<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Klartext - Das Schweizer Medienmagazin</title>
	<atom:link href="http://www.klartext.ch/?feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.klartext.ch</link>
	<description>Klartext berichtet über die Schweizer Medienlandschaft.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 08 Sep 2010 07:44:46 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Textbausteine im Kopf</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=10031&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=textbausteine-im-kopf</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=10031#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 Sep 2010 07:44:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Goldstein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 4 | 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Textklar]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=10031</guid>
		<description><![CDATA[Originalität sieht anders aus als dieser Satz. Nämlich neu und packend, aber solche Qualitäten sind gefährdet, wenn das Momentum zuschlägt. Will heissen: Wenn andere finden, so fühle sich eine flotte Schreibe an, und sie nachzuahmen beginnen. Fakt ist: Ein Ausdruck kann noch so originell zur Welt kommen – breitet er sich aus, so nutzt er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/03/SignetTextKlar1.jpg"><img src="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/03/SignetTextKlar1.jpg" alt="" title="SignetTextKlar" width="168" height="162" class="alignleft size-full wp-image-9701" /></a> Originalität sieht anders aus als dieser Satz. Nämlich neu und packend, aber solche Qualitäten sind gefährdet, wenn das Momentum zuschlägt. Will heissen: Wenn andere finden, so fühle sich eine flotte Schreibe an, und sie nachzuahmen beginnen. Fakt ist: Ein Ausdruck kann noch so originell zur Welt kommen – breitet er sich aus, so nutzt er sich ab.<br />
Aber der Reihe nach: Hier geht es um Formulierungen, die einst neu waren und – zumindest den Schreibenden – Freude machten. Aufmerksam Lesende merken es, und sofern sie auch Schreibende sind, machen sie es nach. Und so werden die einst originellen Wendungen zuerst zum Gemeinplatz und dann zum Ärgernis. Zumindest für weiterhin aufmerksam Lesende, die spüren, wenn jemand Textbausteine im Kopf hat.<br />
Da staunt man dann nicht mehr Bauklötze, sondern beginnt sich zu fragen, ob dem Verbum delicti vielleicht ein Geburtsfehler anhaftet, der bei häufigem Gebrauch stärker zutage tritt. Und man wird fast immer fündig. «Der Reihe nach» zum Beispiel: Es wird gesetzt, wenn ein Text mit einer heillosen Verwirrung begonnen hat, die die Leserin neugierig machen soll. Manchmal mag das funktionieren, aber Journalismus aus dem Lehrbuch ist es nicht: Der verlangt, dass man von Anfang an Klarheit schafft. «Will heissen»: Dass man den Leser nicht an der (Wunder-)Nase herumführt. Doch wer oder was will da etwas? Offenbar der vorangegangene Satz, aber «Fakt ist»: Ein Satz hat nun mal keinen Willen, er drückt höchstens einen aus, soll also etwas heissen. Und ein Fakt ist schlicht eine Tatsache. Ich habe einmal gelesen, das Fremdwort habe zuerst in der DDR Fuss gefasst. Das muss man ja nicht gerade für einen Geburtsfehler halten, aber eine Bereicherung der deutschen Sprache gibt es hier auch nicht zu feiern.<br />
Ebenso wenig hat es gebracht, «Momentum» und «sich anfühlen» zu importieren, wohl beides aus dem Englischen. «What does it feel like to have the momentum?» Es ist ein schönes Gefühl, wenn man den Schwung für sich hat, sei es in der Politik oder im Sport.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=10031</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>«Mit harten Fakten Schlagzeilen machen»</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=10017&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=%25c2%25abmit-harten-fakten-schlagzeilen-machen%25c2%25bb</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=10017#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 14:15:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Tamedia]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=10017</guid>
		<description><![CDATA[Die Sonntagszeitung schafft ein Recherche-Desk. Was man sich darunter vorstellen muss, erklärt Martin Stoll, der die neue Stelle leitet. Seit jeher geht den Sonntagszeitungen der Ruf voraus, im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums mit besonders harten Bandagen zu Werke zu gehen. Was dabei herauskommt, fällt mitunter in die Gattung des «Mid-Risk-Journalismus». Wobei zur Entlastung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Sonntagszeitung schafft ein Recherche-Desk. Was man sich darunter vorstellen muss, erklärt Martin Stoll, der die neue Stelle leitet.</strong></p>
<p>Seit jeher geht den Sonntagszeitungen der Ruf voraus, im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums mit besonders harten Bandagen zu Werke zu gehen. Was dabei herauskommt, fällt mitunter in die Gattung des «Mid-Risk-Journalismus». Wobei zur Entlastung angemerkt werden muss, dass die Inkaufnahme von Halbgarem und Halbwahrem nie das exklusive Privileg der Sonntagspresse war. Und natürlich gilt auch: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Anders als die Tageszeitungen kennt man im Nachrichtengeschäft am Sonntag kaum Pflichtstoffe, alles ist Recherche und die gestaltet sich tückenreicher als das pflichtbewusste Abhandeln einer Medienkonferenz.<br />
Die Sonntagszeitung (Tamedia) unternimmt nun einen Effort und will die Recherchekultur stärken. Dazu schafft das Blatt ein Recherche-Desk, wie einer aktuellen Mitteilung zu entnehmen ist. Diese Neuerung zeigt sich weniger in baulichen, sondern in personellen Massnahmen. Martin Stoll, für seine Recherchen mehrfach ausgezeichneter Journalist und seit 15 Jahren Redaktor der Sonntagszeitung, wird vom Tagesgeschäft freigestellt und kann sich voll und ganz aufwändigeren Geschichten zuwenden. «Wir werden versuchen tiefer zu schürfen», sagt Stoll. Ausserdem wolle er vermehrt latent aktuelle Themen aufgreifen, da er nun vom «Wochenkarussell» entlastet sei. Was aber nicht heisst, dass es monatelang keine Stoll-Geschichten zu lesen gibt, weil er nur recherchiert und nicht mehr schreibt. «Bei meinen langfristigen Projekten gibt es immer Zwischenergebnisse, die ich veröffentliche.»<br />
