24. Juni 2009 von Nick Lüthi

Gesagt ist gesagt (7)

Was hat Peter Hartmeier, ehemaliger Tages-Anzeiger-Chefredaktor, bei einer Radiodiskussion über die Zeitungskrise im Allgemeinen und den Stellenabbau bei Tamedia im Speziellen, verloren? Zurecht fragte ihn Medienexperte und Autor Karl Lüönd deshalb:

  • Wo ist Herr Supino, wo ist Herr Kall, wo sind ihre Nachfolger?

Wie sich jedoch alsbald herausstellte, war Hartmeier ein würdiger Ersatz für die abwesende Tamedia-Spitze. Der frisch gebackene Verleger der Thurgauer Zeitung (auch Tamedia) hat die Sparrhetorik seiner bisherigen und aktuellen Vorgesetzten gut verinnerlicht, wenn er sagt:

  • Der Abbau muss gemacht werden, weil der Tages-Anzeiger in sich nicht mehr rentabel ist.

Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss widersprach dem vehement:

  • Das muss man nicht einfach akzeptieren! Und weiter: Es wird rein ökonomisch argumentiert und das ist eben gefährlich.

Alle Zitate aus: «Der Sturm im Blätterwald» | Doppelpunkt | DRS 1

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23. Juni 2009 von Nick Lüthi

Mediensplitter (20)

Gratis eine Bezahlzeitung: Sarkozy hat vorgelegt, Rüttgers zieht nach. Nachdem der französische Staatspräsident im Januar zur Stützung der Presse Jugendliche mit Gratisabonnements bedienen will, gedenkt nun auch der Ministerpräsident des deutschen Bundeslands Nordrhein-Westfalen Gleiches zu tun. Die Nachhaltigkeit dieser Form staatlicher Presseförderung ist jedoch alles andere als garantiert. Schliesslich wird den Jugendlichen damit auch signalisiert: Zeitungen gibts gratis.

Mangel an Selbstkritik: Das Plädoyer in der «Zeit» von Margrit Sprecher für mehr Vollblutjournalismus zeigt Wirkung. Beim Blog «Journalistenschredder» wird intensiv über das Selbstverständnis von Journalisten debattiert. Wir können die Lektüre nur empfehlen.

«Eigenartige Dinge»: Die NZZ kann sich für einen Lapsus nicht einfach kurz und bündig entschuldigen. Nein, sie windet  und wundert sich über «eigenartige Dinge» die da auf der Redaktion geschehen. Aber lesen Sie selbst: «Auch in gut geführten Redaktionen, zu denen jene der NZZ gehört, geschehen bisweilen eigenartige Dinge. Trotz vielfacher Qualitätskontrolle ist im ‘Vermischten’ vom 22. Juni ein Artikel zur High Line in Manhattan publiziert worden, nachdem bereits in der Freitagsausgabe ein Text der Kollegin in New York zum gleichen Thema erschienen war – sinnigerweise auch noch gleich bebildert –, wenn auch im Feuilleton.» (heute in auf Seite 11 in der NZZ)

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23. Juni 2009 von Nick Lüthi

Verleger vs. SRG-Online: Die nächste Runde

Noch geht es nicht ans Eingemachte. Sehr wohl aber ans Portemonnaie der Mitarbeiter. Mit einem Lohnstopp und dem Verkauf von Immobilien will die SRG pro Jahr 30 Millionen Franken sparen. Allein damit kommt die SRG auf mittlere Sicht aber nicht aus dem Schneider. Um die Zahlen wieder ins Lot zu bringen, will sie entweder das Programmangebot reduzieren oder neue Einkünfte erzielen.

Eine Erhöhung der Empfangsgebühren hielte die SRG zwar für gerechtfertigt, zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht für opportun: «Nicht vorgesehen ist eine Gebührenerhöhung für das Jahr 2010», teilt das Unternehmen mit. Das Geld muss also anderswo her kommen. Aus Online-Werbung oder liberalisierter TV-Unterbrecherwerbung, sowie aus Bundesbeiträgen, hofft die SRG. Darüber entscheidet der Bundesrat als Konzessionsbehörde. Gibt die Regierung diesem Wunsch nicht statt, startet die SRG ein breit gefächertes Sparprogramm, das nach dem heutigen Stand u.a. eine Schliessung des Jugendsenders Virus oder der Musikwelle vorsieht.

