früher! – zum Anstossen mit Freunden und möglichen künftigen Freunden:
• ein „Söll gälte“ an Gallus Dago Blatt und Luzi N. Zeiter
• ein „Santé“ an Wannja A. Z. Mittellander und Basil-Hagen Mann
• und amänd sogar ein „A la vôtre“ mit Herr Sant?
Dann Blättern in der berühmten Karte des Hauses – seit 1788! –, seufzen (wie dünn sie geworden ist!), abwägen: Seit der fürstliche Koch nicht mehr allein für den Hof kocht – der Hofetat! (wie dünn er geworden ist!) – ist die Cuisine anders. Aber besser als diejenige im früheren Regionalhof – ah, die fetttriefenden Platten! – alleweil. Bestellen:
1/2 Portion Züri Gschnätzlets mit 1/2 Portion Rösti
Üppig ist das nicht, aber Hauptsache: genossen im eigenen Büro,
mit Blick auf den Zürichsee.
9. April 2009 von Nick Lüthi
Eine zweifelhafte Form: Die Geschichte liest sich wie ein Krimi. Joshua Davis, Reporter des US-Magazins Wired, erzählt aus dem Inneren des perfekten Einbruchs, wie es fünf ausgebufften Profis vor sechs Jahren gelang, den Haupttresor im Diamantenzentrum Antwerpens auszuräumen. Gelesen hat die Geschichte offenbar auch Ignaz Staub vom Tages-Anzeiger. Denn in der heutigen Ausgabe findet sich eine ganzseitige Paraphrase auf den Wired-Artikel. Sauber zitiert, handwerklich einwandfrei. Aber null Eigenleistung, ausser dem Entdecken und Paraphrasieren. Einen solchen Text als Autor zu zeichnen, halte ich für problematisch, denn der Aufwand hatte in diesem Fall Davis, er flog nach Belgien, traf sich mit einem der fünf Verbrecher immer wieder im Gefängnis, ihm gehören die Credits. Aber es ist auch klar, weshalb der Tagi die Sache so und nicht anders gelöst hat. Hätte Davis als Autor gezeichnet, denn wäre dies mit Aufwand und Kosten verbunden gewesen. Und nun ist es gratis.
Das Zwitterblatt: Lustiges liest man im aktuellen Katalog des Frankfurter Buchverlags Zweitausendeins zur Weltwoche. Die sei «sowas wie ein Zwitter aus Spiegel und taz». Zwitter mag ja noch stimmen, aber wenn schon, dann einer zwischen SVP-Pressedienst und den Ausläufern eines einst grossen Magazinjournalismus.
Kallt analysiert: Verständlich, dass diese Frage auf der Zunge brennt. Schliesslich hat Tamedia gestern ausführlich dargelegt, weshalb ihre Berner Tageszeitung Der Bund nicht mit Gnade rechnen darf; ein hoffnungsloser Fall. «Bedeutet diese düstere Prognose faktisch das Todesurteil für diese Traditionszeitung?», fragte daraufhin Bund-Wirtschaftschef Hans Galli den Tamedia-CEO Martin Kall. Dieser sagt nein, meint aber ja, und erklärt noch einmal, weshalb die «ehrliche Analyse» der Bund-Leserzahlen nur nach unten weist und bis in zehn Jahren ein Verlust von mehr als einem Viertel des Publikums resultieren wird.
Fürs Schlachtfeld: Wer in unseren Breitengraden als Journalist mit einer Reporterweste herumrennt, vollgestopft mit Schreib- und anderem Werkzeug, auf dem Rücken der Schriftzug PRESSE, signalisiert damit, dass er entweder schon mal aus dem Krieg berichtet hat oder dies gerne tun würde. Doch die Gattung der Westenträger ist vom Aussterben bedroht. Insbesondere beim Nachwuchs verfängt die Abenteuerästhetik nicht mehr. Das soll sich nun ändern, findet «Jung-Modedesignerin» Heike Hüning. Sie präsentiert: eine «Weltneuheit: Die Medienweste». Wirklich neu ist daran eigentlich nichts. Ein Stück Stoff mit Armlöchern und vielen Taschen. Einen Lichtblick für die «Jung-Modedesignerin» gibt es noch: Wenn sich die Redaktionen bald in Schlachtfelder verwandeln (Kurt W. Z. über den Tagi: «Es wird also zu einem Blutbad kommen.»), könnte die Kriegsbekleidung auch in unseren Breitengraden wieder stärkeren Absatz finden.
8. April 2009 von Nick Lüthi
Tamedia (I): «mit anhaltenden Verlusten», «verlieren Marktanteile», «Zenit überschritten», «ein weiteres Viertel der Leserschaft verlieren», «keine Zukunftsperspektive» – so sieht Tamedia die Zukunft ihres Zeitungsgeschäfts. Und zwar nicht nur den abonnierten Teil davon. Auch bei den Gratistiteln («Zenit überschritten») setzt der Zürcher Konzern Fragezeichen. Nur dem Deutschschweizer Flaggschiff 20 Minuten scheint es weiterhin gut zu gehen. In der Westschweiz dagegen werde selbst die Fusion von 20 minutes und le matin bleu nicht in die Gewinnzone führen, schreibt Tamedia. Mit Blick auf einen «deutlichen Rückgang der Werbeinvestitionen» und Tamedias Erwartung, auch künftig 70 Prozent des Ertrags mit Zeitungen zu erwirtschaften, könnte man hier von einem Hochrisikogeschäft sprechen.
Tamedia (II): Als müssten auch noch die letzten Zweifler und Nostalgiker davon überzeugt werden, dass der Bund in Bern ein hoffnungsloser Fall ist, hat Tamedia gleich auf vier Folien die aussichtslose Lage der Zeitung bei der Präsentation des Geschäftsberichts dargelegt. Das abschliessende Argument für die geplanten einschneidenden Massnahmen (Einstellung oder enge Kooperation mit dem Tages-Anzeiger) steht allerdings auf wackligen Beinen. Denn der prognostizierte Leserverlust von 27 Prozent bis in zehn Jahren rechnet einfach die aktuelle Entwicklung hoch (respektive: tief). Davon, dass sich diese Entwicklung je wieder drehen liesse, geht Tamedia gar nicht mehr aus.
Bedenkliche Argumentation: Im konkreten Fall mag es ja durchaus Gründe dafür gegeben haben, den beiden NZZaS-Mitarbeitenden Jacquemart und Hug den Zürcher Journalistenpreis für ihre Berichterstattung zur Fusion der Banken Bellevue und Swissfirst nicht abzuerkennen; trotz der chefredaktionellen Entschuldigung beim ehemaligen Swissfirst-Chef Matter und der Rücknahme von zwei Aussagen. Äusserst bedenklich mutet dagegen die Erklärung von Fredy Gsteiger an, Präsident der Jury des Zürcher Journalistenpreises: «Man muss sich auf das verlassen können, das was man zum Zeitpunkt der Verleihung weiss.» Als ob ein Athlet die Medaille behalten könnte, nachdem er des Dopingmissbrauchs überführt wurde. Zum Zeitpunkt der Verleihung sieht man beim Sprinter und der Schwimmerin auch nur die Rekordleistung, aber gerade deshalb interessiert es später umso mehr, ob sie redlich erarbeitet wurde.
Aktuelle Kommentare