Das Recherche-Desk ist nicht, wie nun der Eindruck entstehen könnte, eine Einzelveranstaltung von Martin Stoll. Zwar gibt es vorerst kein zusätzliches Personal, mit dem eine investigative Abteilung aufgebaut werden könnte, aber dank Synergien mit Reportern und Redaktoren aus verschiedenen Ressorts soll die Recherchekultur gestärkt werden. «Es ist nun meine Aufgabe, dafür ein fruchtbares Klima auf der Redaktion zu entwickeln», sagt Stoll. Ein möglicher und vor allem auch wünschenswerter Effekt dieser Klimaveränderung könnte eine Risikominimierung und damit eine Vermeidung von «Mid-Risk-Journalismus» mit überdrehten Schlagzeilen und dünnen Geschichten sein. Ein Anliegen, dem auch Martin Stoll etwas abgewinnen kann: «Schliesslich wollen wir mit harten Fakten Schlagzeilen machen.»</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=10017</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Herr der Heftli</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=10018&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=der-herr-der-heftli</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=10018#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 07:34:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klartext</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 4 | 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Heller]]></category>
		<category><![CDATA[RINGIER]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Illustrierte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=10018</guid>
		<description><![CDATA[Ringiers Zeitschriften kennen keine Krise. Dafür verantwortlich ist Urs Heller. Der ehemalige Journalist, unter anderem als Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», weiss als oberster Heftlimacher von Ringier, wie man bunt bedrucktes Papier verkauft. Gespräch: Bettina Büsser und Nick Lüthi KLARTEXT: Das Publikum Ihrer Zeitschriften ist mehrheitlich weiblich. «Glückspost»-Chefredaktorin Béatrice Zollinger sagte in einem Interview: «Als Frau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_10019" class="wp-caption aligncenter" style="width: 470px"><a href="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/09/Heller_Web.jpg"><img class="size-full wp-image-10019" title="Heller_Web" src="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/09/Heller_Web.jpg" alt="" width="460" height="307" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: Vanessa Püntener</p></div>
<p><strong> Ringiers Zeitschriften kennen keine Krise. Dafür verantwortlich ist Urs Heller. Der ehemalige Journalist, unter anderem als Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», weiss als oberster Heftlimacher von Ringier, wie man bunt bedrucktes Papier verkauft.</strong> Gespräch: Bettina Büsser und Nick Lüthi</p>
<p>KLARTEXT: Das Publikum Ihrer Zeitschriften ist mehrheitlich weiblich. «Glückspost»-Chefredaktorin Béatrice Zollinger sagte in einem Interview: «Als Frau versteht man schon besser, was andere Frauen wollen.» Sie als Mann – geht das?<br />
Urs Heller: Ich kompensiere meine Männlichkeit mit sehr vielen Frauen in den Führungsfunktionen. Bei den Zeitschriften ist der Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», Nik Niethammer, eigentlich unser Quotenmann, «Glückspost», «Bolero» und «SI Style» werden von Frauen geleitet.</p>
<p>KT: Weshalb sind Frauen gute Heftlikäuferinnen?<br />
Heller: Frauen sind treu; wenn sie sich einmal mit einer Zeitschrift identifiziert haben, bleiben sie dabei. Auf der ganzen Welt haben die meisten Zeitschriften eine eher weibliche Leserschaft. Es gibt ein paar Nachrichtenmagazine für die Männer, aber sonst … Wir hatten ja in der Schweiz «Facts», doch das Projekt wurde zum Flop, und zwar nicht, weil die Redaktion das Heft nicht gut genug gemacht hat. Der Markt wollte den Titel einfach nicht.</p>
<p>KT: Auf dem Lesermarkt sieht die Bilanz Ihrer Titel etwas durchzogen aus.<br />
Heller: Wir können nicht klagen. Die «Glückspost» hat das erfolgreichste Jahr aller Zeiten hinter sich, im Leser- und im Anzeigenmarkt. Bei der SI stimmen Reichweite, Franken und Rappen perfekt; beim Kiosk­verkauf haben wir leichte Einbussen. Bei «SI Style» haben wir 450’000 Leserinnen, 100’000 mehr als die «Annabelle», dazu 100’000 Abos, eine Rekordzahl in der Schweiz. Wir könnten jederzeit noch mehr in den Markt bringen, aber wir haben uns für «SI Style» eine ideale Grösse von 400’000 Leserinnen vorgenommen. Die haben wir erreicht. Deshalb haben wir etwas Marketingdruck weggenommen. </p>
<p>KT: Bei der SI gab es Ende 2008 einen Chefredaktorenwechsel von Dominic Geisseler zu Nik Niethammer. Dominic Geisseler war nicht ganz ein Jahr im Amt – hatte das mit den schlechten Zahlen zu tun?<br />
Heller: Geisseler kriegt jetzt eine Schlüsselfunktion bei der «SonntagsZeitung», er wird einen tollen Job machen. Ein paar Dinge sind bei uns nicht ideal gelaufen, er und die Redaktion haben sich nicht gerade zum Dream-Team zusammengefunden.</p>
<p>KT: Sie haben diesen Wechsel zum Anlass genommen, einige Dinge bei der SI zu verändern.<br />
Heller: Es waren keine dramatischen Veränderungen. Die SI muss ein People-Magazin sein, ein schweizerisches Magazin, nicht nur ein zürcherisches. Man muss wahrscheinlich eher einen roten Teppich weniger und einen Schwingerkönig mehr bringen, man muss auch beachten, was im Fernsehen ankommt. Nik Hartmann wandert mit einem müden, alten Hund über die Berge und wird damit zum Publikumsliebling! Wenn der Schweizer wählen kann zwischen einem «Big Brother»-Star und Nik Hartmann, dann will er offenbar den Nik. Der ist echter.</p>
<p>KT: Bauen Sie auch eigene Lieblinge auf?<br />
Heller: Ja, im Idealfall sind wir Frühentdecker und dann Begleiter durch alle Lebensphasen. Der Prototyp ist wahrscheinlich Martina Hingis, die im SI-Mietwagen in Australien an ihr erstes Grand-Slam-Turnier reiste und später als Nummer eins im Tennis immer noch nett zu uns war. Man sieht sich auch heute noch. Sie ist eigentlich das Vorbild für eine faire Zusammenarbeit zwischen einem Star und der SI. Ein weiterer Fall ist Ottmar Hitzfeld. Mit ihm habe ich schon gepokert, als ich ein blutjunger Journalist und er beim FC Luzern Mittelstürmer war. Auch später war Ottmar sehr grosszügig zu uns, die einzige Homestory, die es je von ihm gab, ist bei uns erschienen. Das sind Beziehungen, die man pflegen muss. </p>
<p>KT: Ist das Chefsache: Sie haben diese Kontakte und pflegen sie?<br />
Heller: Ich bin 30 Jahre im Geschäft. In dieser Zeit sind gute Kontakte entstanden. Natürlich erwarte ich von einem SI-Chefredaktor, dass er die wichtigsten Player in der Schweiz persönlich kennt, ihre Handynummer hat, dass er sie anrufen kann und das Telefon abgenommen wird. Sonst wäre er am falschen Platz. People-Journalismus bedeutet, dass man Zugang zu diesen Leuten hat und von ihnen etwas Besonderes erhalten kann: Wir wollen die wichtigsten Schweizer treffen, wenn sie daheim sind, wenn sie joggen, wenn sie in den Ferien sind. Im Urkonzept der SI steht: «Wir zeigen die Prominenten dort, wo sie sich am wohlsten fühlen. Sicher nicht in ihrem Büro.»</p>
