30. Juni 2009 von Nick Lüthi

Blick öffnet die unterste Schublade

«Erinnert mich an Böll’s ‘Die verlorene Ehre der Katharina Blum’ was Blick hier anstellt. Ein unentschuldbares Vorgehen, das hoffentlich ein gewaltiges rechtliches Nachspiel haben wird.»

(Ein Blick-Leser)

Die Blick-Titelgeschichte lässt sich in zwei Sätzen erzählen: Eine Verwaltungsangestellte pflegt ein etwas spezielles Hobby (Sado-Maso-Spiele), ihre Vorgesetzte hat damit keinerlei Probleme. Aus der Ferne diagnostiziert ein Arbeitsrechtler eine mögliche Unvereinbarkeit von Beruf und dieser Freizeitbeschäftigung. Fertig. Mehr steht da nicht drin. Dass es dieses dünne Stöffchen dennoch auf die Titelseite geschafft hat, verdankt es dem sexuell konnotierten Hobby der Protagonistin und der Tatsache, dass es davon Bilder gibt. Eine Skandalgeschichte sieht anders aus. Wenn hier jemand Skandal! ruft, dann ist es die Blick-Redaktion alleine, ganz alleine. Umso stärker schallt nun das Echo zurück.

Unter dem auch auf blick.ch veröffentlichten Zeitungsaufmacher stehen inzwischen rund hundert Publikumskommentare. Die überwiegende Mehrheit davon finden nicht etwa das Doppelleben einer Beamtin skandalös, sondern vielmehr das Vorgehen der Redaktion. Mit Kommentaren wie «Respekt- und geschmacklos», «absolut daneben» oder «Privatleben ausgeschlachtet für Leserzahlen» reagierte das Publikum und wollte sich so gar nicht zusammen mit der Zeitung ins Empörungskollektiv einreihen. Das beim Boulevard beliebte Argument, nur deshalb in der Privatsphäre von unbescholtenen Menschen zu stochern, weil der Leser geradezu danach giere, greift hier definitiv nicht. Nun hat die Redaktion die erste Quittung erhalten und eine zweite folgt dann wohl vom Presserat.  Gut so.

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  1. [...] 5. “Blick öffnet die unterste Schublade” (klartext.ch/blog, Nick Lüthi) Das Boulevardblatt Blick bringt ohne erkennbaren Anlass im Internet veröffentlichte Nacktfotos einer Sozialamtsleiterin auf die Titelseite. Und fragt dann im Dorf nach, was jetzt die Leute über die Frau denken. Die Leser mögens gar nicht und greifen die Zeitung an. [...]

  2. [...] doch sehr an Homosexuellenverfolgungen von anno dunnemal. Nachzulesen drüben bei «Klartext»: Eine Hexenjagdt sondergleichen. Und Rufmord [...]

  3. werner sagt:

    Und wer sich dann noch mit dem Leben der Autorin Debora Zeier (auch mal Debora E. C. Zeier, oder Debora Erica Clara Zeier beschäftigt, findet mit Google sehr interessante Dinge!

  4. Pascal sagt:

    Spannend ist ferner, dass sowohl Debora Zeier, wie auch die Sekretärin beimselben Miss-Bikini-Contest teilgenommen haben. Möglicherweise liesse sich hierin irgendein Grund für diesen – ansonsten – grundlosen Artikel finden. Siehe mein Posting http://pascalwitzig.blogspot.com/2009/07/blickgotterie.html.

    Noch ist aber nicht gesagt, dass es sich bei der Autorin auch um dieselbe Person handelt, die die Webseite deborazeier.com betreibt. Ich habe Blick um Auskunft gebeten, jedoch noch keine Antwort erhalten.

  5. complete sagt:

    Ob das nun clever war von Debora Zeier?

    http://www.20min.ch/news/zuerich/story/19947780

    Wärme nie eine alte Geschichte auf in der Du eine schlechte Figur abgegeben hast!

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