19. Januar 2010 von Bettina Büsser

JournalistInnen in Haiti

Die Pressefreiheit muss gewährleistet sein, JournalistInnen dürfen bei ihrer Arbeit nicht behindert werden – das sind eiserne Gesetze, die überall und immer gelten müssen. Oder doch nicht? Ini der aktuellen Situation in Haiti könnten leise Zweifel daran aufkommen. Etwa wenn man Bilder sieht, welche eine eben geborgene Überlebende zeigen – umlagert von FotografInnen und Kameraleuten. Oder wenn der “Tages-Anzeiger”-Korrespondent aus Haiti berichtet, er schlafe im Garten eines Hotels auf einer Matratze, verpflegen könne man sich, weil auf der Strasse wieder Lebensmittel verkauft und auch manche Restaurants wieder eröffnet würden. Oder wenn DRS1 in den Nachrichten mit einem deutschen Journalisten in Port-au-Prince telefoniert, der von seiner Fahrt durch die Stadt erzählt: Man komme nur ganz, ganz langsam voran, der Trümmer wegen, und weil es so viel Verkehr habe – was die Versorgung der Überlebenden mit Wasser, Nahrung und medizinischer Hilfe erschwere.
Da stellen sich unangenehme Fragen: Werden die Strassen nicht noch viel mehr verstopft, weil die Scharen von JournalistInnen, die jetzt nach Haiti gekommen sind, durch die Stadt fahren? Behindern die vielen Kameraleute und FotografInnen nicht die Rettungstrupps? Wäre es nicht besser, die Matratze im Hotelgarten und die Nahrung in den wieder eröffneten Restaurants würden den Erdbebenopfern zur Verfügung stehen? Und was geschieht mit einer kaputten Infrastruktur, wenn sie zusätzlich noch von HelferInnen und JournalistInnen beansprucht wird, die dafür auch gut (zum Beispiel in Dollars) bezahlen können?
Auch wenn die JournalistInnen in Haiti unter sehr, sehr harten Bedingungen gute Arbeit leisten: Vielleicht muss man sich überlegen, wie viele Medienleute in solchen Situationen sinnvollerweise vor Ort sein sollten.

  • Tags:

Kommentar schreiben

Aktuelles Heft

Ausgabe: 4 | 2010 Die Themen:
  • Heller, der Heftlimacher
  • Service Zukunft mit SR DRS
  • Bilderstreit, nächste Runde