2. November 2009 von Helen Brügger

Anne-Frédérique Widmann (44) weiss: «Gute Recherchen brauchen Zeit.» Die hat sie beim Magazin «Temps présent» von TSR.
«Ich hatte Lust auf Weltverbesserung», sagt sie augenzwinkernd auf die Frage, weshalb sie Journalistin geworden sei. Anne-Frédérique Widmann ist Produzentin von «Temps présent», dem renommierten Nachrichtenmagazin des Westschweizer Fernsehens, vergleichbar mit der «Rundschau» von SF. Die zierliche Frau mit den lebhaften Gesten hat die Welt tatsächlich ein bisschen verbessert. So hat sie etwa den zum Buhmann gewordenen Schweizer Unterhändler in Kolumbien, Jean-Pierre Gontard, rehabilitiert, indem sie nachwies, dass er der kolumbianischen Farc-Guerilla kein Lösegeld übergeben hatte. Anderes Beispiel: Auf dem Höhepunkt der Aufregung um die nachrichtenlosen Vermögen brach sie den antijüdischen und antiamerikanischen Ressentiments die Spitze, indem sie ein Nazi-Opfer zu Wort kommen liess: Vor laufender Kamera erzählte Eva V. erstmals öffentlich ihre Geschichte. Das im Zweiten Weltkrieg elfjährige jüdische Mädchen, das mit ihrer Mutter und andern LeidensgenossInnen aus Budapest vertrieben worden war, hatte sich zu Boden fallen lassen und wollte nicht weitermarschieren, worauf ihre Mutter von den Nazis erschossen wurde – seither fühlt sich Eva V. schuldig am Tod der Mutter. «Aufdecken, enthüllen, erklären, hinter die Kulissen schauen ist unsere Aufgabe», sagt Widmann. «So können wir manchmal Einfluss nehmen.»
Anne-Frédérique Widmann hat einen Abschluss der Genfer Hochschule für internationale Beziehungen, ist mit dem Cartoonisten Patrick Chappatte verheiratet und hat drei Kinder. Bei «Temps présent» arbeitet sie seit 2003. Zusammen mit einem Kollegen ist sie jeweils ein halbes Jahr für die Redaktion zuständig, im zweiten Halbjahr produziert sie während dreier Monate einen Dokumentarfilm von 52 Minuten. «Gute Recherchen brauchen Zeit, Geld und einen Arbeitgeber, der voll hinter dir steht», fasst sie zusammen. «Temps présent», seit vierzig Jahren im Programm des Westschweizer Fernsehens, und damit eine der Sendungen mit der längsten Laufzeit in ganz Europa, sei «ein wundervolles Werkzeug», weil man nicht von der Aktualität gehetzt werde. «Man kann nachdenken, Abstand gewinnen, Fragen stellen, auch wenn alles bereits klar zu sein scheint, und man kann im Film die Leute wirklich zu Wort kommen lassen.»
Ihr Beruf, der Kontakt mit den Menschen, macht sie glücklich. Aber sie sei auch besorgt, dass wirklicher Recherchierjournalismus immer seltener werde. «Das bedroht unsere Rolle als vierte Macht, die Aufgabe, die die Medien in einer funktionierenden Demokratie ausüben müssten.» Dies sei mit ein Grund, dass sich der Blick der Gesellschaft auf den Berufsstand in den letzten Jahren stark verändert habe: «Man verdächtigt uns, anderen Interessen zu dienen als dem Interesse der Sache, Kommerz zu machen, anstatt die Wahrheit zu suchen.» Als Journalistin müsse man um jeden Preis die Wahrheit sagen. «Wir haben kein Recht, uns zu irren.»
Als sie mitten in der Wirtschaftskrise der Neunzigerjahre Journalistin werden wollte, habe man ihr gesagt: «Du hast keine Chance.» Sie habe es dennoch gewagt. Ein bisschen stolz ist sie schon, gerade heute zum Team von «Temps présent» zu gehören, das Ende August den renommierten «Jean Dumur»-Preis erhalten hat. Der Preis zeichnet Medienschaffende aus, die die «Suche nach der Wahrheit, Mut, Aufrichtigkeit und Unabhängigkeit» grossschreiben. Was braucht man für einen beruflichen Werdegang wie den ihren? «Man darf sich nicht von einem Chef, von einem Medium oder von einem Land abhängig fühlen. Man darf keine Angst haben, seine Meinung zu sagen. Man muss sich frei fühlen und frei sein.»