<p>KT: Werden diese Kontakte innerhalb der SI-Familie weitergegeben?<br />
Heller: Eigentlich sollte schon jeder Titel für sich schauen, es braucht einen gewissen Konkurrenzkampf. Die «Glückspost» brachte in der letzten Zeit einige erstaunliche People-Geschichten, welche die SI nicht hatte.</p>
<p>KT: Hat deshalb die «Glückspost» letztes Jahr so gut abgeschnitten?<br />
Heller: Der wichtigste Grund ist die überragende Chefredaktorin. Ich kenne kaum jemanden, der so nahe an ihren Leserinnen und Lesern ist wie Béa Zollinger. Sie versteht ihre Leserinnen und Leser und die Themen, die sie interessieren. Kommt dazu, dass die Gattung «Yellow Press» in Krisenzeiten selten leidet. Man hat dann irgendwie Lust auf diese «Glückspost»-Welt. Das einzige echte Problem der «Glückspost» ist: Sie wird im Werbemarkt unterschätzt, weil man in der Zürcher Werbeagenturen-Szene die «Glückspost» zu wenig liest.</p>
<p>KT: Das Image der Leserinnen ist wahrscheinlich: eher alt, eher wenig Geld.<br />
Heller: Man darf die Altersklasse 50 plus nicht unterschätzen: Diese Leute haben Geld, und sie wollen es ausgeben. Mein Hobby ist es ja, am Kiosk zu stehen und zu schauen, wer was kauft. Ich sehe, wer die «Glückspost» kauft: Diesen Frauen geht es bestens.</p>
<p>KT: Wie nahe sind Sie an den Redaktionen dran?<br />
Heller: Ich habe einen guten Draht zu den Redaktionen. Bei der SI besteht ein sehr enger Kontakt. Bei «SI Style» habe ich mich bewusst zurückgezogen, damit Sabina Diethelm, die neue, sehr begabte Chefredaktorin, den nötigen Freiraum findet. Doch ich sehe noch immer jedes Titelbild. Ich bin von Beruf ja Journalist und erst später ins Verlagsgeschäft eingestiegen. Das hilft mir bei meiner Arbeit.</p>
<p>KT: Wieder vermehrt journalistisch arbeiten möchten Sie nicht?<br />
Heller: Ich habe für Ringier immer neue Magazine entwickelt, das ist Journalismus pur. Vorher habe ich so viel geschrieben, hatte Super-Jobs als «Blick»-Sportchef, «SonntagsBlick»-Chef, SI-Chef, ich konnte mich schon austoben. Wenn ich heute Lust habe zu schreiben, schreibe ich. Es gibt immer irgendwo Bedarf.</p>
<p>KT: Haben Sie irgendwelche neuen Magazine im Köcher?<br />
Heller: Eine ganze Schublade voll. Wir haben ja bei Ringier ein recht eigenwilliges System bei Neulancierungen. Wer eine Idee hat, muss sie auch umsetzen. Nur so funktionierts. Und wir haben einen coolen Verleger, der lieber seinen Mitarbeitern als den externen Beratern und Marktforschern vertraut. Bei «SI Style» dauerte es nur sechs Monate von der ersten Idee bis zum Start. Ausserdem haben wir Mini-Redaktionen. Ich bin ein Verfechter der Idee, dass man relativ klein beginnt. Später kann man es sich erlauben auszubauen. Dafür haben wir bei den Magazinen fast niemanden entlassen, wir haben in der ganzen Krise insgesamt nur 60 Stellenprozent abgebaut.</p>
<p>KT: Wo genau sehen Sie Potenzial für ein neues Magazin?<br />
Heller: Es gibt zum Beispiel neue Familienformen, die nicht bedient werden. Es gibt Mütter, die mit Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung jonglieren und trotzdem einen guten Job machen. Ein modernes Familienmagazin, das diese Gruppe abdeckt, gibt es nicht. Noch ist nichts spruchreif, doch auch dieses Konzept liegt griffbereit in der Schublade.</p>
<p>KT: Und die SI könnte wie bei «SI Style» oder «SI Grün» als Startrampe dienen?<br />
Heller: Das ist eine Möglichkeit. Voraussetzung ist, dass das Thema zur SI passt. Neue Magazine müssen im Leser- und im Werbemarkt erfolgversprechend sein. Nur dann darf man an den Start.</p>
<p>KT: Wenn man weiss, was Sie persönlich gerne mögen – Golf, Zigarren, gutes Essen – dann ist es erstaunlich, dass Sie ein Feeling für das SI-Publikum haben.<br />
Heller: Ich mag unsere Leser, und ich gehe gerne unter die Leute. Ich staune, wie wenige Verlagsleute und Chefredaktoren das tun. Mich trifft man nicht nur im Zürcher Opernhaus oder im KKL, sondern auch im Fussballstadion und am Schwingfest, auf einer Tribüne voller Menschen, von denen statistisch gesehen jeder Vierte eines meiner Magazine liest. Ich will wissen, wer beim Eishockey und beim Skifahren der Star ist. Wahrscheinlich bin ich der mediale Entdecker von Dominique Gisin. Eine Frau, die sich am Knie siebenmal verletzt hat und trotzdem weiterfährt, später Physik studieren und am CERN arbeiten will, die super Klavier und Orgel spielt, finde ich spannend. Damit kann ich gut in die Redaktion kommen und fragen: Weshalb haben wir eigentlich keine Gisin-Geschichte? </p>
<p>KT: Wenn Sie als Verlagschef mit einer solchen Idee kommen, ist Ihr Vorschlag der Redaktion dann Befehl?<br />
Heller: Ich habe ja auch ein bisschen Erfolg gehabt in meinem Leben. Man glaubt mir, dass ich weiss, wer bei den Lesern ankommt und wer nicht. </p>
<p>KT: Haben Sie auch schon auf die falschen Figuren gesetzt?<br />
Heller: Mein grösster Flop war Ernesto Bertarelli und die Alinghi. Ich hätte nie gedacht, dass sich in der Deutschschweiz kein Schwein dafür interessiert. Unsere Alinghi-Geschichten blieben am Kiosk bleischwer liegen. Aber das kann passieren. Es ist wichtig, unter die Leute zu gehen. Ich ermuntere meine Leute dazu, mit den Personen, über die sie schreiben, steten Kontakt zu halten. Unsere Artikel entstehen ja mehrheitlich aus Kontakten, aus dem Bauch heraus oder aus Begeisterung, weil man auf jemanden setzt. DJ Bobo haben wir entdeckt, den Kickboxer Andy Hug ebenfalls.</p>
<p>KT: Sie sind nah dran an den Stars. Manchmal zu nah, wie eine Rüge des Presserats zeigt: SI-Reporterin Isabel Teuwsen hat unautorisiert ein Gespräch mit einer Bekannten von Schriftsteller Martin Suter zum Tod von dessen Sohn verwendet.<br />
Heller: Presserat? Gibts den noch? Wir nehmen den Entscheid zur Kenntnis, zerknirscht sind wir nicht. In diesem Fall war allen Beteiligten klar, dass Frau Teuwsen von Beruf Journalistin ist und dass sie die Aussagen verwenden wird. In zwanzig Jahren SI ist dies wohl der erste Presserat-Entscheid gegen uns.</p>
<p>KT: People-Journalismus findet sich heute nicht mehr nur in Magazinen wie der SI, sondern in fast allen Medien.<br />
Heller: Für uns ist das ein Ansporn, noch besser zu arbeiten und die Rolle als Entdecker von Stars noch besser zu spielen. Die anderen können das auch, es gibt auch hervorragende People-Geschichten in Tageszeitungen. Wir haben den Vorteil, dass wir länger an den Geschichten arbeiten und sie dann grösser und mit besseren Bildern ins Blatt bringen können. </p>
<p>KT: Online hat die SI in ein umfassendes Portal investiert. Rechnet sich das?<br />
Heller: Bei der Online-Strategie sind auch wir bereit, ein bisschen Geld zu verlieren. Aber ich glaube, man muss es tun. Online gehört erstens zu unserem Titel, zweitens zur Ausbildung von jungen Journalisten. Noch im August werden wir die Ersten sein, die auf dem iPad eine Applikation mit einem Mehrwert anbieten. </p>
