19. Mai 2010 von Klartext

Hoffnung und Skepsis nach de Wecks Wahl

Ein Thema dominiert heute die Kommentarspalten in den Schweizer Zeitungen: Die Wahl Roger de Wecks zum neuen SRG-Generaldirektor. Die meisten Chefredaktoren und Kommentatoren begrüssen den Entscheid, einen Journalisten an die Spitze der SRG zu setzen, warnen aber vor überrissenen Erwartungen an den neuen Radio- und Fernseh-Chef.

Artur K. Vogel (Bund): «Es ist eine Freude, dass ein Journalist SRG-Chef wird und nicht ein altgedienter Politiker oder ein wendiger Strippenzieher.»

Urs Helbling (Blick): «Die Wahl von Roger de Weck ist mutig, nicht ohne Risiko. Aber sie könnte zur Sternstunde für die SRG werden.»

Christian Dorer (Aargauer Zeitung): «Dass jetzt jedoch von rechts bereits Kritik wegen seiner politischen Einstellung kommt, ist deplatziert.»

Rainer Stadler (Neue Zürcher Zeitung): «Seine persönliche linksliberale Meinung ist sein gutes Recht. Aber als Repräsentant einer SRG, die sich überparteilich verhalten muss, bietet er so Angriffsflächen in den medienpolitischen Auseinandersetzungen.»

Michael Hug (Berner Zeitung): «Als Erneuerer hat sich de Weck bisher nicht hervorgetan. Vielmehr als Verteidiger eines verstaubten Qualitätsbegriffs, dem das Publikum abhanden kommt.»

David Sieber (Südostschweiz): «Wie sein Vorgänger Armin Walpen wird auch de Weck in erster Linie für eine Gebührenerhöhung kämpfen. Im derzeitigen politischen Klima ein unmögliches Unterfangen.»

Kari Kälin (Neue Luzerner Zeitung): «Winkt der Bundesrat die von der SRG angestrebte Gebührenerhöhung nicht durch, muss sich de Weck als Sanierer, Sparer, ja möglicherweise sogar als Stellenabbauer bewähren. Dazu scheint der intellektuelle Mann ziemlich ungeeignet.»

Res Strehle (Tages-Anzeiger): «Dass er sein Amt gleich mit einer Sparvorgabe antritt, ist eine besondere Herausforderung. Gelingt sie, wird de Wecks SRG zum ermutigenden Zeichen für die ganze Schweizer Medienlandschaft.»

Christian Mensch (Basler Zeitung): «Walpens Art, wichtige Partner wie die Politik oder auch private Medien vor den Kopf zu stossen, statt einmal bloss zuzuhören, hat tiefe Kratzer im Ansehen der SRG hinterlassen.»

Peter Hartmeier (Thurgauer Zeitung): «Walpen hinterlässt eine finanziell aus dem Ruder laufende, politisch angeschlagene SRG: de Weck steht deshalb vor der schwierigsten Aufgabe seines Berufslebens.»

Stefan Schneiter (Zürichsee-Zeitung): «Roger de Weck, sicher kein Anhänger seichter Sendeinhalte à la ‘Deal or no deal’, muss für Radio und Fernsehen zeitgemässe, neue Unterhaltungssendungen finden.»

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    18. Mai 2010 von Nick Lüthi

    Roger de Weck als Deus ex Machina

    Bild: SRG/zvg

    Damit hatte niemand gerechnet. Auf Armin Walpen folgt Roger de Weck als SRG-Generaldirektor. Heute Nachmittag hat der Verwaltungsrat den Publizisten und ehemaligen Chefredaktor von Tages-Anzeiger und Zeit zum neuen Generaldirektor von Schweizer Radio und Fernsehen gewählt. Roger de Weck tritt seine Stelle am 1. Januar 2011 an.

    Die Wahl kommt einigermassen überraschend, drehte doch der Name de Wecks nicht auf dem Kandidatenkarussell mit. Als Interessenten für den Posten bekannt waren lediglich Hanspeter Rohner (Publigroupe) und Filippo Leutenegger (FDP). Den Namen des von den Medien als Mister X gehandelten dritten Manns vermochten die zuständigen Gremien der SRG und andere Insider bis zur Wahl geheim zu halten. Auch wenn der nun Gewählte für den Posten durchaus valabel erscheint, so bleibt dem Wahlprozedere etwas Unwürdiges anhaften. Dass es sich eine Institution, die massgeblich von ihrem Publikum finanziert wird, leisten kann, eine Chefwahl à la Papstkür zu inszenieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die SRG. Man wird den Verdacht nicht los, dass es sich um ein abgekartetes Spiel handelt: Rohner und Leutenegger werden als Schiessbudenfiguren verheizt, während die Deweckianer ihren Mann still und im Geheimen in Stellung fahren.

