24. Juni 2010 von Klartext

Die Zeitung hat Zukunft, aber auf Papier?

Bild: Tres Camenzind


Kaum hat Christoph Bauer die Stelle als CEO bei den AZ Medien angetreten, entlässt er schon Personal. Doch der junge Chef glaubt an seine Medien. Erfolgreich überleben könne man aber nur mit konsequenter Ausrichtung auf den Lokaljournalismus. Gespräch: Bettina Büsser und Nick Lüthi

KLARTEXT: Die AZ Medien haben eben bekannt gegeben, dass in Redaktionen und Verlagen 25 Stellen abgebaut werden.
Christoph Bauer: Wir haben Ende März den Abbau von 30 Stellen angekündigt und nun konkret kommuniziert, was geschieht. Wir bauen nur 25 Stellen ab. Wir haben sechs Kündigungen ausgesprochen, das ist für die Betroffenen natürlich sehr schwierig. Aber ansonsten haben wir diese Massnahme recht fair durchführen können, mit Frühpensionierungen, Pensenreduktionen, mit 15 offenen Stellen, die wir nicht mehr besetzen.

KT: Wie ist die Stimmung im Haus?
Bauer: Wenn es konkret wird, reagieren alle verhalten, es wird schon auch mal Unmut geäussert. Aber die Stimmung ist nach meinem Empfinden jetzt wieder sehr gut. Wir haben einen sehr transparenten Austausch mit der Betriebskommission, es war für alle einsichtig, dass die Massnahmen in der aktuellen Situation des Unternehmens richtig sind. Der soziale Frieden im Unternehmen ist intakt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziehen auf beeindruckende Art und Weise mit. Unser Problem war: Wie können wir diese 25 Stellen ohne Leistungsabbau bei unseren Produkten abbauen? Also haben wir Prozesse umgestellt. Dafür haben wir Projekte zur Prozessüberprüfung durchgeführt, und die Leute wussten, dass da­raus ein Stellenabbau resultieren wird.

KT: 2009 wurden 65 Stellen abgebaut, 2008 waren es 30. Sie sagen, es gibt keinen Leistungsabbau – wo ist die Grenze? In den «Visionen» der AZ Me­dien steht: «Die publizistische Qualität unserer Medien lassen wir uns etwas kosten.»
Bauer: Das tun wir auch. Der grosse Stellenabbau hat nicht in den Redaktionen stattgefunden. Wenn wir über Sparmassnahmen diskutieren, schauen wir die Redaktionskapazitäten ganz zuletzt an. Das tue ich in Abstimmung mit dem Verleger, aber das ist auch meine persönliche Haltung. Ich komme von der kommerziellen Seite, aber für mich ist Content unsere erste Kernkompetenz, die Nummer eins, daraus entsteht die Wertschöpfung.

KT: Peter Wanner hat in einem Interview gesagt, bei der Übernahme von Vogt-Schild seien die AZ Medien von der Krise «auf dem falschen Fuss erwischt» worden.
Bauer: Könnte man sich den Zeitpunkt für eine Übernahme aussuchen, würde man sie sicher nicht mitten in der grössten Werbekrise tätigen. Wir haben im letzten Jahr im Werbemarkt einen Einbruch von 40 Millionen Franken erlitten. Doch es war richtig, die Gelegenheit zu packen, als wir gefragt wurden, ob wir Interesse an Vogt-Schild hätten. Der Mittelland-Zeitung-Verbund bestand ja anfänglich aus mehreren kleineren Kooperationspartnern. Das Konzept mit dezentral komplett selbstständig agierenden Unternehmen ist ökonomisch nicht mehr machbar. Nun konsolidieren wir: Redaktionen und Vermarktung müssen dezentral organisiert sein, alles andere kann zentral an unserem neuen Hauptsitz stattfinden. Durch diese Konsolidierung konnten wir den Hauptteil der Einsparungen tätigen, die wir vornehmen müssen.