<p>KT: Die «SI Style» mit ihrem jungen Publikum verfügt im Netz nur über eine bessere Visitenkarte. Weshalb?<br />
Heller: Wir haben für die SI-Magazine einen gemeinsamen Online-Auftritt. Mit «SI Style» gehen wir direkt aufs iPad. Zeitschriften eignen sich perfekt dafür.</p>
<p>KT: Sie besitzen selbst ein iPad?<br />
Heller: Das ist bei uns Pflicht. Ich bin natürlich kein Freak und brauche einen hohen Betreuungsaufwand. Hab ichs mal kapiert, machts mir echt Spass. </p>
<p>KT: Verdient man Geld mit dem iPad?<br />
Heller: Ich habe mal gesagt, dass ich mich pensionieren lasse, sobald mit Online mehr Geld gemacht wird als mit Print. Aber diese Wette gilt nicht mehr, ich möchte ja nicht arbeiten, bis ich hundert Jahre alt bin. Ich erwarte aber, dass die Einnahmen aus dem Online-Bereich stetig wachsen und dass wir irgend­einmal zu einer Vollkostenrechnung übergehen können.</p>
<p>KT: Sie sind neben allen Aufgaben rund um Ihre Titel auch Chefredaktor von «Gault Millau». Welchen Anteil an Ihrer Arbeit macht das aus?<br />
Heller: Jetzt ist es gerade etwas hektisch, weil das Buch in die Endphase geht. Doch es beansprucht in erster Linie meine Freizeit. Ich habe nun mal Freude am Essen, darum bin ich vor Urzeiten auch Tester geworden und habe später den Job von Silvio Rizzi geerbt. «Gault Millau» ist übrigens das Einzige, was ich mache, das kein Geschäft ist. Wenn wir da mit ein paar Franken im Plus rauskommen, sind schon alle zufrieden.</p>
<p>KT: Ringier hat unter Marc Walder eine neue Strategie: Events und Unterhaltung sollen neu eine gewichtige Rolle spielen. Wie betrifft das Ihre Abteilung?<br />
Heller: Wir verkaufen unsere angestammte Ware, nämlich kluge journalistische Geschichten, zu billig. Also müssen wir uns nach neuen Einnahmequellen umsehen. Events und Ticketing passen da sehr gut. Dank unserer Beteiligung an Good News müssen wir ja nicht bei Null beginnen. Unsere Leser werden von dieser Strategie profitieren.</p>
<p>KT: Sie sehen kein Problem darin, dass Ihnen der Konzertveranstalter einen Promi ins Blatt drückt?<br />
Heller: Die einzelnen Titel haben völlige Freiheit zu sagen, was sie interessiert und was nicht. Eine Kooperation erleichtert den Zugang zu den Stars.</p>
<p>KT: Da sind viele «Beziehungsdelikte» möglich. Welche Rolle hat der Verlag, welche die Redaktion – und wo ist die Grenze dazwischen?<br />
Heller: Dass Verlag und Redaktion nichts miteinander zu tun haben sollten, ist eine Vorstellung aus dem letzten Jahrhundert. Wenn es jemandem im Haus gelingt, einen Weltstar zu einer Geschichte zu überreden, ist es doch wurst, ob es ein Journalist ist, ein Event-Veranstalter oder ein Verlagsmensch.</p>
<p>KT: Wie sieht es denn bei Kontakten zu guten Inseratenkunden aus? Die finden es ja sicher auch toll, wenn sie mal im redaktionellen Teil vorkommen.<br />
Heller: Chefs von grossen Firmen sind meistens spannende Figuren. Wer Erfolg hat, ist für uns grundsätzlich eine Geschichte wert – ob er Anzeigenkunde ist oder nicht.</p>
<p>KT: Wollen die Leute während einer Wirtschaftskrise überhaupt Geschichten über erfolgreiche Menschen lesen? Wie macht man in Krisenzeiten heitere Heftli?<br />
Heller: Indem man Leute zeigt, die es trotzdem packen, oder auf krisenresistente Themen wie Sport und Show ausweicht. Heile Welt allein funktioniert nicht. Schicksalsgeschichten gehören ins Blatt, vorzugsweise solche mit einem Happy End.</p>
<p>Das Gespräch fand am 21. Juli in Zürich statt.</p>
<div id="kasten1">
<h3>Urs Heller: Ein Ringier-Urgestein</h3>
<p>Seit fast 40 Jahren arbeitet Urs Heller im Verlagshaus Ringier. Zurzeit bekleidet der Luzerner den Posten des Geschäftsführers Zeitschriften und ist in dieser Funktion auch Mitglied der Geschäftsleitung von Ringier Schweiz. Damit trägt er die Verantwortung für die «Schweizer Illust­rierte» (SI) – samt ihren Sonderheften und den in den letzten Jahren gegründeten Tochterblättern «SI Style», «SI Grün» und «Goal» – sowie für «Glückspost» und «Bolero». Im Herbst kommt möglicherweise die Schweizer Ausgabe des in Deutschland äusserst erfolgreichen Magazins «Landlust» dazu. Man führe Gespräche mit dem Verlag. Doch der definitive Entscheid stehe noch aus, sagte Heller im KLARTEXT-Gespräch.<br />
Als Chefredaktor leitete Heller die SI, wie später auch «SI Style» und «Goal» nach deren Lancierung, sowie in früheren Jahren den «SonntagsBlick». Beim «Blick» war Heller Sportchef. Sport beschäftigt den Heftlimacher auch in seiner Freizeit: Er spielt Golf und besucht regelmässig die Fussballspiele des FC Luzern. Ebenfalls unter Freizeit bucht der Gourmet Heller seinen Job als Chefredaktor von «Gault Millau» ab.</p></div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=10018</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Noch ein paar Worte zur BaZ</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=10009&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=noch-ein-paar-worte-zur-baz</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=10009#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 10:10:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Basel]]></category>
		<category><![CDATA[BaZ]]></category>
		<category><![CDATA[Somm]]></category>
		<category><![CDATA[Tageszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Tettamanti]]></category>
		<category><![CDATA[Wagner]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=10009</guid>
		<description><![CDATA[Der Reflex spielte:  Wenn der neue BaZ- Chefredaktor Markus Somm heisst, dann wird die Zeitung künftig einen rechtskonservativen Kurs fahren. So lautet mehrheitlich der Tenor in der Berichterstattung zur Inthronisierung des bisherigen Weltwoche-Vize am Rheinknie. Ob dem tatsächlich so ist – wir können uns nur wiederholen – erfahren wir erst, sobald Somm in die Tasten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Reflex spielte:  Wenn der neue BaZ- Chefredaktor Markus Somm heisst, dann wird die Zeitung künftig einen rechtskonservativen Kurs fahren. So lautet mehrheitlich der Tenor in der Berichterstattung zur Inthronisierung des bisherigen Weltwoche-Vize am Rheinknie. Ob dem tatsächlich so ist – wir können uns nur <a href="http://www.klartext.ch/?p=10002">wiederholen</a> – erfahren wir erst, sobald Somm in die Tasten greift. Wir bleiben skeptisch angesichts dieser simplen Gleichung. Denn anders als bei der Weltwoche steht bei der BaZ künftig kein Duo an der Spitze, das im Gleichtakt auf der rechten Überholspur Gas gibt. Mit Urs Buess hat Somm einen Stellvertreter, der politisch links seines Vorgesetzten steht. Dieses Spannungsfeld zwischen Chef und Vize kann publizistisch äusserst fruchtbare Ergebnisse zeitigen. Und was soll so schlimm sein, wenn doch hauptsächlich Markus Somm den Ton angibt? Neben all den Forumszeitungen, die oft Windfahnen gleich, mal in diese und dann wieder in die andere Richtung kommentieren, um es ja allen recht zu machen, würde die Schweizer Zeitungslandschaft durchaus ein Blatt vertragen, das politisch klar zu verorten ist. Dass die Linke in  Basel aufjault bei der Personalie Somm, liegt auf der Hand. Diese Reaktion sagt aber mehr aus über die bisherige Berichterstattung der BaZ , als über die künftige. Parteien und Politiker finden eine Zeitung dann gut, wenn sie ihre Meinungen möglichst ungefiltert wiedergibt – was gemessen am Aufschrei von Rot-Grün bei der alten BaZ offenbar der Fall war.