10. Mai 2010 von Bettina Büsser

Lebrument weiss, wie man JournalistInnen organisiert

Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands “Schweizer Presse“”und “Südostschweiz”-Medien-Inhaber, war zu Gast bei “Giacobbo/Müller” (unbedingt anschauen!) – und zeigte dort, wie weit man es mit Dickhäutigkeit und Phantasie im Medienwesen bringen kann: Lebrument ignorierte Anspielungen von Viktor Giacobbo auf seinen Radio-Konflikt mit Roger Schawinski, reagierte nicht auf die Schawinski-Anspielungen – “Wer hät’s erfunde?” – von Giacobbo, bot aber eine herrlich-phantastische Erklärung dafür, weshalb in seinem Betrieb Gewerkschaften nicht willkommen sind.
Grund dafür, so Lebrument, dass es bei ihm keine organisierten JournalistInnen gebe, sei, dass die Gewerkschaften “immer noch meinen, die Welt bestehe aus Printjournalisten. Die wissen noch nicht, dass es Online-, Radio- und Fernsehjournalisten gibt.” Ausserdem gebe es nach wie vor drei Organisationen, eine Standesorganisation, eine Gewerkschaft und eine SRG-Organisation, “die bringen nicht ein Dach für alle Journalisten hin”. Und wenn dann so einer komme und sage, er sei nur für die Printjournalisten zuständig, dann antworte er, Lebrument: “Was sollen wir dann mit den Online-, Radio- und Fernsehjournalisten?”
Dächten wir JournalistInnen also alle so multimedial wie Lebrument und würden uns so organisieren, wie der Patron will, wären Gewerkschaften auch im Hause “Südostschweiz” willkommen. Oder?

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15. April 2010 von Bettina Büsser

Win-win-win – und Stellenabbau

Wie viele Stellen es kosten wird, wissen die Beteiligten noch nicht. Aber dass der Deal, den Tamedia und NZZ-Gruppe rund um den Verkauf der „Zürichsee Zeitung“ abgeschlossen haben, Stellen kosten wird, ist völlig klar. MitarbeiterInnen von „Zürichsee Zeitung“, „Zürcher Unterländer“, „Zürcher Oberländer“, „Tages-Anzeiger“, „Thurgauer Zeitung“ und „Tagblatt für den Kanton Thurgau“ werden in diesem Sommer um ihre Stellen bangen müssen.
Was Tamedia-Verleger Pietro Supino, Martin Kall, Vorsitzender der Tamedia-Unternehmensleitung, Conrad Meyer, Verwaltungsratspräsident der NZZ-Gruppe, Albert P. Stäheli, CEO NZZ-Gruppe, und „Zürichsee Medien“-Verleger Theodor Gut am Donnerstagmorgen bekannt gaben, klingt aber zunächst einmal nach Win-win-win-Situation. Tamedia erhält mit diesem Deal die Zürcher Unterland Medien AG, die vorher Teil der NZZ-Tochter Freie Presse Holding (FPH) war, dazu die Zürichsee Presse AG, die mehrheitlich den „Zürichsee Medien“ der Familie Gut und minderheitlich der FPH gehört hat, ausserdem kommt eine Beteiligung von rund 40 Prozent an der Zürcher Oberland Medien AG dazu. Die NZZ-Gruppe erhält im Gegenzug die „Thurgauer Zeitung“-Herausgeberin Huber & Co AG. Und die Familie Gut erhält ordentlich Geld. Wie viel, wird, wie immer bei solchen Geschäften, nicht „kommuniziert“, ebenso wenig, ob zwischen Tamedia und NZZ-Gruppe ebenfalls noch Geld geflossen ist.
Für Tamedia wie NZZ-Gruppe bedeutet das konkret, dass sie nun je in einer Region ihre Konkurrenz eingesackt haben: Das zur NZZ-Gruppe gehörende „St. Galler Tagblatt“ hat auch eine Regionalausgabe „Tagblatt für den Kanton Thurgau“ – und neu ist jetzt auch die „Thurgauer Zeitung“ Teil der NZZ-Gruppe. Und Tamedia, welche „Zürichsee Zeitung“, „Zürcher Unterländer“ und „Zürcher Oberländer“ bereits einmal kaufen wollte, und, als das nicht klappte, in den Regionen Split-Ausgaben lanciert hat, holt nun diese drei endlich doch unter ihr Dach. Und da gibt es natürlich „Synergien“ zuhauf, im Thurgau wie in der Zürcher Land-Region.
Tamedia und NZZ-Gruppe werden nun daran gehen, zu prüfen, wo es neu Doppelspurigkeiten gibt – sie werden wohl einiges finden – und entsprechend Stellen abzubauen. Dabei will Tamedia „Zürichsee Zeitung“, „Zürcher Unterländer“ und „Zürcher Oberländer“, die bisher unter dem Titel „Zürcher Landzeitung“ zusammengearbeitet haben, leben lassen. Für Martin Kall ist das „Berner Modell“ mit „Bund“ und „Berner Zeitung“ Vorbild für ein Nebeneinander von „Tages-Anzeiger“ und den drei Landzeitungen. Doch dieses Zürcher „Berner Modell“ wird wohl hüben wie drüben zu einem Stellenabbau führen.
Wahrscheinlich wird der Deal weitere Kreise ziehen. Tamedia will laut Kall mit weiteren „Partnern“ in der Region zusammenarbeiten: mit dem Winterthurer „Landboten“ und den „Schaffhauser Nachrichten“. Die beiden Titel – der „Landbote“ gehört zu 20 Prozent der Tamedia, die „Schaffhauser Nachrichten“ sind unabhängig – werden wohl nicht umhin kommen, mitzumachen. Denn beide sind zumindest indirekt von diesem Tauschgeschäft betroffen. Der „Landbote“ hat nämlich bisher einen gemeinsamen Mantelteil für sich und die „Thurgauer Zeitung“ produziert, dafür wurde das Verlags- und Anzeigengeschäft beider Zeitungen in Frauenfeld abgewickelt. Nun, da die „Thurgauer Zeitung“ zur NZZ-Gruppe gehört, ist es aus mit dieser Zusammenarbeit, und der „Landbote“ muss sehen, wo er bleibt. Sicher in der Nähe von Tamedia. Die „Schaffhauser Nachrichten“ wiederum haben bisher mit „Thurgauer Zeitung“ und „Landbote“ das Werbekombi „Nordostschweiz“ gebildet, das es in Zukunft auch nicht mehr geben wird. Auch für die Schaffhauser wird deshalb der Druck, sich an Tamedia anzulehnen, wachsen.