KT: Was haben Sie seit Ihrem Stellenantritt Anfang Jahr strategisch entschieden?
Bauer: Das sind viele Punkte, deren Auswirkungen wir noch nicht in der Öffentlichkeit sehen. Einer davon ist, dass wir unsere Geschäftsmodelle und unseren Medienverbund neu ausrichten. Wir sind heute sehr printlastig, das werden wir auch bleiben. Doch der Treiber des Journalismus muss Online sein. Das bedeutet nicht einfach «Online first», sondern: Von welchem Medium aus beginne ich zu denken, um eine Tageszeitung zu machen? Das ist ein Kulturwandel. Wir haben jetzt einen Newsroom, es ist kein Sparmodell.

KT: Das sagen alle.
Bauer: Es ist wirklich so, fragen Sie die Redaktion. Im Newsroom gibt es auch nicht eine Redaktion für alle Medien, es ist ein Raum, in dem die verschiedenen Redaktionen zusammenarbeiten – Print, Online und auch unser Regionalfernsehen. Das funktioniert wunderbar.

KT: Die Print-Journalisten und -Journalistinnen werden jetzt auch für Online geschult. Das bedeutet, dass man das Medium Online mit den bestehenden Leuten intensiver bespielen will.
Bauer: Ja, zum Teil. Aber es geht nicht darum, dass alle Journalisten unbedingt alle Medien bedienen müssen. Im Gegenteil, wir suchen sogar Kontrapunkte, denn im Newsroom bestimmt Online ein extrem hohes Tempo. Wir setzen einen Gegenpol, mit Leuten, die nicht in diesen Produktionsrhythmus eingebunden sind. Es geht grundsätzlich darum, dass wir anerkennen, dass das schnellste interaktive Medium heute das Internet ist. Wir müssen Online und auch die mobilen Geräte gedanklich zuerst bedienen. Zeitungen sind heute multimedial. Das ist unsere erste Handlungsebene.

KT: Und die zweite?
Bauer: Die zweite Ebene ist der schon erwähnte Zusammenschluss zu den AZ Medien als Mediengruppe mit Hauptstandort und verschiedenen dezentralen Standorten. Die dritte Ebene schliesslich ist die Unternehmenskultur. Wir arbeiten gemeinsam mit den Mitarbeitern aktiv daran, innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre eine Kultur zu schaffen, von der man sagen kann: Wir wissen, wofür AZ Medien steht, und wir sind stolz, hier zu arbeiten.

KT: Das alles klingt nach einem grossen Umbau. Wurde vor Ihrer Zeit zu wenig gemacht?
Bauer: Nein. Peter Wanner hat als CEO sehr unternehmerisch, sehr erfolgreich und dynamisch ausgehend vom «Badener Tagblatt» eine der grössten Mediengruppen der Schweiz gebaut. Das ist eine wahnsinnige Leistung. Jetzt steht die Plattform zur Verfügung, und eine neue Generation Management mit anderen Schwerpunkten kann das Unternehmen weiterentwickeln.

KT: AZ-Medien-Mitarbeitende waren vor Ihrem Stellenantritt skeptisch, ob Peter Wanner loslassen kann. Wie ist es heute – spüren Sie seinen Atem im Nacken?
Bauer: Viele, die Peter Wanner seit Jahren aus beruflichen Begegnungen kennen, haben mir gesagt: Wir sind gespannt, ob er loslassen kann. Er hat sehr, sehr gut losgelassen. Mittlerweile ist es so, dass ich ihm manchmal eine Woche lang hinterherlaufe, weil ich Informationen von ihm brauche. Wir diskutieren über Kapazitäten und Priorisierung, aber er überlässt mir das operative Geschäft.

KT: Stichwort Online: Peter Wanner ist ohne Internet aufgewachsen, Sie stammen aus der Internet-Generation. Gibt es da einen Generationenkonflikt
Bauer: Ich hatte zwar mit neun Jahren meinen ersten Commodore 64, doch ich bin nicht mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen über verschiedene Endgeräte aufgewachsen. Aber ich bin eigentlich über das Internet ins Mediengeschäft gekommen. Es ist jedoch keine technische, sondern eine publizistische Diskussion, wenn wir darüber sprechen, was wir online tun sollen. Davon versteht Peter Wanner sehr viel. Nach meiner Überzeugung müssen wir dafür sorgen, dass wir online das erfüllen, was wir heute in den Printmedien erfüllen. Wir können die lokal-regionale Berichterstattung mit einem respektablen Mantelteil auch online bieten. Die Frage nach dem Geschäftsmodell ist allerdings noch völlig ungeklärt.