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    18. Februar 2010 von Nick Lüthi

    Leistung gegen Gebühren

    Bakom-Direktor Martin Dumermuth. Bild: Bakom.

    Alle sollen zahlen: Martin Dumermuth, Direktor des Bundesamts für Kommunikation, zu den Folgen eines Systemwechsels bei den Radio- und Fernsehgebühren.

    Klartext: Der Bundesrat schlägt anstelle­ der geräteabhängigen Empfangsgebühr eine allgemeine Me­dienabgabe vor. Wird dieser radikale Wechsel je kommen?
    Martin Dumermuth: Das ist heute schwierig abzuschätzen, denn wir stehen erst ganz am Anfang eines langen Prozesses. Ein allfälliger Systemwechsel bräuchte eine Gesetzesänderung und könnte kaum vor 2015 erfolgen. Mit unserem Bericht haben wir nun einen ersten Schritt gemacht und aufgezeigt, wie man der technologischen Entwicklung gerecht werden könnte.

    KT: Weshalb taugt das aktuelle System nicht mehr?
    Dumermuth: Die geräteabhängige Gebühr entspricht nicht mehr der technologischen Realität beim Rundfunkempfang. Die Nutzung von Programmen ist nicht mehr an spezielle Geräte gebunden, sondern kann mit jedem Computer erfolgen. Das heutige System ist zu einem Zeitpunkt entstanden, als es nur SRG-Programme gab. Mit der Gebühr bezahlte man für deren Empfang. Heute schauen die Leute mehrheitlich ausländische TV-Programme. Die Konstruktion eines Nutzungsentgelts ist unter diesen Umständen schon lange eine Fiktion.

    KT: Die allgemeine Medienabgabe legitimieren Sie mit Service-public-Leistungen von SRG und Privaten, die der Allgemeinheit zugutekommen, also auch jenen, die kein Schweizer Radio und TV konsumieren. Da muss aber klarer definiert werden, was Service public ist.
    Dumermuth: Diese Diskussion müssen wir ohnehin verstärkt führen. Denn der Service public ist letztlich der Kern des Systems – des neuen und des alten. Schon heute sind die SRG und die mit Gebühren unterstützten Privatsender verpflichtet, einen Leistungsauftrag zu erfüllen und Rechenschaft darüber abzulegen. In Zukunft müssen diese Anstrengungen noch verstärkt werden. Denn wenn die allgemeine Gebührenpflicht mit dem Service public der Sender legitimiert wird, wächst damit auch ihre Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit.

    KT: Nun liegt der Ball beim Parlament. Was tun die Räte mit dem Bericht des Bundesrats und seiner Empfehlung für die neue Medienabgabe?
    Dumermuth: Das Parlament hat den Bericht verlangt und wird ihn diskutieren. Entscheiden die Räte, das System zu wechseln, können sie entweder den Bundesrat beauftragen, eine Gesetzesrevision vorzubereiten, oder sie werden selber aktiv, beispielsweise mit einer parlamentarischen Initiative.

    KT: Der grösste Widerstand gegen­ eine allgemeine Abgabe kommt vom Gewerbe. Viele Unternehmen müssten neu Gebühren zahlen.
    Dumermuth: Heute besteht beim Gewerbe eine hohe Quote an Schwarzsehern und -hörern. Deshalb sieht es danach aus, als ob mit dem neuen System auf einen Schlag ganz viele Firmen neu gebührenpflichtig würden, dabei wären sie es heute schon. Das ist aber nicht das Problem der Unternehmen, sondern der Billag, die hier in der Vergangenheit zu wenig kontrolliert hat. Das Bakom hat nun die Billag beauftragt, verstärkt aktiv zu werden.

    KT: Das wird den Unmut des Gewerbes nicht gerade verkleinern.
    Dumermuth: Im Hinblick auf einen allfälligen Systemwechsel suchen wir mit dem Gewerbe die Diskussion. Man kann sich tatsächlich fragen, ob im neuen System beispielsweise ein Lädeli bezahlen muss, wenn dessen Besitzer bereits als Privatperson eine Medienabgabe bezahlt hat. In solchen Fällen sollte es möglich sein, die gewerbliche Abgabe zu erlassen.