2. November 2009 von Bettina Büsser

Yvonne Staat (34) hat sich vor einem Jahr entschieden, als freie Journalistin zu arbeiten. Existenzängste will sie gar nicht erst aufkommen lassen.
«Weil ich gerne schreibe und es wahnsinnig spannend finde, die verschiedensten Menschen kennenzulernen», antwortet Yvonne Staat auf die Frage, weshalb sie Journalistin geworden ist. «Man hat die Möglichkeit, sich intensiv mit Menschen, Problemen und Schicksalen auseinanderzusetzen und Erfahrungen zu machen, ohne dass man sie wirklich eins zu eins erleben muss.»
Staat ist in der Nähe von Disentis aufgewachsen und hat in Basel Geschichte studiert. Bereits in der Mittelschule war Journalismus ein Beruf, der sie sehr interessierte. Deshalb stieg sie, nach dem Studium arbeitslos, in das Beschäftigungsprogramm ein, das die Zeitschrift «Der Arbeitsmarkt» herausgibt, und machte dort ihre ersten journalistischen Erfahrungen. Danach folgten Praktikumsstellen bei «Zeitlupe», «Aargauer Zeitung», im Basler Pressebüro Kohlenberg und schliesslich beim «Beobachter» als Volontärin.
«Es läuft ja bei solchen Praktika und überhaupt im Journalismus alles über Leute, die man kennt», sagt Staat. Für Freie sei ein gutes Netzwerk besonders wichtig: «In den ersten Monaten ging es nur darum, ein Beziehungsnetz zu potenziellen Auftraggebern aufzubauen. Man muss auch damit leben können, die Leute teilweise zu nerven. Es wartet ja niemand auf einen.» Auch wenn ihre Erfahrungen mit Ressortleitern «sehr gemischt» sind – solche, die nicht auf Themenvorschläge reagieren, auf abgelieferte Artikel kein Feedback geben oder sie gar verschlampen, findet Staat «ziemlich unprofessionell» – hat ihr die Arbeit als Freie von Anfang an gefallen.
Ursprünglich hatte sie nicht geplant, als Freie zu arbeiten. Nach dem zweijährigen Volontariat mit MAZ-Besuch wollte sie aber nicht beim «Beobachter» bleiben: «Obwohl es eine Superredaktion ist, wollte ich etwas anderes kennenlernen, mich wieder mal im Wettbewerb messen.» Zuerst suchte sie eine Möglichkeit, als Journalistin in Rumänien tätig zu sein, einem Land, das sie fasziniert; seit sechs Jahren lernt sie Rumänisch. Doch das klappte nicht. Immerhin war sie kürzlich wieder eine Woche dort – auf Hochzeitsreise, nachdem sie im August ihren langjährigen Partner geheiratet hat.
Nun schreibt Staat seit Ende 2008 als Freie über gesellschaftliche und soziale Themen. «Die ersten Monate waren schwierig, seither läuft es mir jedoch sehr gut, das Netz spielt», erzählt sie. Sie arbeitet für «Basler Zeitung», «NZZ am Sonntag», «Annabelle», «Reformiert» und bis Ende September auch noch für die «Bellevue»-Seite des «Tages-Anzeigers». Ein Standbein ging ihr dort verloren: «Schade, denn wir waren eine Gruppe von Freien mit guter Stimmung.» Sorgen über weitere wegfallende Aufträge macht sie sich aber nicht: «Ich versuche, keine existenziellen Ängste aufkommen zu lassen. Es ist mir wichtig, gerade als Freie eine unabhängige Haltung zu bewahren. Nicht alles zu schlucken, nur weil ich Angst habe.» Sie sei allerdings in einer «luxuriösen Situation», fügt sie hinzu, sie müsse ja keine Familie finanzieren. Und sie hat beim «Beobachter» ein Fixum von acht Tagen monatlich, «das verschafft mir mehr Freiheit».
Diese Freiheit will Staat nützen, um weniger kurzfristig, weniger oberflächlich zu arbeiten: «Ich will mehr in die Tiefe gehen, längere Artikel schreiben, für die ich mir mehr Zeit nehmen kann», sagt sie – und dass sie nicht ganz sicher sei, ob sie in fünf, zehn Jahren noch Journalistin sein werde: «Es ist ein Beruf, in dem es sehr schwierig ist, sich weiterzuentwickeln. Jetzt bin ich noch neugierig, hungrig, doch es kann sein, dass ich mich irgendwann nicht mehr immer wieder neu auf Menschen einlassen mag.»