KT: Das ist der Punkt, der allen Angst macht.
Bauer: Es ist nun mal so: Der Kommerz ist nachgelagert. Das war auch in der alten Welt so: Ich muss bei einer Zeitung zuerst einmal Leser haben, bevor ich anfangen kann, Werbung darin zu verkaufen. Wenn wir im Internet unsere Kompetenzen richtig einsetzen, können wir Marktplätze besetzen. Ob wir damit Geld verdienen, wissen wir noch nicht. Wir müssen jedoch die gesamte Medientastatur spielen. Dafür brauchen wir die besten, talentiertesten Journalisten. Es ist relativ einfach, schnell mal was online oder mobile zu stellen, und es ist relativ anspruchsvoll, einmal am Tag zu erklären: Was ist passiert und was bedeutet das für morgen? Deshalb bin ich davon überzeugt, dass Tageszeitungen überleben werden.

KT: Auf Papier gedruckt?
Bauer: Für mich ist «Tageszeitung» ein journalistisches Format, das einordnet, gewichtet, erklärt. Ob es gedruckt wird oder nicht, ist eine komplett andere Frage. Die gedruckte Zeitung ist ja eigentlich ein wahnsinniges Geschäftsmodell: Wir bewegen jeden Tag 120 Tonnen Papier durch die halbe Schweiz.

KT: Die gedruckte Zeitung ist aber ein Produkt, für das die Leute zu bezahlen bereit sind.
Bauer: Das ist die grosse Frage: Zahlen die Leute, weil sie ein physisches Produkt auf Papier haben oder zahlen sie für die Aufbereitung der Information?

KT: Eine Darstellungsform, die dem bedruckten Papier nahekommt, sind Tablets, Stichwort iPad.
Bauer: Ich durfte 2002/2003 eines der ersten E-Paper in der Schweiz lancieren. Das ist bis heute eigentlich kein Internet-Produkt, sondern eine digitale Zeitung. Man müsste sie eigentlich auf einem rollbaren Folien-Bildschirm lesen können. Und in diesem Bereich bewegt sich einiges. Jetzt ist neu der iPad da und auch weitere Anbieter sind aktiv. Ich denke, hier liegt ein grosses Potenzial.

KT: Auf dem iPad wie im Netz überhaupt stehen redaktionelle Angebote in Konkurrenz zu kostenlosen und beliebten Angeboten wie Facebook oder Wikipedia. Wie kann man da für Inhalte Geld verlangen?
Bauer: Wenn es eine Chance gibt, dann ist es die lokal-regionale Berichterstattung. Nationale und internationale Themen können im Internet nur wenige Medienmarken kostenpflichtig anbieten. Daher konzentrieren wir uns auf lokale und regionale Berichterstattung. Wenn wir einen Weg finden, das kostenpflichtig zu machen, dann bin ich der Erste, der das tun wird. Wichtig ist daher die publizistische Vorgabe: Wir wollen wieder raus in die einzelnen Ortschaften und dort mit noch mehr Aussenredaktionen präsent sein.

KT: Mit dem ganzen Medienverbund, mit Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet sind Sie schon heute in einer starken Position im Mittelland.
Bauer: Das ist die Darstellung auf dem Reissbrett. Die Konkurrenz ist immens. Dazu gibt es im lokalen Bereich eine sehr vielfältige Welt von lokalen Anzeigern, die sehr, sehr ordentliche Jobs machen. Die sind nah dran an der Bevölkerung und deren Problemen. Für die Bürger in einem Dorf oder einer Kleinstadt sind sie oft die erste Referenz.

KT: Heisst das auch, dass Sie weitere Kleinanzeiger zukaufen wollen?
Bauer: Wir haben schon 14 solcher Anzeiger, und das funktioniert sehr gut. Einige übernehmen die Funktion einer Tageszeitung, andere haben eher Marktplatzfunktion. Zurzeit sind wir daran, diese Titel strategisch zu entwickeln. Dort sehe ich ein gutes Potenzial, auch online. Wir haben auch die Absicht, weitere zu kaufen.