    KT: In der Kritik steht beim heutigen System die Inkassostelle Billag. Mit dem Bericht entsteht der Eindruck, die Billag habe gute Chancen, auch in Zukunft das Geld einzutreiben.
    Dumermuth: Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass auch beim künftigen System sehr viel für eine zentrale Inkassostelle spricht. Da aber bei einer flächendeckenden Abgabe die Inkassostelle nur noch das Geld eintreiben und nicht mehr Schwarzhörer und -seher aufspüren muss, werden sich vermutlich mehr Interessenten für die Durchführung dieser Aufgabe finden als bisher. Daher erwarte ich bei der nächsten Ausschreibung einen grösseren Wettbewerb, bei dem die Billag nur eine unter vielen Bewerberinnen sein wird.

    KT: Ein Inkasso über die Steuern steht nicht mehr zur Diskussion?
    Dumermuth: Unsere Abklärungen bei den Steuerbehörden haben ergeben, dass deren Verwaltungskosten selbst gegenüber dem Aufwand, den die Billag verrechnet, um einiges höher liegen. Aber der Bundesrat hat uns beauftragt, ein Inkasso via Steuern noch einmal vertieft abzuklären.

    KT: Mit dem neuen Modell würden die Gebühren pro Haushalt um hundert Franken billiger. Wie kommen Sie auf diesen Betrag?
    Dumermuth: Das ist ein theoretischer Maximalbetrag, wenn alle Haushalte und Gewerbebetriebe nach dem neuen System zahlen würden. Wir wollen aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu stark ins Detail gehen, denn das System bedarf der Konkretisierung. Wir zeigen bloss eine mögliche Stossrichtung auf.

    15. Februar 2010 von Nick Lüthi

    HD-Radio vs. DAB: Schwarzer-Peter-Spiel um die Radiozukunft

    Es sind unwürdige Szenen, die sich da abspielen. Ein gehässiges Hin und Her per Medienmitteilung. Angefangen hatte es am letzten Dienstag. Fünf Schweizer Privatradios gaben bekannt, ihr Programm ab September zusätzlich auch mit der digitalen HD-Radio-Technologie zu verbreiten. Der Laie nimmt das höchstens schulterzuckend zur Kenntnis und und wartet ab, was denn da im Herbst genau kommt. Bei der SRG und Schweizer Radio DRS löste die Meldung umgehend grosse Nervosität aus. Denn die beiden Buchstaben HD verheissen nichts Gutes. Sie stehen, so sieht es zumindest das öffentliche Radio, für eine gefährliche Konkurrenz zu drei anderen Grossbuchstaben: DAB. Das Kürzel steht für jene Digitalradiotechnologie, in die die SRG seit 1999 viele Millionen Franken an Gebührengeldern investiert hat. Bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Radio reimt sich in der Schweiz weiterhin auf UKW. Doch der Durchbruch stehe jetzt endlich bevor, zeigt sich die SRG überzeugt. Wenn aber nun die Privatradios ihr eigenes Digitalsüppchen kochten, dann sei der Konsument vollends verwirrt. Mit ungewohnter Schärfe und Geschwindigkeit reagierten SRG und Radio DRS auf die HD-Ankündigung der Privaten. Eine zweite Technologie neben DAB werde «letztlich das Medium Radio als Ganzes schwächen». Und es dauerte nicht lange, bis sich auch die HD-Fraktion erneut zu Wort meldete. Sie zeigte sich «entrüstet über die Aussagen, mit welchen die SRG das nach wie vor erfolglose DAB lobt». Hier bahnt sich ein handfester Formatstreit an und ein Schwarzer-Peter-Spiel zugleich um die Radiozukunft.

    Die harsche Reaktion der SRG überrascht insofern, als dass sie damit rechnen musste, dass sich die Privatradios einen eigenen Weg in ihre digitale Zukunft suchen werden, zumal der Bundesrat Ende 2009 grünes Licht gegeben hat für eine Alternative zum bislang dominierenden Digitalradiostandard DAB, der lange Jahre den Programmen der SRG vorbehalten war. Gleichzeitig ist die Irritation ob der angekündigten Konkurrenz verständlich. Denn selbst wenn die Privatradios gute Gründe anführen können, weshalb sie auf den HD-Standard setzen – etwa die geringeren Kosten oder die Ausstrahlung der neuen digitalen Programme über die gleiche, dem Publikum bereits bekannte Frequenz – entscheiden am Ende die Radiohörer mit ihrem Portemonnaie. Niemand wird zwei verschiedene Geräte kaufen, eines für den Empfang der nationalen Programme und ein anderes für die Lokalradios, nur weil sich SRG und ein paar Privatradios nicht auf eine einheitliche Technologie einigen können.

