24. Juli 2008 von Bettina Büsser
Manchmal macht die gute alte “Weltwoche” doch so richtig Freude. Nein, nicht mit dem x-ten “Editorial”, in dem Roger Köppel gegen Sämi Schmid drehleiert, sich grämt, weil “die grösste Partei des Landes keinen Vertreter im Bundesrat” hat, und es einmal mehr nicht schafft, eine Seite zu füllen, ohne das Wort “Blocher” zu verwenden. Auch nicht, weil die “Weltwoche” schon wieder – schon wieder! – eine “Farc”-Geschichte bringt, welche die Schweizer Gutmenschen als Terroristen-Marionetten vorführt.
Amüsiert hat Autorin Marianne Weissberg, die, ganz anti-mainstreamig und darum weltwochig, die lustige These aufstellt und ausführt, Männer seien von Natur aus glücklicher als Frauen – und weil dem so sei, versuchten die miefigen Frauen die Männer umzuerziehen. Ein Beweis für die “heitere Gelassenheit” der Männer, so Weissberg: “Männer sind trotz oder gerade nach Trennungen umgehend wieder aufgestellt. Die Beziehungsarbeit ist endlich gekündigt, nun kann die Grundlaune wieder Einzug halten. (…) Während sie noch schrecklich leidet, hat er seine Liebenssoftware bereits erfolgreich neu installiert.“
Mal was von Roland Nef und seinem Trennungsverhalten gehört, Frau Weissberg? Nicht? Dann lesen Sie doch bitte fünf Seiten nach Ihrem Artikel das “Weltwoche”-Interview mit Julia Onken, die – wie könnte es anders sein? – auch zum “Fall Nef” sehr viel zu sagen hat.
14. Juli 2008 von Bettina Büsser
Ja, offenbar gab es Lämpen unter den Fans im Finalspiel des internationalen Fussballturniers „Uhrencup“ in Grenchen. Nein, das ist nicht schön. Aber spannend ist alleweil, was in den Medien aus solchen „Hooligan“-Geschichten wird. In diesem Fall es so viel, dass sich die Uhrencup-Veranstalter nicht nur über die rangelnden und petardenwerfenden Fans, sondern auch über manche Berichterstatter ärgern.
Die Sicht des „Sonntagsblick“:
„Wüste Krawalle überschatten starke Schweizer Leistungen: Wüste Szenen in Grenchen: Tumulte und Schlägereien in beiden Fanblöcken. Als deutsche Supporter in der zweiten Halbzeit wiederholt Feuerwerkskörper aufs Spielfeld werfen, steht der Match vor dem Abbruch. Eine Fackel landet im Tor. Das Netz fängt Feuer. Borussen-Captain Sebastian Kehl staucht die eigenen Fans zusammen. Doch kurz nach Abpfiff eskaliert die Situation erneut. Abfalleimer und Fäuste fliegen durch die Gegend. Unbeteiligte Zuschauer stehen unter Schock.“
Die Sicht der „Sportinformation (Si.)“ (wurde in mehreren Zeitungen abgedruckt):
„Während der Partie war es zwischen den beiden Fan-Gruppen zu Ausschreitungen gekommen. Rund 70 Basler Rowdies stürmten den BVB-Sektor, und Dortmunder Fans warfen Feuerwerkskörper auf das Feld. Das Netz eines Tores fing Feuer. Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch. Die Situation beruhigte sich erst nach einem Spielunterbruch durch den erfahrenen Schiedsrichter Claudio Circhetta. Laut einem Communiqué der Organisatoren gab es aber weder Verletzte noch Sachbeschädigungen.“
Die Sicht des „Sonntag / MLZ“:
„Leider zeigten sich die BVB-Fans nach der Pause von ihrer schlechtesten Seite. Sie warfen Feuerwerkskörper auf das Spielfeld. Der Match musste mehrere Minuten unterbrochen werden. Gerade in dieser Situation bewies das Uhrencup-OK, dass es „erwachsen“ geworden ist. Die Situation beruhigte sich, nachdem Borussia-Captain Kehl und OK-Präsident Ruefer auf die wild gewordenen Fans einredeten. Ein Polizeieinsatz war auch dank dem beispielhaften Verhalten der Fussball-Profis nicht nötig geworden.“
Und schliesslich die Sicht des OK Uhrencup:
Uhrencup verurteilt die Scharmützel
Erstmals in der Geschichte des Uhrencups ist es anlässlich des Spiels Basel – Dortmund zu Zwischenfällen gekommen. Der Uhrencup bedauert diese Zwischenfälle, zeigt sich aber auch erstaunt über die Berichterstattung in diversen Medien. Dabei wurde von schweren Ausschreitungen, Tumulten, brennenden Tornetzen und bevorstehendem Spielabbruch gesprochen, ohne vorher die Sachlage und die Vorfälle zu klären.