KT: Dazu verfügen Sie über das nötige Kleingeld?
Bauer: Die AZ Medien sind finanziell sehr gesund. Auch wenn das andere gerne anders sehen würden. Wegen des anhaltenden Umsatzrückgangs haben wir noch mal ein schwieriges Jahr. Aber wir wollen jetzt ein wesentlich besseres Ergebnis ausweisen, was wir auch erreichen werden.

KT: Ist der «Sonntag» ein rentables Geschäft?
Bauer: Nein, noch nicht. Aber es geht hier nicht um viel Geld, das wir investieren. Neue Medien zu lancieren, ist ein risikoreiches Geschäft. Man muss die Bereitschaft haben, einem solchen Projekt gegen alle Widrigkeiten der Konjunktur mindestens fünf Jahre Zeit zu geben, um zu erfahren, ob es funktioniert. Die Redaktion zeigt, wie man mit wenig Ressourcen eine tolle Sonntagszeitung machen kann, die zu reden gibt. Jetzt müssen wir schauen, dass wir ausserhalb unserer Kernleserschaft weitere Kunden gewinnen.

KT: Wie entwickeln sich Radio und Fernsehen?
Bauer: Radio Argovia hat ein schwebendes Konzessionsverfahren, weshalb ich hierzu keine Auskunft geben kann. Was aber bei der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes und dessen Anwendung während der letzten Konzessionierungsphase passiert ist, ist einer Demokratie unwürdig. Radio 32 in Solothurn ist eine Erfolgsgeschichte: kleines Marktgebiet, gut verankert, funktioniert sehr gut. Und in Tele M1 haben wir jetzt investiert, obwohl es für elektronische Medien in der Schweiz keine Investitionssicherheit mehr gibt. Man darf auf keinen Fall länger planen als auf zehn Jahre, so lange, wie die Konzession gültig ist. Tele M1 ist finanziell betrachtet ein schwieriges Thema.

KT: Trotz der 2,3 Millionen Franken an Gebührengeldern, die jährlich fliessen?
Bauer: Wenn wir diese nicht hätten, müssten wir uns ernsthaft überlegen, ob wir den Sender besser schlies­sen sollten. Aber Tele M1 macht einen tollen Job und ist erfolgreich bei den Zuschauerzahlen. Auch kommerziell schöpft Tele M1 das regionale Potenzial gut aus. Wir halten also mit Sicherheit an Tele M1 fest, auch wenn es kein Geschäft ist.

KT: Bei den Tageszeitungen haben Sie die Bundzahl von 4 auf 2 geändert. Eine Sparmassnahme?
Bauer: Das geschah nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Wir produzieren den gleichen Umfang wie vorher. Ob 2 oder 4 Bunde ist eine produktionstechnische Frage, aber auch ein wichtiges psychologisches Signal. Im ersten Bund wollen wir eine Berichterstattung anbieten, die über das hinausgeht, was eine normale Regionalzeitung anbietet. Unsere Abonnenten sollen nicht unbedingt zusätzlich noch NZZ oder «Tages-Anzeiger» lesen müssen. Der zweite Bund ist die Regional- und Lokalzeitung, unser Kerngeschäft. Der Wert für das Abonnement kommt primär aus dem zweiten Bund, publizistisch liefern wir ein Komplettpaket mit dem Mantel. Wir wollen diesen Weg wieder konsequenter gehen.

KT: Wie sieht es bei den Tageszeitungen mit Kooperationen ausserhalb des Mittelland-Zeitung-Verbundes aus? In der Branche heisst es ja immer, alle reden mit allen.
Bauer: Solange das so ist, geschieht gar nichts. Wenn es mal ruhig wird, dann wird es interessant. Wir waren immer offen für Kooperationen, die Diskussion ist im Moment nicht mehr aktuell.

KT: «Aargauer Zeitung» und «Basler Zeitung» tauschen weiterhin Artikel aus?
Bauer: Ja, das ist aber kein grosses Thema, da geht es nicht um viel Geld. Wir schauen das sehr pragmatisch an. Das machen die Chefredaktoren untereinander aus.