2. November 2009 von Nick Lüthi

Christoph Hugenschmidt (51) kennt die Informatikbranche wie kaum ein anderer Journalist. Vor fünf Jahren hat er sein eigenes Online-Medium inside-it.ch gegründet. Und würde es wieder tun.
Inserateeinbruch? Stellenabbau? Krise? Hier nicht. Die Redaktion von inside-it.ch gedeiht prächtig. Eher schmiedet sie Pläne zum weiteren Ausbau, als dass sie den Gürtel enger schnallen müsste. «Zuerst wollen wir aber unsere Löhne erhöhen», sagt Gründer und Mitinhaber Christoph Hugenschmidt – Saläre, die sich im Branchenvergleich zwar am unteren Rand bewegen, aber schon heute 14-mal im Jahr ausbezahlt werden. Das Inselchen der Glückseligen im sturmgeplagten Medienozean befindet sich in einer ehemaligen Fabriketage an der Zürcher Kanzleistrasse. Vor fünf Jahren unternahm Hugenschmidt, zuvor Chefredaktor der Fachpublikation «IT-Reseller», mit einem Redaktionskollegen den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit und gründete inside-it.ch. «In der Informatikbranche bestand das Bedürfnis nach journalistisch aufbereiteten Nachrichten», weiss Hugenschmidt.
Vor einer grossen Fensterfront und im Raum verteilt stehen schmucklose Pulte. In seinem Sessel versunken sitzt Hugenschmidt und tippt vor sich hin. Wenn er sich erhebt, steht plötzlich ein Hüne von einem Mann vor einem und man versteht, dass es nicht nur Koketterie ist, wenn er sagt: «Mir glaubt eh niemand, dass ich Journalist bin.» Handwerker oder Holzfäller würden zumindest vom Äusseren her sicher besser passen. Aber das ist er nicht. Sondern einer der besten Kenner der schweizerischen IT-Branche. Wer mit Informatik zu tun hat, ob als Hersteller, Verkäufer oder Anwender, muss stets mit einem Anruf von Hugenschmidt und seinen Kollegen rechnen.
«Wir sind total unabhängig und lassen uns von niemandem kaufen», sagt der gelernte Buchhändler. Das ist auch als Kritik an den sogenannten Fachmedien zu verstehen, zu denen Hugenschmidt seine Online-Plattform inside-it.ch nicht gezählt wissen will. «Wenn uns jemand fragt, was er tun könne, damit wir über ihn berichten, sage ich einfach: Geht Konkurs, dann ist das für uns eine News.» Diese entwaffnende Direktheit, vorgetragen mit einer für Hugenschmidt typischen schalkhaften Hemdsärmeligkeit, zahlt sich offenbar aus. Von Werbung und Sponsoring leben die sechs MitarbeiterInnen – vier Journalisten, ein Akquisiteur und die Buchhalterin – ganz gut. Das hat sich in der Branche herumgesprochen. Immer öfter meldeten sich arbeitslose Kollegen bei ihnen auf der Suche nach einem Job. Leute zum Teil, die noch vor wenigen Jahren die Nase gerümpft hätten und in der Startphase nicht bei inside-it.ch einsteigen wollten. Zu riskant. «Jetzt kommen sie», weiss Hugenschmidt. «Unser Erfolgsmodell ist auch der schlanke Apparat.» Das heisst: volle Konzentration auf den Journalismus – von der schnell geschriebenen Personalie über die aufwendige Recherche bis zur freitäglichen Kolumne.
Die besten Geschichten erfährt er auf Branchenpartys. Hugenschmidt ist ein geselliger Mensch, der es mit allen gut kann. Und in der Branche geniesst er den Respekt, der einem unabhängigen Chronisten gebührt. Kein Problem haben die Informatikmenschen damit, dass Hugenschmidt als Aktivist der Menschenrechtsgruppe Augenauf mitunter pointiert öffentlich Stellung nimmt gegen die Staatsgewalt. «Wer das wissen will, kann und darf das wissen.» Denn für sie sei er Journalist, und das mache er professionell. «Ich könnte nie mit einem weltanschaulich geprägten Job Geld verdienen.»
2. November 2009 von Nick Lüthi

Mit zwölf war sie Kinderredaktorin bei DRS 3, heute leitet Cheyenne Mackay Loosli (30) die Info-Redaktion des Berner Alternativradios RaBe.