    Die Digitalisierung der Radioübertragung steht seit jeher unter einem schlechten Stern. Hauptgrund für die anhaltende Misere ist die nahezu unkaputtbare Ultrakurzwelle, die schweizweit weiterhin aus 20 Millionen Radiogeräten schallt. Und solange das gute alte Küchenradio zwei, drei Programme störungsfrei zu übertragen imstande ist, gibt es keinen Grund, etwas Neues anzuschaffen, das nur das Gleiche oder sogar weniger bieten kann.

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    18. Januar 2010 von Bettina Büsser

    SRG: Konvergenz für Kinder

    Eine Redaktion, drei Kanäle: «Kinderwelt» heisst das erste konvergente Programm der SRG Deutschschweiz.

    Die erste trimediale Redaktion der SRG Deutschschweiz wird Realität: Unter dem Projektnamen «Kinderwelt» arbeiten MitarbeiterInnen von Radio, TV und Internet an einem Kinderprogramm, das Ende August 2010 starten soll – produziert von einer einzigen Redaktion. «Unser Projektauftrag ist relativ einfach», sagt Thomas Grond, seit November Projektleiter «Kinderwelt» und seit September Redaktionsleiter des SF-Kinderprogramms: «Wir dürfen für Kinder im Alter zwischen zirka sieben und elf Jahren ein trimediales Programm machen. Wir alle arbeiten in einer Redaktion zusammen und produzieren Programme für Radio, Fernsehen und Internet.»
    Für die MitarbeiterInnen bedeutet die neue Struktur ein grundsätzliches Umdenken. Am Beispiel einer Bastelsendung erklärt Grond, was Konvergenz konkret bedeutet: Wird heute beim Fernsehen eine solche Sendung konzipiert, denkt man früh darüber nach, wie sie am Bildschirm umgesetzt werden kann. «Künftig müssen wir uns überlegen, was dabei für das Kind am interessantesten ist. Erst dann stellt sich die Frage, auf welchem Vektor es umgesetzt wird.» Radio, TV und Internet können sich dabei gegenseitig speisen – ein Medium nimmt Themen von einem anderen auf, kann sie weiterverfolgen, ergänzen oder vertiefen.
    Nach wie vor wird das Fernsehen zeitmässig einen viel grösseren Anteil haben als das Radio: Bei DRS 1 bleibt es bei der täglichen Stunde Kinderprogramm von 19 bis 20 Uhr, beim Fernsehen wird die «Kinderwelt» täglich zwischen 16.30 und 18.30 Uhr stattfinden, mit Eigenleistungen, Live-Elementen und natürlich Serien. «Online», ergänzt Grond, «bildet die Klammer über das ganze Programm.»
    Das Angebot für Kinder wird tendenziell ausgebaut, mehr Ressourcen stehen aber nicht zur Verfügung. «Wir behalten die bisherigen Budgets, es ist also keine Sparübung», sagt Grond. Ausserdem ergäben sich Synergien – bisher hatten etwa die Kinderprogramme «Pirando» (Radio) und «Tubii» (TV) je einen eigenen Online-Auftritt, künftig wird es einen «Kinderwelt»-Online-Auftritt geben. Die Zusammenlegung der Kräfte sieht Grond als einen der Vorteile des trimedialen Projekts – er räumt jedoch auch einen Nachteil ein: «Eine Zusammenlegung ist immer eine Kulturveränderung. Alles wird neu, das kann selbstverständlich Ängste auslösen. Wir arbeiten in Gesprächen intensiv daran, dass dieser Change gut verläuft und der Übergang vom Vektor-Denken zum Inhalts-Denken klappt. Das ist ein Prozess, der ja im gesamten Konzern geschieht.» n

    Aktuelles Heft

    Ausgabe: 4 | 2010 Die Themen:
    • Heller, der Heftlimacher
    • Service Zukunft mit SR DRS
    • Bilderstreit, nächste Runde