KT: Wo sind Kooperationen sonst noch sinnvoll?
Bauer: Wenn wir wirklich mal über das Internet diskutieren wollen, dann ist es sinnvoll, wenn mehrere Verleger zusammengehen. Was die Verlage mit den Rubrikeninseraten erlebt haben, wollen sie nicht noch einmal erleben. Ich denke, da findet in den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen nun doch ein Veränderungsprozess statt. Im Moment ist man aber noch in der Phase des Verteilkampfs. Die Konsolidierung des Schweizer Markts wird noch etwa drei Jahre dauern. Das sind die alten Verteilkämpfe. Dann stehen mal die Grundstrukturen. Ich kann mir vorstellen, dass danach wirklich relevante Diskussionen aufkommen, wie man in dieser kleinen Schweiz einträgliche Internet-Geschäftsmodelle aufbauen kann.

KT: Wie sieht Ihre Zukunft aus? Ihre Karriere wird wohl nicht im Aargau enden.
Bauer: Bah, vielleicht hört sie ja ganz auf. Vielleicht kriegen wir so Krach, das der Verwaltungsrat mich entlässt … Wenn man in der Schweiz irgendwo rausfliegt, ist die Karriere in der Regel vorbei.

KT: Oder man geht nach Deutschland.
Bauer: Ich habe immer wieder Angebote aus Deutschland erhalten, aber meine Frau und ich leben sehr bewusst in der Schweiz. Auch wenn man mir das vielleicht nicht abnimmt: Ich habe mich nie nach Karrierezielen orientiert, sondern immer das gemacht, von dem ich geglaubt habe, dass ich mit guten Leuten zusammenarbeiten und etwas verändern kann. Ich habe immer gesagt, bis 40 mache ich solche Jobs, dann mache ich was ganz anderes. Zum Beispiel einen Lehrauftrag an der Uni und daneben habe ich einen Bootsverleih. Für die nächsten Jahre habe ich allerdings eine tolle Aufgabe vor mir, die mir sehr viel Freude bereitet.

KT: Wie lange bleiben Sie im Aargau?
Bauer: Fünf Jahre ist für mich eine gute Perspektive. Vorher zu gehen, wäre verantwortungslos. Man kann nichts Nachhaltiges entwickeln. Man muss ein Unternehmen so aufstellen, dass die wichtigen Themen von einzelnen Personen unabhängig funktionieren.

KT: Werden die AZ Medien in fünf oder zehn Jahren weiterhin ein Familienunternehmen sein?
Bauer: Die AZ Medien haben das Potenzial, selbstständig zu bleiben, und die Kinder von Peter Wanner haben grosses Interesse am Geschäft. Für Peter Wanner ist klar, dass es mit mir jetzt eine Übergangslösung gibt, vielleicht kommt nach mir noch ein weiterer angestellter CEO. Die AZ Medien werden auch in der nächsten Generation von der Hauptaktionärsfamilie Wanner geführt sein.

Das Gespräch fand am 3. Juni in Aarau statt.

Medien-Allrounder mit steiler Karriere

Christoph Bauer (39) arbeitet seit Anfang Jahr als CEO der AZ Medien in Aarau. Bauer ist damit der erste angestellte Geschäftsleiter des Unternehmens von Peter Wanner, der bisher die AZ Medien selbst geführt hatte. Der promovierte Betriebswirt mit einer Dissertation zu «Tageszeitungen im Kontext des Internets» begann seine berufliche Laufbahn bei Bertelsmann in Deutschland, bevor er 2001 in die Schweiz kam als Marketingleiter der NZZ. Die letzten fünf Jahre arbeitete Bauer bei Ringier, zuerst für die Multimediaplattform Cash, später in der Ringier-Geschäftsleitung, wo er zuständig war für die Wirtschaftsmedien und danach für New Media. Daneben unterrichtete er Medienmanagement und Medienmarketing an der Universität Zürich. Im Verband Schweizer Presse war Bauer unter anderem aktiv im Departement Werbemarkt.


23. Juni 2010 von Nick Lüthi

Editorial: Wo sind die Stiftungen?