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=10009</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>BaZ bald auf «Weltwoche»-Kurs?</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=10002&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=baz-bald-auf-%25c2%25abweltwoche%25c2%25bb-kurs</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=10002#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 10:44:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Basel]]></category>
		<category><![CDATA[BaZ]]></category>
		<category><![CDATA[Somm]]></category>
		<category><![CDATA[Tettamanti]]></category>
		<category><![CDATA[Wagner]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
		<category><![CDATA[WoZ]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=10002</guid>
		<description><![CDATA[«Gibt es nicht zu viele Linksradikale in den Medien?», fragte Tito Tettamanti rhetorisch, nachdem er Anfang 2010 zusammen mit Martin Wagner die Basler Zeitung gekauft hatte. Damit meinte der Tessiner Financier bestimmt nicht Journalisten wie Markus Somm, der ab sofort die Chefredaktion der BaZ übernimmt. Als Autor einer Hagiographie von Christoph Blocher und einer Guisan-Biographie, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->«Gibt es nicht zu viele Linksradikale in den Medien?», <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/top/de/drs/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10121632.html">fragte Tito Tettamanti</a> rhetorisch, nachdem er Anfang 2010 zusammen mit Martin Wagner <a href="http://bazonline.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Tito-Tettamanti-kauft-Basler-Zeitung/story/27738229">die Basler Zeitung gekauft</a> hatte. Damit meinte der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tito_Tettamanti">Tessiner Financier</a> bestimmt nicht Journalisten wie <a href="http://www.weltwoche.ch/autoren/markus-somm.html">Markus Somm</a>, der ab sofort <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/markus_somm_per_sofort_neuer_chefredaktor_der_basler_zeitung_1.7380932.html">die Chefredaktion der BaZ übernimmt</a>. Als Autor einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hagiographie">Hagiographie</a> von <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Neue-Biografie-blendet-Blochers-Abstieg-aus/story/22069137">Christoph Blocher</a> und einer Guisan-Biographie, die <a href="http://dasmagazin.ch/index.php/%C2%ABwiderstand-nach-schweizerart%C2%BB/">linke Geschichtsverdrehung</a> korrigieren will, tickt Somm ganz nach Tettamantis Gusto und empfahl sich mit seinem bisherigen Wirken als stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche geradezu für den Chefposten am Rheinknie.</p>
<p>Ob Somm seinen <a href="http://www.weltwoche.ch/suchlisten/suche/autorensuche.html?tx_kbtagsearch_pi1[authorid]=59837&amp;doit=1">aktuellen politisch-publizistischen Kurs</a> bei der BaZ weiterführen wird, darüber lässt sich heute erst spekulieren. Nach dem ersten Leitartikel lässt sich hierzu sicher mehr sagen. Was ihm Verleger Wagner und Financier Tettamanti sicher ins Stammbuch schreiben werden, ist eine wirtschaftsfreundliche Berichterstattung. Die beiden BaZ-Käufer haben in der Vergangenheit <a href="http://www.klartext.ch/?p=9788">mehrfach betont,</a> die Zeitung müsse sich in diesem Bereich offener zeigen. Was den politischen Kurs angeht, so zeigte sich zumindest Verleger Wagner in der Vergangenheit offen und sprach sich für Meinungsvielfalt aus. Gebe die BaZ «allen» eine Plattform, tue es ihm nicht weh, «wenn auch Meinungen vertreten werden, die nicht mir entsprechen», sagte Wagner <a href="http://www.klartext.ch/?p=9788">gegenüber KLARTEXT</a>.</p>
<p>A propos zu viele Linksradikale, die Tittamanti in den Medien vermutet: Markus Somm <a href="http://www.woz.ch/artikel/2009/nr15/schweiz/17746.html">war auch mal einer. </a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=10002</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Anti-Rothenbühler</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=9992&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=die-anti-rothenbuhler</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=9992#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 12:38:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helen Brügger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 4 | 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Edipresse]]></category>
		<category><![CDATA[Matin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=9992</guid>
		<description><![CDATA[Für ihren Uniabschluss hat Sandra Jean den «Matin» unter Peter Rothenbühler kritisiert. Jetzt steht sie selbst an der Spitze der Zeitung und erteilt dem Kurs ihres Vor-Vorgängers eine klare Absage. Eine Frau an der Spitze eines Boulevardblatts? Was es in der Deutschschweiz beim «Blick» noch nie gegeben hat, ist in der Westschweiz längst Rea­lität. Auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für ihren Uniabschluss hat Sandra Jean den «Matin» unter Peter Rothenbühler kritisiert. Jetzt steht sie selbst an der Spitze der Zeitung und erteilt dem Kurs ihres Vor-Vorgängers eine klare Absage.</strong></p>
<div id="attachment_9993" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/08/jean_web.jpg"><img class="size-full wp-image-9993" title="jean_web" src="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/08/jean_web.jpg" alt="" width="240" height="360" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: Yvain Genevay</p></div>
<p>Eine Frau an der Spitze eines Boulevardblatts? Was es in der Deutschschweiz beim «Blick» noch nie gegeben hat, ist in der Westschweiz längst Rea­lität. Auf den «Le Matin»-Chefredaktor Peter Rothenbühler folgte zunächst Ariane Dayer, die neu zur Sonntagsausgabe wechselt; unter der Woche übernimmt Sandra Jean das Steuer. Die junge Frau mit der wilden Mähne kommt von Radio Suisse Romande und hat sich für den neuen Job ausgerechnet mit einer Analyse der Epoche Rothenbühler profiliert. Ihre Abschlussarbeit an der Universität Freiburg machte sie neben ihrem Job als Verantwortliche der morgendlichen Radio-Presseschau. Als der «Matin» vom volkstümlichen Familien­blatt zur Boulevardzeitung mutierte, sass sie «sozusagen in der vordersten Loge» und konnte von dort aus den Übergang von einem «informativen zu einem kommunikativen Journalismus» studieren.</p>