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12. April 2010 von Nick Lüthi

Journalismus kommt unter die Räder.

BMW wird sich freuen, seine neue Limousine so prominent auf der «Bund»-Webseite anpreisen zu dürfen. Und Tamedia freut sich ob des vermutlich nicht bescheidenen Werbetarifs für diese Werbung. Eine Win-win-Situation also. Nicht ganz. Unter die Räder kommt dabei der Journalismus. Aber der ist ja eh nur noch Dekoration für ein möglichst attraktives Werbeumfeld.

12. April 2010 von Klartext

Intern: 30 Jahre Klartext, personeller Wechsel

Das Medienmagazin Klartext feiert im Oktober das 30-jährige Bestehen. Chefredaktor Nick Lüthi wird nach dem Jubiläum von der Leitung der Redaktion zurücktreten, um sich der Weiterentwicklung des Online-Auftrittes zu widmen.

Nick Lüthi wird per Ende Oktober 2010 von der Leitung der Redaktion des Medienmagazins Klartext zurücktreten. Er übernahm am 1. November 2007 die Chefredaktion. Über die Neubesetzung der Chefredaktion befindet der Stiftungsrat des Medienmagazins im Laufe des Jahres.

In seiner dreijährigen Tätigkeit schärfte Lüthi das Profil des ältesten Medienmagazins der Schweiz und gab dem Heft einen zeitgemässen optischen Auftritt. Ebenfalls in seine Verantwortung fiel die umfassende Neukonzeption der Webseite klartext.ch. Als profilierter Kenner der Medienlandschaft kommentierte Lüthi die Turbulenzen und Veränderungen mit grosser Sachkenntnis. Nach seinem Rücktritt als Chefredaktor bleibt Nick Lüthi Klartext mit einem Mandat erhalten; er wird die Weiterentwicklung der Webseite klartext.ch vorantreiben. Desweiteren wird er an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW angehende Journalistinnen und Journalisten in Online-Journalismus unterrichten.