Die Fangruppen sind noch vor Eintritt ins Stadion in ihre Fansektoren eingewiesen und Personen mit Stadionverbot abgewiesen worden. Dabei gab es keine Zwischenfälle. Als kurz vor Spielbeginn rund 20 Personen aus dem „neutralen“ Sektor in Richtung Basler Sektor rannten und mit BVB-Liedern provozierten, rannten rund 20 Personen aus dem Basler Sektor in Richtung Dortmunder Fan Ecke. Dabei kam es zu vereinzelten Rangeleien, die sich umgehend auflösten, ohne dass Sicherheitskräfte einschreiten mussten. Die Sicherheitskräfte grenzten daraufhin den Dortmunder Sektor ab und stellten auch beim Basler Sektor ein entsprechendes Dispositiv. Es waren in der Folge keine weiteren Scharmützel im Stadion auszumachen. Zwei Rädelsführer würden aus dem Stadion entfernt. Von Tumulten, Ausschreitungen und wüsten Schlägereien zu sprechen, entspricht im Zusammenhang mit den Ereignissen im Stadion nicht der Sachlage.
Nachdem im Basler Sektor drei Leuchtpetarden gezündet worden sind, zündeten Besucher im Dortmunder Sektor mehrere Petarden und warfen die brennenden Petarden in den eigenen (!) Strafraum. Das Spiel wurde daraufhin unterbrochen und der Schiedsrichter ordnete die Klärung der Situation an, ansonsten sich die Teams in die Kabinen zurückziehen würden. Daraufhin appellierten mehrere Dortmunder Spieler und Vertreter des OK’s erfolgreich an die Fairness der Besucher. Das Spiel konnte ohne weitere Zwischenfälle fortgesetzt werden. Die Meldung, wonach Tornetze gebrannt und ein ganzer Löschzug hätte ausrücken müssen, entspricht nicht den Tatsachen. Die Netze wurden nicht beschädigt und die vier anwesenden Feuerwehrleute sind seit Jahren Teil des Sicherheitsdispositivs mit der Aufgabe, brennende Petarden fachmännisch zu löschen.
Der Uhrencup verurteilt die Scharmützel aufs Schärfste und hat kein Verständnis für das Verhalten einiger Besucher. Gleichzeitig appelliert er auch an die Fairness bei der Berichterstattung der Medien.
1. Juli 2008 von Nick Lüthi
Gestern Abend, Wirtschaftsmagazin ECO auf SF1. Ein längerer Beitrag über den chinesischen Computerhersteller Lenovo (siehe oben), der sich seit der Übernahme der PC-Sparte von IBM vor drei Jahren auf globalem Expansionskurs befindet. Zu Wort kommt im Fernsehbeitrag auch Yang Yuanqing, VR-Präsident von Lenovo. Dem Interview mit SF-London-Korrespondent Peter Balzli ist nichts Spezielles anzumerken. Balzli fragt auch nach dem Sponsoringengagement Lenovos bei den olympischen Spielen oder nach der Rolle vom chinesischen Staat als Grossaktionär. Und erhält Antworten, nichts Brisantes zwar, aber immerhin. Was man nicht sieht: Im Hintergrund schäumte eine PR-Tante, die mit ihren Kolleginnen bereits im Vorfeld zu verhindern versuchte, dass SF kritische Fragen stellt.