<p>Weg vom Schmuddel-Image<br />
«Peter Rothenbühler hat das blutige ‹fait divers› eingeführt und ist damit ziemlich weit gegangen», sagt die lebhafte Mitdreissigerin, und man merkt, dass solches nicht ihr Bier ist. Promis, Busen, Unglücksfälle und Verbrechen, kurz: die klassischen englischen Tab­loid-Themen, standen bei Rothenbühler im Zentrum – schon unter Ariane Dayer hat die Zeitung zurückbuchstabiert. Und Sandra Jean will offensichtlich das Schmuddelblatt-Image ganz loswerden. Die MitarbeiterInnen setzen grosse Hoffnungen auf die neue Chefin, sie wünschen sich vor allem mehr Inhalt. Erste Signale zeigen in diese Richtung: «Le Matin» deckte auf, wie ein Häftling im Gefängnis von Bochuz in seiner Zelle erstickte, trat die Lawine der Enthüllungen über den Neuenburger Regierungsrat Frédéric Hainard los und brachte eine ehemalige Gefangene zum Reden, die sich wie Hanfbauer Bernard Rappaz über hundert Tage im Hungerstreik befand, bis sie freigesetzt wurde und jetzt auf einen neuen Prozess hoffen kann.<br />
Ariane Dayer und Sandra Jean, die Chefredaktorinnen der beiden «Matin»-Ausgaben, schätzen sich und haben auch einiges gemeinsam: Beide kommen aus dem Wallis, sind Töchter von Journalisten und haben eine Leidenschaft für politischen Journalismus. «Sind Frauen die Zukunft des Journalismus?», fragte «Le Temps» hoffnungsvoll und sah eine «Kulturrevolution» beim «Matin» ausbrechen. Tatsächlich setzen beide Frauen auf mehr Qualitätsjournalismus und mehr Recherche. Und Jean stellt gleich noch eine weitere Kurskorrektur in Aussicht: Rothenbühler hatte den «Matin» aus den Regionen abgezogen, die neue Chefin will die Rolle des orangen Blatts in den Regionen wieder verstärken. «Die Re­gionalzeitungen haben oft nicht genügend Freiheit, kritisch über gewisse Lokalmatadoren zu berichten. Der ‹Matin› muss da ein Gegengewicht bilden», sagt Jean. Nicht infrage stellt sie hingegen den Verzicht auf institutionelle Berichterstattung: «Als Radiojournalistin habe ich lange genug über institutio­nelle Politik berichtet, um zu wissen, dass man sich damit an eine Elite richtet und Themen bearbeitet, die die grosse Mehrheit der Leute in ihrem Alltag nicht berühren.»<br />
Frühere KollegInnen beim Radio sind ein bisschen beunruhigt über Sandra Jeans neuen Job. Sie habe journalistisch und berufsethisch hohe Ansprüche und werde beim «Matin» «ziemlich jong­lieren» müssen. «Jonglieren, weshalb?», gibt Jean die Frage zurück. «Weil eine Boulevardzeitung nicht berufsethischen Regeln folgen kann?!» Erstmals versteht man, weshalb KollegInnen erzählen, es könne schon mal «echt donnern und blitzen» bei ihr. Doch den schönsten Lorbeerkranz windet ihr Roger Jaunin, ein Ehemaliger des «Matin», der heute beim Satiremagazin «Vigousse» arbeitet: «Sie kann zuhören, und sie kommt nicht aus einer geistigen Schule, in der es nur allwissende Chefs und ausführende Schreiberlinge gibt.» Für ihn das grösstmögliche Lob für eine Chefin oder einen Chef.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=9992</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Liebes Sommerloch</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=10039&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=liebes-sommerloch</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=10039#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 21 Aug 2010 07:53:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klartext</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 4 | 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Brief]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=10039</guid>
		<description><![CDATA[Du bist auch nicht mehr, was du einmal warst. Denn du bist eigentlich viel mehr, als wir uns je vorzustellen gewagt hätten, was du sein könntest. Wenn wir in den vergangenen Wochen und Monaten auf dein eindeutiges Erscheinen gewartet hatten, dann hat das wohl weniger mit dir selbst zu tun, als mit unseren überkommenen Vorstellungen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/09/brief_an1.jpg"><img src="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/09/brief_an1.jpg" alt="" title="brief_an" width="181" height="65" class="alignleft size-full wp-image-10043" /></a> Du bist auch nicht mehr, was du einmal warst. Denn du bist eigentlich viel mehr, als wir uns je vorzustellen gewagt hätten, was du sein könntest. Wenn wir in den vergangenen Wochen und Monaten auf dein eindeutiges Erscheinen gewartet hatten, dann hat das wohl weniger mit dir selbst zu tun, als mit unseren überkommenen Vorstellungen. Früher, als bekanntlich alles besser war, wussten wir jeweils, sobald die ersten Enten anzuschwimmen kamen: Jetzt bist du wieder da. Heute zielt diese saisonal bedingte Vorfreude ins Leere. Inzwischen gibt es ja Entenkolonien, wo man dich jahrein, jahraus antreffen kann; zum Beispiel feier­abends im PendlerInnenverkehr.<br />
Das ganze Jahr ein bisschen Sommerloch bietet auch Vorteile. In der Jahresmitte selbst, wo früher die Leere und ihre grenzwertigen Füllstoffe am deutlichsten sichtbar wurden, gibt es heute auch Gehaltvolles. Debatten, die ihren Namen verdienen, wie gerade eben jene zur Schweiz und ihrer Beziehung zur EU. Sommer ja, aber Loch muss nicht sein. Nur beim Schweizer Fernsehen scheint man den alten Zeiten nachzutrauern und gräbt sich das Sommerloch gleich selbst, wenn es aus freien Stücken schon nicht mehr vorbeikommt. In der Politsendung «Rundschau» wähnt man sich plötzlich bei «Glanz &#038; Gloria», wenn Moderator Urs Leuthard eine gewesene Miss Texas zu den Schauplätzen ihrer Jugend begleitet.<br />
Liebes Sommerloch, du hast es ja eigentlich ganz gut, wenn du nicht nur in dieser Affenhitze die Medien heimsuchen musst und auch in kühleren Monaten mal auf Redaktionsbesuch gehen kannst. Überhaupt tauchst du bisweilen an den überraschendsten Orten auf.<br />
Auf dass wir dir trotzdem nie bei uns begegnen:</p>
<p>Mit sommerlichen Grüssen<br />
Klartext</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=10039</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Löscht meinen Namen!</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=9989&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=loscht-meinen-namen</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=9989#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 14:47:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 4 | 2010]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=9989</guid>