Damit liegt der Ball fürs Erste beim Bundesrat. Sollte er den Wunsch der SRG nach Werbung auf den Webseiten erfüllen, würde er seinen eigenen Entscheid von 2007 umstossen. Damals hatte der Bundesrat in der Verordnung zum Radio- und Fernsehgesetz Werbung «im übrigen publizistischen Angebot» grundsätzlich untersagt. Sehr zur Genugtuung der Zeitungsverleger, die zuvor eine Anzeige «in Sachen SRG-Online» beim Bakom deponiert hatten. Mit der nun erneut erhobenen Forderung der SRG nach  Online-Werbung, ist eine Neuauflage des Konflikts mit den Verlegern vorprogrammiert. Anfang Juni hatte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument bereits klargemacht, er werde sich «konsequent gegen Online-Werbung auf den SRG-Plattformen» einsetzten.

Überraschenderweise kein Thema bei der aktuellen Suche nach Zusatzeinnahmen ist die Radiowerbung. Eine aktuelle Studie von Publisuisse im Auftrag der SRG zeigt, dass hierfür in der Deutschschweiz ein Potenzial von bis zu 80 Millionen Franken besteht. Mit Online-Werbung dagegen liesse sich nur knapp zehn Millionen Franken an zusätzlichen Einnahmen generieren. Bei der Forderung nach Radiowerbung würde die SRG auch nicht auf den geballten Widerstand der privaten Medienveranstalter stossen. So begrüsst etwa Jürg Bachmann, Präsident des Privatradioverbands VSP, Werbung in den Programmen der SRG: «Ohne Werbung in den Radioprogrammen der SRG wird sich der Markt nie richtig entwickeln», so Bachmann Anfang Juni der Aargauer Zeitung. Weshalb die SRG nicht auf die Karte Radiowerbung setzt, will Unternehmenssprecher Daniel Steiner nicht verraten. Nur soviel: «Aus einer Vielzahl von Gründen» sei sie beim Sanierungskonzept kein Thema.

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18. Juni 2009 von Klartext

NZZ: „Männerbund“ und Bistro-Posse

Bei der NZZ kann sich die Redaktion via internes Blog an der Diskussion um die NZZ-Neugestaltung beteiligen. Dieser Prozess läuft unter dem Titel „Sounding Board“, ein Wort, das alteingesessenen RedaktorInnen nicht zu ihrer Traditionszeitung zu passen scheint.

Wobei manche von ihnen nun nicht mehr mitdiskutieren: Mehr als zehn langjährige MitarbeiterInnen aus den Ressorts Wirtschaft und Ausland haben die Frühpension angetreten. Knapp dreissig Stellen wurden so gestrichen; der Abbau war Ende 2008 angekündigt worden. „Es wurde aber im Haus nie transparent gemacht, wo und wie die Stellen abgebaut wurden. Es hiess, das sei Sache der einzelnen Ressorts“, ist aus der NZZ zu hören. Zu hören ist auch, dass die neue NZZ – sie soll am 9. 9. 09 erstmals erscheinen – mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Dreibund-Zeitung sein wird. Bund eins soll Ausland, Inland und Zürich umfassen, Bund zwei – intern „Männerbund“ getauft – enthält Wirtschaft, Börse und Sport, Bund drei Feuilleton und Beilage-Themen. Möglicherweise wird das Layout fünfspaltig, und man will vermehrt Frauen und Junge ansprechen – dennoch soll die NZZ „ihr Gesicht bewahren“.
Ganz und gar nicht angesprochen gefühlt haben sich offenbar viele NZZ-JournalistInnen von der Idee der Unternehmensleitung, das NZZ-Bistro an der Falkenstrasse für das Publikum zu öffnen – und für die NZZ-Leute zu verteuern. Zwischenzeitlich mussten sie auch für ein Glas Leitungswasser bezahlen, 70 Rappen pro Glas. Das alles hat zu einer schlechteren Nutzung des Bistros geführt, zu regelrechten Boykott-Aktionen. Aus den Ressorts Wirtschaft und Inland etwa hört man, heute sei quasi niemand mehr im Bistro anzutreffen, obwohl die Redaktionsmitglieder ihr Wasser wieder gratis kriegen. Findige Köpfe überlegen sich nun, ob Bistro-Öffnung und Wasserverteuerung ganz gezielt erfolgt seien. Denn, so heisst es, die NZZ bezahle jedes Jahr 1,2 Millionen Franken für die beiden Bistros in Zürich und Schlieren. Dasjenige in Schlieren kann sie nicht schliessen, denn dort wird Schicht gearbeitet. Wird hingegen das Falkenstrasse-Bistro weiterhin so schlecht genutzt, geht es womöglich zu – und die NZZ spart.