Wenn RadiomacherInnen nach den Wurzeln ihrer Berufung suchen, dann zeichnen sie früher oder später das nostalgieverklärte Bild mit dem Kassettengerät und den «Sendungen» fürs Kinderzimmer. Nicht so Cheyenne Mackay Loosli. Bei ihr ging es gleich richtig zur Sache. Bereits als Zwölfjährige konnte man sie auf DRS 3 hören. «Mehrere Dutzend Kinder hatten sich damals für die Sendung ‹Yoyo› beworben, am Schluss blieb eine Handvoll übrig, darunter auch ich», erinnert sich die heute 30-jährige Radiojournalistin. Mit dieser Berufsbezeichnung konnte sie als Teenager noch nicht viel anfangen: «Radio hat mir vor allem Spass gemacht.» Eine richtige Ausbildung habe sie damals im Studio Basel genossen, erinnert sie sich, inklusive Tonbandschneiden und -montieren; 1991 lag der digitale Schnittplatz noch in weiter Ferne.
Die vier Jahre bei «Yoyo» legten den Grundstein für ihre spätere Laufbahn. Bis heute hält Cheyenne Mackay Loosli dem Radio die Treue. «Mir bleibt ja auch nicht viel anderes übrig», hadert sie mit ihrer beruflichen Perspektive. Das stimmt natürlich nicht ganz. Schliesslich weiss die Journalistin nicht nur im Radiostudio mit dem Mikrofon umzugehen, sondern auch auf der Bühne. Zusammen mit ihrem Ehemann ist sie das Elektropop-Duo Copy & Paste, mit dem sie seit zwei Jahren in der Schweiz und im angrenzenden Ausland auftritt. «Eine wirkliche Alternative zum Journalismus ist die Musik aber nicht», weiss Cheyenne Mackay Loosli. Trotz Konzertgagen und Plattenverkauf lege sie Geld drauf. Ebenfalls in die Rubrik brotloses Engagement fällt ihre Sendung «Radieschen». Seit zehn Jahren präsentiert sie auf Radio RaBe, ihrem heutigen Arbeitgeber, «ungehörte Musik aus Schweizer Übungsräumen».
Während die Laufbahn vieler RadiojournalistInnen irgendwo im Lokalen anfängt und bei einem Gebührensender der SRG endet, wählte Cheyenne Mackay Loosli den umgekehrten Weg: Sie startete bei DRS, arbeitete dann zuerst als Stagiaire, später als freie Mitarbeiterin beim Bieler Privatradio Canal 3 und leitet nun die dreiköpfige Redaktion des alternativen Lokalradios RaBe in Bern. «Klar würde ich gerne wieder einmal bei SR DRS arbeiten», gesteht die in Basel geborene Bernerin mit südafrikanisch-schottischen Wurzeln. Doch zurzeit geniesst sie die Freiheiten, die ihr der Job beim werbefreien Sender in der Bundesstadt bietet. «Da wir mit unserem kleinen Team gar nicht die Kapazität haben, Tag für Tag die Lokalpolitik abzudecken, setzen wir dafür unsere eigenen Schwerpunkte», umreisst Cheyenne Mackay Loosli die RaBe-Redaktionspolitik. Zu den gern gesehenen Gästen im RaBe-Studio gehören GewerkschafterInnen und BasisaktivistInnen aus aller Welt. Den Vorwurf, damit als unkritisches NGO-Sprachrohr zu fungieren, nimmt die Redaktionsleiterin gelassen entgegen: «Ich kann zwar nicht überprüfen, ob alles stimmt, was mir die Leute sagen. Aber ich finde es extrem wichtig, dass auch jene Menschen eine Plattform erhalten, die in den meisten Medien gar nicht auftauchen oder wenn, dann als anonyme Opfer.»
Cheyenne Mackay Loosli behält ihr Radiofachwissen, das sie in zahlreichen Kursen bei DRS 3, am MAZ und bei Klipp & Klang erworben hat, nicht einfach für sich. Als weiteres berufliches Standbein unterrichtet sie inzwischen selbst bei Klipp & Klang, der Radioschule der nichtkommerziellen Sender. «Zum Unterrichten habe ich keine spezielle Ausbildung, ausser eben die Kurse, die ich selbst besucht habe», sagt die Journalistin. Und nun, beendet sie das Gespräch, müsse sie nach Hause, sechs Abschlussarbeiten durchhören und bewerten gehen.
2. November 2009 von René Worni

Peter Fasler (66) sieht alte Hasen wie sich selbst als Qualitätsgaranten auf den Redaktionen.