		<description><![CDATA[Immer öfter sehen sich Medien und ihre digitalen Archive mit Forderungen von Personen konfrontiert, die ihre Namen nicht mehr im Kontext früherer Berichterstattung lesen wollen. Das E-Mail begann zwar recht freundlich, endete aber mit einer klaren Drohung: Wenn ihr meinen Namen nicht aus eurem Archiv auf der Website streicht, dann kriegt ihr es mit meinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Immer öfter sehen sich Medien und ihre digitalen Archive mit Forderungen von Personen konfrontiert, die ihre Namen nicht mehr im Kontext früherer Berichterstattung lesen wollen.</strong></p>
<p>Das E-Mail begann zwar recht freundlich, endete aber mit einer klaren Drohung: Wenn ihr meinen Namen nicht aus eurem Archiv auf der Website streicht, dann kriegt ihr es mit meinem Anwalt zu tun. Die anderen Aufforderungen klangen weniger ultimativ, aber ähnlich bestimmt. In den letzten Monaten sah sich KLARTEXT mit drei solchen Löschbegehren konfrontiert; in allen Fällen wollten Figuren aus unserer früheren Berichterstattung nicht mehr an ihre Vergangenheit erinnert werden.</p>
<p>Zweimal gelöscht, einmal stehen gelassen<br />
Im ersten Fall handelte es sich um einen Journalisten, der sich mit dem pub­lizistischen Kurswechsel seines Magazins nicht hatte abfinden wollen und dies in einem Brief an den Verleger öffentlich kundgetan hatte. Daraufhin erhielt er die Kündigung. Neun Jahre später wollte er an diese Affäre nicht mehr erinnert werden. Es sei hinderlich bei der Arbeitssuche.<br />
In einem zweiten Fall verlangte ein ehemaliges Mitglied der Psychosekte VPM und Autor der ihr nahestehenden Publikation «Zeit-Fragen», sein Name sei durch die Initialen zu ersetzen. Er habe sich glaubwürdig und nachvollziehbar von der inzwischen aufgelösten Organisation entfernt.<br />
Beim vorläufig letzten Mal, als KLARTEXT zu einem Eingriff ins Archiv aufgefordert wurde, verlangte ein Protagonist aus der Basler Justizaffäre von 1999, der auch im Mediengeschäft mitmischte, die Anonymisierung seines Namens. Er habe seine Strafe verbüsst und lebe nun in stabilen Verhältnissen.<br />
Zweimal sind wir den Forderungen nachgekommen, in einem Fall haben wir nicht gehandelt, wie ursprünglich verlangt – aus unterschiedlichen Überlegungen. Beim Journalisten, der jahrelang erfolglos eine Stelle gesucht hatte und dabei den Verdacht nicht loswurde, dass er aufgrund seiner Exponierung in der damaligen Affäre auf einer schwarzen Liste stehe, versetzten wir uns in seine Lage und setzten im betreffenden Artikel anstelle seines vollen Namens nur noch die Initia­len. Gleich handelten wir im Basler Fall, wo sich der Betroffene nicht mehr als Rechtsbrecher verewigt sehen wollte. Die Anonymisierung erfolgte hier allerdings unter Berücksichtigung der gängigen Rechtsprechung. Das Resozia­lisierungsziel des Strafrechts erfordere, «dass das dem normalen Lauf der Dinge entsprechende Vergessen eintreten kann», hielt das Bundesgericht 1996 fest. Den Namen des früheren VPM-Mitglieds liessen wir allerdings stehen. Abklärungen ergaben, dass nicht unser Artikel dem Mann die angeblichen Unannehmlichkeiten beschert haben konnte, was dieser auch einsah.<br />
Die leichte Zugänglichkeit archivierter Information weckt Ängste und Begehrlichkeiten. Ereignisse aus der Vergangenheit bleiben mit einem Mausklick greifbar, wo vor zwanzig Jahren noch der Gang in den Archivkeller erforderlich war. Je grösser der Datenbestand, desto stärker die Interventionslust. Das weiss man auch bei der Schweizer Mediendatenbank (SMD). Geschäftsführer Jürg Mumprecht hat in den letzten Jahren eine «massive Zunahme» von Anfragen registriert, die eine Manipulation abgelegter Dokumente verlangen.<br />
Grundsätzlich, sagt Mumprecht, wehre er sich «mit Händen und Füssen» gegen Eingriffe in seine Bestände. Ob das gelingt, entscheiden aber nicht zuletzt die Gerichte, wie in einem hängigen Fall. Hier geht es um eine Person des öffentlichen Lebens, gegen die eine Voruntersuchung eröffnet wurde. Woraufhin viele Medien vom drohenden Strafverfahren gegen diesen Mann berichteten. So weit kam es dann allerdings nicht. Der Staatsanwalt stellte das Verfahren ein. Über die Einstellung berichtete dann nur noch eine einzige Zeitung. Wenn heute jemand in der SMD nach der betreffenden Person sucht, findet man sie mit einer Ausnahme nur als potenziellen Rechtsbrecher erwähnt. Deshalb fordert der Betroffene nun eine nachträgliche Fortschreibung seiner Geschichte in den Artikeln, die nur die Voruntersuchung erwähnt haben. SMD-Geschäftsführer Jürg Mumprecht will von einem solchen Eingriff nichts wissen. Er findet, das sei wenn schon Aufgabe der Redaktionen. «Man stelle sich vor, was das für uns genau heisst, wenn dieser Praxis stattgegeben würde. Wir würden nur noch Artikel neu schreiben. Diese Zeit können wir für Sinnvolleres brauchen.»</p>
<p>Selbstregulierung sinnvoller als Gerichtsentscheide<br />
Das lässt Bruno Glaus nicht gelten. Der Anwalt und Medienrechtsspezialist sieht die SMD klar in der Pflicht, archivierte Texte im gegebenen Fall zu aktualisieren. «Das geschieht im Inte­resse der Medien und ihrer Glaubwürdigkeit», sagt Glaus. Es gehe darum zu verhindern, dass falsche oder unvollständige Informationen im Umlauf blieben. Angesichts der in weiten Teilen der Medien vorherrschenden Unkultur des Abschreibens ein legitimes Begehren, findet Glaus. «Wenn sich hierzu nicht eine Selbstregulierungskultur etabliert, dann braucht es halt Gerichtsentscheide.»<br />
Klar ist schon heute: Mit dem Anwachsen der Datenberge steigen auch die Begehrlichkeiten. Und dem legitimen Bedürfnis nach korrekter Erinnerung müssen die Medien stattgeben. Verbindliche Spielregeln dafür etablieren sie aber besser selbst und ohne Hilfe der Justiz.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=9989</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Lehrbuch und Pflichtstoff</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=9976&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=lehrbuch-und-pflichtstoff</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=9976#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 12:15:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Service]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 4 | 2010]]></category>
		<category><![CDATA[BUCH]]></category>
		<category><![CDATA[Lüönd]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=9976</guid>