Das gesamte «Making Of» dieses Interviews hat Peter Balzli für die Burgdorfer Regionalzeitung «D’Region» aufgearbeitet. Das liest sich dann so:
«Ganze zwei Monate vor dem Interviewtermin mussten wir der Pressestelle von Lenovo unsere Fragen an Yang Yuanqing vorlegen. Darauf beschied uns eine Dame von Lenovo aus Paris schriftlich, welche unserer Fragen erlaubt seien und welche nicht. (..) Etwas verstimmt über diese Vorzensur fuhr ich mit einem Kamerateam zum Interviewtermin. Dort empfingen mich drei Damen der PR-Abteilung von Lenovo. Eine der Frauen entriss mir den Zettel mit den Interview-Fragen und kontrollierte sie erneut auf ihre Zulässigkeit. Dabei teilte sie die Fragen ungeniert in „gut“, „sehr gut“, und „schlecht“ ein. (..) Das Interview wurde zur Realsatire. Immer wieder unterbrach die eine der PR-Damen das Gespräch und erklärte ihrem Chef, was er mir zu antworten habe. (..) Als ich sah, dass der Lenovo-Chef einen Olympia-Pin am Revers trug, sprach ich ihn darauf an und stellte die verbotene Olympia-Frage. Madame begann hinter mir zu schnauben. Doch der Chinese antwortete ruhig und sachlich, er hoffe auf schöne Spiele und glaube immer noch, das Olympia-Sponsoring sei ein gute Sache. Nach seiner Antwort warf sich die wütende PR-Dame zwischen uns und versuchte das Interview zu beenden.»
Und noch die Pointe:
«Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass es nicht der vermeintlich „demokratiefremde“ Chinese war, welcher eine korrekte journalistische Arbeit verunmöglichte, sondern zwei Damen aus dem Land, in dem die Menschenrechte erfunden wurden.»
30. Juni 2008 von Bettina Büsser
Da nun allenthalben Fussball-EM-Fazit gezogen wird, wollen wir – um die Zeit zu überbrücken, bis die Schweizer Meisterschaft wieder beginnt und wir zum Beispiel den FCZ bewundern können – das auch tun. Ganz kurz und knapp: Wir haben es ja gesagt. Beziehungsweise hat es “Mister Euro” Benedikt Weibel im KLARTEXT-Interview gesagt:
Klartext: Schlussfrage: Tippen Sie immer noch auf Spanien als Fussball-Europameister?
WEIBEL: Ich ändere meinen Tipp nicht. Ich muss etwas haben, was nicht jeder hat.
Klartext: Haben Sie lange überlegt, wen Sie als „Mister Euro“ am besten als Favorit nennen?
WEIBEL: (Lacht) Nein, nein. Ich habe gesagt, Spanien hat den weltbesten Stürmer, die sollten doch jetzt einmal etwas machen. Ich habe die Frage nach den Favoriten lange nicht beantwortet, wurde aber immer wieder gefragt. Man fragt auch immer, welche Spiele ich schauen werde. Ich traue mich nicht es zu sagen, aber eigentlich interessieren mich die Spiele nicht besonders. Mein Job sind nicht die Spiele, mein Job ist das Drum und Dran. Obschon ich wirklich ein Fussballfan bin und im Moment natürlich im siebten Himmel, YB hat das fünfte Mal in Folge gewonnen …
Klartext: Kann „Mister Euro“ es sich leisten, auf Spanien und nicht auf die Schweiz zu tippen?
WEIBEL: Ich sage: Spanien ist Favorit und die Schweiz übersteht die Vorrunde*, und dann ist alles möglich.
*Hier irrte auch Benedikt Weibel, wissen wir heute, aber ein “die Schweiz scheidet sang- und klanglos in einem sumpfigen Spiel in der Vorrunde aus” wäre für den Schweizer “Mister Euro” taktisch mehr als ungeschickt gewesen.
(Das ganze Interview zum Nachlesen)
26. Juni 2008 von Nick Lüthi
Abgang an der Spitze des «Echo der Zeit»: Casper Selg gibt die Leitung der politischen Hintergrundsendung von Radio DRS ab. Wann er zurücktreten wird, ist noch nicht bekannt. «Ich bleibe so lange im Amt, bis die Nachfolge geregelt ist», so Selg gegenüber KLARTEXT. Als Anlass für den Rücktritt nennt Selg gesundheitliche Gründe. Dem «Echo» bleibt der erfahrene Radiojournalist aber erhalten. Er wolle weiterhin für die Sendung arbeiten, einfach ohne die Belastung des Chefjobs, primär in der Moderation. Weitere Tätigkeiten seien «denkbar, aber noch nicht festgelegt».
Aktuelle Kommentare