Von Pensionierung will er nichts wissen. Peter Fasler ist 66 und arbeitet seit zwei Jahren beim «Sonntag» als Produzent. «Ich brauche im Leben eine gewisse Spannung um mich herum, und das bietet der Journalismus nach wie vor.» An einer steilen Karriere war der in Baden Aufgewachsene, der schon lange in Zürich lebt, nie interessiert. Ein Fernstudium in Political Development an der Universität Birmingham macht er derzeit aus persönlichem Interesse an den Ländern des Südens. Als Korrespondent hat Fasler Asien, Lateinamerika und Afrika bereist.
Wie die meisten JournalistInnen seiner Generation unternahm er seine ersten Gehversuche bei einer Regionalzeitung; in den 60er Jahren begann er beim «Badener Tagblatt» und wechselte später, parallel zum Politologiestudium in Berlin, zur «Automobil-Revue». Weitere Stationen waren das einstige Wochenmagazin «Sie + Er», für das Fasler zum Beispiel im Schwarzen September 1970 über den Aufstand der PLO aus Jordanien berichtete. Nach einem kurzen Seitenwechsel als Pressechef von IBM drehte er als Regisseur und Filmautor rund 30 Filme für das «CH-Magazin» des Schweizer Fernsehens, unter anderem über das Atomzwischenlager in Lucens oder den Fluorskandal im Wallis. Sein kritischer Fokus kostete ihn den Job. «Das war eine Ehre», erinnert er sich. Fasler baute auch die Nachrichtenredaktion von Radio 24 auf und organisierte die beiden Solidaritätsdemonstrationen für den Piratensender. Fasler schrieb zudem für die «Weltwoche» und das «Sunday Times Magazine» über die Entwicklungen in Fernost, nicht zuletzt, weil er mit einer Chinesin verheiratet war. Fasler war auch selbstständiger Unternehmer und machte Kommunikationsberatung für kleine und mittlere Betriebe.
Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Medien könne er jungen Leuten den Journalistenberuf nicht mehr mit gutem Gewissen empfehlen. «Wenn ich die Neuen beobachte, dann tut es mir weh, dass die Leute die meiste Zeit am Telefon hängen und im Internet surfen, anstatt hinauszugehen», sagt Fasler. Denn aus der Büroperspektive seien keine authentischen Geschichten machbar; dafür müsse man am Ort des Geschehens Eindrücke sammeln, Leute kennenlernen und auf den Geschmack der Story kommen. «Das Internet riecht eben nach nichts.» Die Fülle von verfügbaren Informationen führe heutzutage leider nicht automatisch zu besseren Artikeln. «Heute wirken sich Personalmangel und der Zwang zu hohem Output negativ auf die Qualität aus.»
Fasler spricht aus Erfahrung, denn er war unter anderem 20 Jahre lang Produzent bei der «Sonntags-Zeitung». Der Qualitätsverlust zeige sich konkret darin, dass die Bearbeitung der Fakten nicht mehr sorgfältig geschehe und etwa falsche oder falsch geschriebene Namen in die Artikel rutschten. Fehle die Zeit, um nachzuhaken, dann leide das ganze Produkt. Und wenn man mal Zeit habe, dann werde man von PR-Leuten mit nichtssagenden Informationen abgespeist. Tausende Informationslieferanten machten eine vernünftige Selektion immer schwieriger. «Wir müssten alle mehr Zeit haben, um unsere Arbeit sorgfältiger machen zu können.»
Die JournalistInnen alter Schule sieht Fasler klar als QualitätsgarantInnen. Doch der Stellenabbau in der Branche trifft viele der bewährten Leute. Alles drehe sich bloss um die Kosten und es sei zu erwarten, dass die während der Krise weggesparten Leute nicht mehr ersetzt würden, weil man ja bewiesen habe, dass es auch ohne sie gehe. Gerne würde er jüngere JournalistInnen an seinen Erfahrungen teilhaben lassen, aber das sei unter den veränderten Bedingungen äusserst schwierig. Für Fasler bleibt der Beruf dennoch eine Erfüllung. Sein nächstes Projekt heisst Kamerun. Von dort aus möchte er die Hälfte des Jahres als freischaffender Korrespondent für deutschsprachige Blätter schreiben. In den Zeitungen sei Afrika trotz hochinteressanter politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen immer noch ein vergessener Kontinent. «Ich bin eben ein Abenteurer. Wenn ich nicht mehr neugierig bin, dann werde ich alt.»
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