Stiftungen verwalten Geld – viel Geld. Viele Stiftungen verfolgen zudem einen gemeinnützigen Zweck und vergeben entsprechend Mittel. Mit teils namhaften Summen werden notleidende Menschen, kranke Esel, musikalische Talente oder Strafentlassene unterstützt. Um nahezu jede menschliche und tierische Regung kümmert sich eine Stiftung mit dem passenden Zweck. Ausser um den kranken und notleidenden Journalismus. Sonderbar eigentlich. Denn es geht ihm wirklich nicht gut. Kein karitatives Herz scheint bisher entdeckt zu haben, dass auch hier Gutes zu tun und vor allem Geld zu stiften wäre. In Form von Preisen und Auszeichnungen fliesst zwar heute schon viel und bald noch mehr Stiftungsgeld in den Journalismus, allerdings erst nach getaner Arbeit. Dem strukturellen und inzwischen chronischen Finanzierungsproblem verschafft das jedoch keine Abhilfe.
Wieso aber Stiftungsalmosen, wenn es den Markt gibt? Journalismus ist ein Gewerbe wie jedes andere auch. Was nicht rentiert, verschwindet. Medien kommen, Medien gehen. Jedes Volk hat die Medien verdient, die es sich zu leisten bereit ist. – Ein Zyniker, der so argumentiert. Denn Journalismus muss nicht rentieren und kann nicht an den gleichen Massstäben gemessen werden wie die Schraubenproduktion. Nur weil ein Geschäftsmodell, das ein paar Jahrzehnte lang gut funktioniert hat, nun an seine Grenzen stösst, bedeutet das noch lange nicht, dass die damit finanzierte Aufgabe plötzlich obsolet ist. Journalismus erfüllt eine unverzichtbare gesellschaftliche Funktion, egal, wie es auf dem Markt läuft.
Genauso wenig wie man von Kunst und Kultur erwartet, dass sie sich alleine aus dem Markt finanzieren, sollte auch das Gedeihen des Journalismus nicht einzig von seiner kommerziellen Verwertbarkeit abhängen. Nur: Woher kommt das Geld? Womit wir wieder zurück sind bei den Stiftungen. Ganz unbekannt ist das Modell des stiftungsfinanzierten Journalismus nicht. Und man braucht dazu nicht einmal über den Atlantik zu schauen zum gerne zitierten Beispiel von Pro Publica und seiner pulitzerpreisgekrönten Redaktion. Zwar nicht gerade zehn Millionen Dollar, wie sie das Ehepaar Sandler dem unabhängigen Redaktionsbüro jährlich überweist, aber immerhin ein paar Hunderttausend Franken zahlen zwei Stiftungen dem Büro von Wissenschaftsjournalist Beat Glogger für die Produktion der wöchentlichen «Wissen»-Seiten in «20 Minuten». Den beiden Stiftungen Mercator und Gebert Rüf geht es aber nicht primär darum, dem Journalismus unter die Arme zu greifen, sondern – gemäss ihrem Zweck – Wissenschaftskommunikation zu fördern. Was in der Schweiz fehlt, sind Stiftungen, die sich uneigennützig der noblen Aufgabe verschreiben, journalistisches Schaffen zu fördern. Wer geht mit gutem Beispiel voran?


20. Juni 2010 von Bettina Büsser

Schon vor der Wahl gewählt?

“Rudolf Matter wird Direktor für Radio und Fernsehen” – so titelt heute die “NZZ am Sonntag”. Zwar wird der SRG-Verwaltungsrat den “Superdirektor” von SF und SR DRS (eine Kandidatin gab es offenbar nicht) erst morgen Montag wählen. Doch NZZaS-Redaktor Francesco Benini weiss schon Tage zuvor, wie die Wahl enden wird: Radio-Chefredaktor Matter macht das Rennen.
Gut, es liesse sich vielleicht mutmassen, der andere starke Kandidat, SF-Direktor Ueli Haldimann, habe nach der Wahl von Roger de Weck zum SRG-Generaldirektor keine Chance – schliesslich wird beiden das Attribut “links” angehängt, und zweimal “links” ist offenbar vielen viel zu viel “links”. Doch Benini weiss es schon ganz sicher, aus “zuverlässigen Quellen”.
Obwohl wir bisher immer davon ausgegangen sind, in der Schweiz seien Wahlen erst entschieden, wenn sie auch stattgefunden haben, müssen wir also entweder Beninis tolle Kontakte in den Verwaltungsrat der SRG Deutschschweiz, welche den Kandidaten vorgeschlagen hat, bewundern. Oder uns besorgt fragen, wie sehr auch die NZZaS dem mid-risk-Journalismus frönt. Bis das bekannt ist, bleibt noch etwas Zeit – zum Beispiel, um das KLARTEXT-Interview mit Rudolf Matter nachzulesen.