Verblöden mit Roger
nil./ Wetten, dass auch Roger Federer dereinst – aber hoffentlich erst in sehr, sehr ferner Zukunft – das Racket abgeben und irgendwann sogar das Zeitliche segnen wird? Nun, mit dieser nicht besonders gewagten Prognose stehen wir in der Medienlandschaft derzeit allein auf weiter Flur. Nach Federers Sieg am French Open in Paris übten sich die euphorisierten Sportredaktorinnen und Blattmacher in kollektiver Esoterik und verklärten den Basler Tennisspieler flugs zum Unsterblichen. „Federer macht sich unsterblich“, titelte etwa der „Bund“. Schon Tage vor dem Sieg in Paris wusste der „Blick“, dass Federer nur noch wenige Schritte vor der Unsterblichkeit steht. Vor allem aber waren es die Online-Redaktionen, die vor lauter Roger, Roger fast überbeissen wollten. Egal, wo man hinklickt im deutschsprachigen Netz: unsterblich, unsterblich, unsterblich. Da war es nur noch ein kleiner Schritt zum Göttervergleich, der natürlich auch nicht fehlte. Vom Tennis-Gott schrieb bild.de, den Aufstieg in den Olymp wollte swissinfo.ch beobachtet haben. Während es auf den Redaktionen in Deutschland und der Schweiz kein Halten mehr gab, zeigte man im englisch- und französischsprachigen Raum schon mehr Zurückhaltung und sparte mit den dümmlichen Unsterblichkeitsmetaphern. Und wie gesagt: Wir behaupten weiterhin, Roger Federer sei ein sterblicher Mensch aus Fleisch und Blut. Die Wette gilt!

Ende von Swissinfo wird angedacht
nil./ Auch Swissinfo muss den Gürtel enger schnallen: Sieben Millionen Franken sollen weg, mehr als ein Viertel des aktuellen jährlichen Aufwands. Von diesem Sparpotenzial geht die SRG-Spitze aus. Bis Ende Jahr geht ein Gremium unter der Leitung der Direktoren von Swissinfo, Schweizer Radio DRS und Westschweizer Fernsehen TSR über die Bücher und will herausfinden, wie sich diese Vorgabe umsetzen lässt. Das teilte die SRG am 8. Juni mit.
Drei Varianten stehen dabei im Vordergrund: swissinfo.ch bleibt eigenständig, produziert aber wesentlich günstiger als heute. Oder aber das ehemalige Schweizer Radio International verschwindet und wird TSR oder SR DRS einverleibt. Nicht angetastet werden darf bei allen drei Varianten der Leistungsauftrag des Bundes, der die SRG verpflichtet, ein mehrsprachiges Informationsangebot bereitzustellen. SRG-Kader sehen das grösste Sparpotenzial bei den Angeboten von Swissinfo in den drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch. Mit den Websites von Radio- und Fernsehen gebe es Doppelspurigkeiten. „Diese sind nicht einfach aufrechtzuerhalten, wenn man mehr Effizienz fordert“, kommentiert etwa der Westschweizer Radiodirektor Gérard Tschopp. „Swissinfo muss sich überlegen, ob sie ihre Angebote nicht anpassen, komplementär gestalten müsste“ (siehe Interview auf Seite 22). Was so viel heisst wie: Die Redaktionen mit „exotischen“ Sprachen, wie etwa Japanisch, Chinesisch oder Arabisch, blieben erhalten, das übrige Angebot würde in enger Zusammenarbeit mit den Online-Redaktionen von Radio und Fernsehen erstellt.
Unter publizistischen Gesichtspunkten würde eine solche Lösung nicht zwingend zu einem Verlust führen. Denn swissinfo.ch hat es in den zehn Jahren seit seiner Gründung nie recht geschafft, ein eigenständiges Profil zu entwickeln und sich als unverzichtbarer Teil der SRG-Familie zu positionieren.

