5. Januar 2011 von Bettina Büsser

De Wecks schwierigste Aufgabe

Roger de Weck ist ein Übermensch. Jedenfalls in den Augen einiger VertreterInnen der Schweizer Bevölkerung. Wie anders lässt sich erklären, dass sie die Handschrift des SRG-Generaldirektors erkennen wollen, wo er a) nichts geschrieben hat und b) nichts zu schreiben hat?

Konkret: Im „Club“ von SF wurde am Dienstagabend über das Thema Angst diskutiert, am Mittwoch erschien auf newsnetz.ch eine Sendungskritik dazu. In der Kritik wurde auch kurz die SVP und „ihre aggressive Propaganda“ erwähnt, was natürlich zu einer Flut von Online-Kommentaren führte. Die üblichen Verdächtigen gaben dort die üblichen Sprüche gegen „demagogische Ultralinke“, gegen „die Angstmacherei der SVP“ etc. von sich – wie immer, wenn es newsnetz.ch schafft, das Stichwort SVP in einem Artikel unterzubringen (und newsnetz.ch schafft das erstaunlich häufig). 

Also alles wie immer? Nicht ganz. Denn da spukte neu Roger de Weck durch die Kommentare: „Das war ein schöner Einstieg in das SVP-Bashing von De Weck. Früher machte er es persönlich, jetzt lässt er seine Leute die Arbeit machen“, schrieb etwa Manuela Lindenmann, und Daniel Graf erkannte: „Das ist das neue Zeitalter De Weck.“ In der Wahrnehmung von Lindenmann, Graf und anderen hat es Roger de Weck also geschafft, während seiner ersten Arbeitstage als SRG-Generaldirektor gleich den „Club“ zu unterwandern und zu bestimmen. Ein Übermensch, fürwahr. Zumal er ja als SRG-Generaldirektor zwar die SRG leitet, nicht aber das Programm von SF.

Man könnte über diese verschwörungstheoretischen Äusserungen lachen. Doch sie zeigen ein Problem, mit dem de Weck umgehen werden muss: Da er als „Linker“ (hüstel) und „Euro-Turbo“ gilt, wird ein Teil des TV- und Radiopublikums ihn für alles verantwortlich machen, was diesem Publikum politisch gegen den Strich geht. Fällt also in der „Tagesschau“ das Wort EU, steckt „Euro-Turbo“ de Weck höchstpersönlich dahinter, wird auf DRS1 ein Aufruf von Franz Hohler erwähnt, hat diese „linke Hetze“ sicher de Weck organisiert.

Und es wird nichts nützen, wenn de Weck wieder und wieder betont, dass für die Inhalte der SRG-Programme deren jeweilige LeiterInnen verantwortlich sind. Denn diejenigen, die de Weck heute schon im Programm erkennen, werden von dieser (Wahn-)Wahrnehmung nicht lassen wollen.

3. Januar 2011 von Adrian Scherrer

Warten auf den Boom

Dass Digitalradio Potenzial hat, bestreitet niemand mehr. Aber die Geister scheiden sich daran, wie es ausgeschöpft werden soll.
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