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10. Juni 2010 von Klartext

Inhalt Nr. 3/2010

19. Mai 2010 von Klartext

Hoffnung und Skepsis nach de Wecks Wahl

Ein Thema dominiert heute die Kommentarspalten in den Schweizer Zeitungen: Die Wahl Roger de Wecks zum neuen SRG-Generaldirektor. Die meisten Chefredaktoren und Kommentatoren begrüssen den Entscheid, einen Journalisten an die Spitze der SRG zu setzen, warnen aber vor überrissenen Erwartungen an den neuen Radio- und Fernseh-Chef.

Artur K. Vogel (Bund): «Es ist eine Freude, dass ein Journalist SRG-Chef wird und nicht ein altgedienter Politiker oder ein wendiger Strippenzieher.»

Urs Helbling (Blick): «Die Wahl von Roger de Weck ist mutig, nicht ohne Risiko. Aber sie könnte zur Sternstunde für die SRG werden.»

Christian Dorer (Aargauer Zeitung): «Dass jetzt jedoch von rechts bereits Kritik wegen seiner politischen Einstellung kommt, ist deplatziert.»

Rainer Stadler (Neue Zürcher Zeitung): «Seine persönliche linksliberale Meinung ist sein gutes Recht. Aber als Repräsentant einer SRG, die sich überparteilich verhalten muss, bietet er so Angriffsflächen in den medienpolitischen Auseinandersetzungen.»

Michael Hug (Berner Zeitung): «Als Erneuerer hat sich de Weck bisher nicht hervorgetan. Vielmehr als Verteidiger eines verstaubten Qualitätsbegriffs, dem das Publikum abhanden kommt.»

David Sieber (Südostschweiz): «Wie sein Vorgänger Armin Walpen wird auch de Weck in erster Linie für eine Gebührenerhöhung kämpfen. Im derzeitigen politischen Klima ein unmögliches Unterfangen.»

Kari Kälin (Neue Luzerner Zeitung): «Winkt der Bundesrat die von der SRG angestrebte Gebührenerhöhung nicht durch, muss sich de Weck als Sanierer, Sparer, ja möglicherweise sogar als Stellenabbauer bewähren. Dazu scheint der intellektuelle Mann ziemlich ungeeignet.»

Res Strehle (Tages-Anzeiger): «Dass er sein Amt gleich mit einer Sparvorgabe antritt, ist eine besondere Herausforderung. Gelingt sie, wird de Wecks SRG zum ermutigenden Zeichen für die ganze Schweizer Medienlandschaft.»

Christian Mensch (Basler Zeitung): «Walpens Art, wichtige Partner wie die Politik oder auch private Medien vor den Kopf zu stossen, statt einmal bloss zuzuhören, hat tiefe Kratzer im Ansehen der SRG hinterlassen.»

Peter Hartmeier (Thurgauer Zeitung): «Walpen hinterlässt eine finanziell aus dem Ruder laufende, politisch angeschlagene SRG: de Weck steht deshalb vor der schwierigsten Aufgabe seines Berufslebens.»

Stefan Schneiter (Zürichsee-Zeitung): «Roger de Weck, sicher kein Anhänger seichter Sendeinhalte à la ‘Deal or no deal’, muss für Radio und Fernsehen zeitgemässe, neue Unterhaltungssendungen finden.»

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    Aktuelles Heft

    Ausgabe: 4 | 2010 Die Themen:
    • Heller, der Heftlimacher
    • Service Zukunft mit SR DRS
    • Bilderstreit, nächste Runde