(Un)dank für Treue
hb./ Bis vor Kurzem erhielten alle pensionierten Angestellten von Edipresse ein Gratis-Abo für einen Edipresse-Titel nach ihrer Wahl, sozusagen anstelle der Uhr, die Pensionierte anderer Betriebe nach Jahrzehnten treuer Dienste erhalten. Doch jetzt heisst es sparen. Kleinvieh macht auch Mist, muss sich ein Edipresse-Chef gedacht haben und liess seinen lieben ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Abo-Rechnung schicken. Ein noch angestellter 63-jähriger Mitarbeiter befand sich zu seiner Überraschung auch unter den Adressaten. „Aha, man hat Sie noch nicht frühpensioniert?!“, war die Reaktion der zuständigen Stelle, als er sich nach dem Grund für die Rechnungsstellung erkundigte.

18. Juni 2009 von Klartext

Glogger müllt

Helmut-Maria Glogger schreibt nicht nur regelmässig die Kolumne „Glogger mailt“ auf der letzten Seite von „Blick am Abend“, nein, er macht sich auch Sorgen um die Steuergelder.

Um „unsere Steuergelder“, genau genommen. Oder eben auch nicht so genau genommen.
Am 19. Mai schreibt beziehungsweise mailt Glogger dem „Porsche-Chef“ Wendelin Wiedeking und hält ihm vor, zuerst grosskotzig Geld verschleudert zu haben und nun „unsere Steuergelder anzapfen zu wollen“. „Unsere Steuergelder“ zur Sanierung von Porsche? Hat Hansruedi Merz schon wieder irgendwo Geld verteilt? Das kann nicht sein; für Porsche hat Merz doch gar nie gearbeitet. Oder kennt Glogger irgendeinen Geheimplan von Peer Steinbrück? Sollen die Steuererträge aus der Schweiz und aus Deutschland der Einfachheit halber gleich zusammengelegt werden? Oder meint Glogger die Internationale der SteuerzahlerInnen und geht ganz selbstverständlich von der grenzübergreifenden Solidarität der Die-da-oben-und-wir-bezahlen-alles-Faust-im-Sack-Mehrheit aus?
Wie dem auch sei: Einen Tag später mailt Glogger an den FC Zürich und findet, die Fussballclubs müssten die Schäden bezahlen, die ihre Fans anrichten: „Und nicht wir Steuerzahler!“ Spätestens hier wird klar, dass es Glogger egal ist, wen er mit „wir“ oder „uns“ meint. Wichtig ist ihm allein die Kumpanei mit dem Lesepublikum. Und dafür wählt Glogger mit Vorliebe die billigste Masche. Melodramatisch wirft er ein: „Ich habe keine Lust, um das Leben meiner Kinder zu bangen.“ Mal abgesehen von der Frage, ob hier wirklich das Lustprinzip spielt, kann man wohl mit guten Gründen werweissen, ob es eben nicht gerade auch seine, also „unsere“ Kinder sind, die nach Fussballspielen als „Maskierte, Vermummte, bis zum Schwachsinn Besoffene randalieren“. Gut möglich; und dann muss man auch tatsächlich um ihr Leben bangen (mit oder ohne Lust), denn Glogger schlägt vor, dass man die Fans „sich – unter liebevoller Begleitung von Psychologen – mit Latten die hirnlosen Köpfe einschlagen“ lassen soll.
Ach, wenn es ein so simples Rezept doch nur auch gegen hirnlose KolumnistInnen gäbe.

Aktuelles Heft

Ausgabe: 4 | 2010 Die Themen:
  • Heller, der Heftlimacher
  • Service Zukunft mit SR DRS
  • Bilderstreit, nächste Runde