Im Oktober feiert Klartext sein 30-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum wird die Ausgabe Nr. 5/2010 als Sondernummer erscheinen. Seit drei Jahrzehnten kommentiert und analysiert Klartext die umwälzenden Veränderungen der Medienlandschaft und bietet Debatten Raum. Dank seiner langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann sich das älteste Medienmagazin der Schweiz mit grosser Kontinuität mit den neuen Entwicklungen in der Branche auseinandersetzen und sie mit langfristiger Perspektive unabhängig von kurzsichtigen Hypes einordnen. Diese Tradition will Klartext mit dem Jubiläum unterstreichen, um sie auch in Zukunft weiterzuführen.

Der Stiftungsrat Klartext

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17. März 2010 von Christian Müller

Die Zehn Gebote des modernen Journalismus

  1. Beginne deine berufliche Laufbahn möglichst früh, bevor du dich durch eine Fachausbildung thematisch einengst. Schreibend zu lernen, was du verstehen solltest, macht eh mehr Spass, als die zeitaufwendige Aneignung von Wissen im voraus.
  2. Vergiss die Rechtschreibung und konzentriere dich darauf, das zu schreiben, was dein Chef von dir erwartet. Orthographische Kenntnisse sind reiner Ballast; der Computer korrigiert deinen Text automatisch.
  3. Formuliere frei. Grammatik war einmal. Was die Journalisten nicht wagten, haben die Werber erfolgreich vorgemacht. Lerne von ihrer aussagekräftigen, prägnanten Schreibe. Zum Beispiel so: Antworten? Nein. Keine. Noch keine. Noch keine? Noch keine! Eben.
  4. Verwende bewusst zeitgeistige Wörter wie “geil” oder “cool” oder “mega”. Dadurch schaffst du dir das Image eines jungen, lesernahen Reporters. Nichts schadet deinem Image mehr als die Duden-konforme Sprache eines Schullehrers. Du bist ja nicht von gestern.
  5. Schreibe bildhaft. “Die zartbesaitete Frau musste den mühsamen Gang durch die Instanzen antreten, um auch diese Schlacht im Galopp gewinnen zu können.” So wird ein Text anschaulicher, dramatischer – und erst noch verständlicher.
  6. Biete Neues. Die heutigen Leser sind neugierig: gierig auf Neues. Das Neue hat deshalb absoluten Vorrang. Aufwendige Abklärungen führen zu Bestätigungen, nicht zu Neuem. Lieber ein neues Gerücht als eine alte Wahrheit.
  7. Bleibe exakt. An Medienkonferenzen werden Unterlagen abgegeben. Diese stammen, anders als früher, jetzt von professionellen Informationsbeauftragten. Am wenigsten Fehler machst du, wenn du sie wortgetreu wiedergibst.
  8. Lass dich zu möglichst vielen unterschiedlichen Themen verlauten, damit du von möglichst vielen unterschiedlichen Lesern gelesen wirst. Je öfter dein Name aufscheint, desto glaubwürdiger ist er. Mit dem Namen schafft man sich einen Namen.
  9. Versuche möglichst schnell, Kommentare und/oder Kolumnen zu schreiben. Da fällt die mühsame Fakten-Beschaffung weg. Du kannst dich ganz auf deine Ansichten konzentrieren. Das erhöht deine berufliche Effizienz.
  10. Vergiss – last but not least – eines nie: Schreiben ist der schönste Beruf. In keinem anderen Beruf hast du die Chance, so schnell mit dir selber zufrieden zu sein, wie im Beruf des Journalisten. Da du dein Werk nach Drucklegung (oder elektronischem Versand) selber wiederlesen und beurteilen kannst, brauchen dich externe Kritiken nicht zu beunruhigen.

Der Autor war bis 2009 Unternehmensleiter der Vogt-Schild Medien Gruppe in Solothurn, zuvor u.a. Chefredaktor der Luzerner Neusten Nachrichten. Heute ist Christian Müller Geschäftsführer und Eigentümer der commwork AG.

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Aktuelles Heft

Ausgabe: 4 | 2010 Die Themen:
  • Heller, der Heftlimacher
  • Service Zukunft mit SR DRS
  • Bilderstreit, nächste Runde