		<description><![CDATA[Am Äusseren kann es nicht liegen, dass man zu diesem Buch greift. Sein Umschlag verströmt den Charme eines Lehrbuchs – was das neue Werk von Karl Lüönd gewissermassen auch ist. Und ausser dem Vorwort und einem Autorenporträt steht nichts drin, was man von diesem Chronisten und intimen Kenner der Schweizer Medienindustrie nicht früher schon hätte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/08/Buch_Lüönd.jpg"><img src="http://www.klartext.ch/wp-content/uploads/2010/08/Buch_Lüönd.jpg" alt="" title="Buch_Lüönd" width="230" height="328" class="alignleft size-full wp-image-9984" /></a>Am Äusseren kann es nicht liegen, dass man zu diesem Buch greift. Sein Umschlag verströmt den Charme eines Lehrbuchs – was das neue Werk von Karl Lüönd gewissermassen auch ist. Und ausser dem Vorwort und einem Autorenporträt steht nichts drin, was man von diesem Chronisten und intimen Kenner der Schweizer Medienindustrie nicht früher schon hätte lesen können. Doch das haben Kolumnensammlungen so an sich. Dennoch, oder gerade deshalb, gehört «Die Macht und die Ehrlichkeit» zur Pflichtlektüre für all jene, die begreifen wollen, weshalb die Medien da stehen, wo sie sich heute befinden. Eine ebenso einfache wie auch einleuchtende Erklärung liefert Lüönd gleich im Titel zum Vorwort: Die Krise sei Folge jahrzehntelang geduldeter Bequemlichkeit und Arroganz. Wie die nachfolgende Textsammlung aus den letzten zehn Jahren zeigt, entspringt diese Diagnose nicht etwa einem unter MedienkritikerInnen weitverbreiteten Defätismus, sondern den Einschätzungen eines nüchternen Beobachters, der die einzelnen Eindrücke zu einem erhellenden Gesamtbild zusammenzusetzen vermag.<br />
Ihr Fett kriegen alle ab. Lüönd redet VerlegerInnen, JournalistInnen und den professionellen KommunikatorInnen ins Gewissen. Er tut dies bedächtig, aber dennoch mit Biss und mit dem ihm eigenen trockenen Humor. Es sind die Lebenslügen einer ganzen Branche, die Lüönd, u.a. Chefredaktor von «Jagd und Natur», zielsicher im Visier hat: Die VerlegerInnen, die meinen, mit weniger Personal bessere Qualität zu liefern, die JournalistInnen, die sich am wohlsten fühlen in der selbst geschaffenen Wirklichkeit und, anstatt solides Handwerk zu liefern, lieber Vorurteile hegen und pflegen. Ein Lehrbuch wäre kein Lehrbuch, wenn da einer nur die Leviten liest. Dass Lüönd befugt ist auszuteilen, beweist er mit brillanten Porträts und Reportagen, in denen er Schlüsselfiguren und -ereignisse der jüngeren Mediengeschichte (be)greifbar darstellt.</p>
<p>Karl Lüönd, «Die Macht und die Ehrlichkeit», Rüegger Verlag, Zürich/Chur 2010.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=9976</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wikileaks und die Rolle der Medien</title>
		<link>http://www.klartext.ch/?p=9969&amp;utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=wikileaks-und-die-rolle-der-medien</link>
		<comments>http://www.klartext.ch/?p=9969#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 11:33:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nick Lüthi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 4 | 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Sonntagszeitung]]></category>
		<category><![CDATA[TAGES-ANZEIGER]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klartext.ch/?p=9969</guid>
		<description><![CDATA[Der Wind drehte schnell. Kaum eine Woche sollte vergehen, bis aus den brisanten Dokumenten belangloses Material wurde. Die hiesigen Medien taten sich sichtlich schwer damit, die Veröffentlichung der Kriegsprotokolle aus Afghanistan und ihre speziellen publizistischen Begleitumstände einzuordnen. Insbesondere die Tatsache, dass drei renommierte Redaktionen sich dafür entschieden hatten, die von der Whistle­blower-Plattform Wikileaks zur Verfügung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Wind drehte schnell. Kaum eine Woche sollte vergehen, bis aus den brisanten Dokumenten belangloses Material wurde. Die hiesigen Medien taten sich sichtlich schwer damit, die Veröffentlichung der Kriegsprotokolle aus Afghanistan und ihre speziellen publizistischen Begleitumstände einzuordnen. Insbesondere die Tatsache, dass drei renommierte Redaktionen sich dafür entschieden hatten, die von der Whistle­blower-Plattform Wikileaks zur Verfügung gestellten Dokumente aufzubereiten und die Ergebnisse zu publizieren, sorgte für Verwirrung. Symptomatisch dafür steht Walter Niederberger, US-Korrespondent des «Tages-Anzeigers». In einer <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Das-ungeschoente-Bild-eines-Krieges-/story/16492229">ersten Einschätzung</a> konzedierte er «New York Times», «Guardian» und «Spiegel» eine «staatspolitisch verantwortliche Berichterstattung», um nur <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Warum-man-die-AfghanistanProtokolle-ignorieren-sollte/story/17675115">ein paar Tage später</a> die drei Medien der willfährigen Beihilfe zu bezichtigen; Wikileaks-Chef Julian Assange habe sie «eingespannt». Noch weiter ging Niederbergers Kollege <a href="http://www.sonntagszeitung.ch/fokus/artikel-detailseite/?newsid=142260">Martin Suter</a> von der «SonntagsZeitung», der die drei Leitmedien gar als «nützliche Idioten» am Werk sah. Wenn es denn so einfach wäre; Wikileaks und seine Kooperation mit professionellen Medien lassen sich nicht einfach aus der Welt kommentieren.<br />
Dass Julian Assange im Fall der Afghanistan-Protokolle auf Redaktionen zuging, ihnen das Material kostenlos zur Sichtung anbot und einen Monat verstreichen liess, bis er das Rohmaterial veröffentlichte, zeugt – anders, als dies nun manche sehen wollen – von einem verantwortungsvollen Vorgehen. Denn die Zeitungen und das Nachrichtenmagazin taten genau das, was ihre Aufgabe als Informationsspezialisten ist: Sie filterten den Datenberg, glichen die Informationen mit früheren Berichten ab, um sie auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen, und – was die KritikerInnen geflissentlich ausblenden – sie gaben der US-Regierung vor der Veröffentlichung eine Möglichkeit zur Stellungnahme. Sehr zur Freude des Weissen Hauses. Wie der Washington-Korrespondent der «New York Times» berichtet, lobten die Regierungsvertreter bei einem Treffen den sorgfältigen und <a href="http://www.salon.com/news/politics/war_room/2010/07/26/times_wikileaks_white_house_meeting">verantwortungsvollen Umgang der Zeitung</a> mit den sensiblen Dokumenten.<br />
Wikileaks und sein Gründer mögen von einer politischen Mission getrieben sein – gerade deshalb werden sie auch in Zukunft Daten veröffentlichen, die sie zugespielt erhalten. Umso wichtiger wird die Rolle professio­neller Redaktionen als Filter zwischen Wikileaks und dem Publikum.</p>
<p><a href="http://www.delicious.com/Medienmagazin/wikileaks">Unsere Linksammlung zu Wikileaks.</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klartext.ch/?feed=rss2&amp;p=9969</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
