1. März 2010 von Klartext

«Die Leser haben uns zum Handeln gedrängt»

Bild: Dominique Meienberg

«K-Tipp»-Verleger René Schuhmacher macht erfolgreich Politik: Das Referendum gegen den Umwandlungssatz der Pensionskassen lancierte der Jurist und Journalist zusammen mit seinen Konsumentenzeitschriften.

KLARTEXT: Mit Ihren Konsumentenzeitschriften «K-Tipp», «Saldo», «Gesundheitstipp» und weiteren sind Sie mehrfacher Lesermillionär, Sie verwalten ein kleines Verlagsimperium – dennoch kennt man Sie kaum. Woher diese Zurückhaltung?
René Schuhmacher: Ich dränge mich nicht in die Öffentlichkeit. Ich fühle mich in diesem Sitzungszimmer wohler als auf einem Podium. Der Verleger interessiert die Leser nicht. Die Leute interessieren sich für das, was in der Zeitung steht.

KT: Zurzeit ist Ihr Name präsenter als auch schon, weil Sie das Referendum gegen den Umwandlungssatz bei den Pensionskassen mit lanciert haben, über das am 7. März abgestimmt wird. Weshalb suchten Sie hier die Öffentlichkeit?
Schuhmacher: Wir entschieden im Dezember 2008, das Referendum zu ergreifen, nachdem das Parlament die Rentenkürzung definitiv beschlossen hatte. Es waren die Leser, die uns zum Handeln gedrängt haben. Sie haben gesagt: «Ihr schreibt immer nur, macht doch endlich mal was.»

KT: Weshalb sind Sie ausgerechnet bei diesem Thema politisch aktiv geworden?
Schuhmacher:: Sozialversicherungen wie Versicherungen überhaupt gehören zu unserer Kernkompetenz. Unsere Konsumenteninfo AG hat 1992 den ersten Pensionskassenratgeber der Schweiz heraus­gegeben, geschrieben von Hans-Ulrich Stauffer, selbst Gründer und Verwalter einer Pensionskasse. Wir sind also überhaupt nicht pensionskassenfeindlich, wie uns jetzt zum Teil unterstellt wird in dieser Kampagne, die gegen uns läuft. Der Ratgeber wurde bis heute über 120’000-mal verkauft.

KT: Ist es Zufall, dass der Grossversand des «K-Tipp» ausgerechnet mit jener Ausgabe erfolgte, die das Abstimmungsdossier enthielt?
Schuhmacher:: Es war kein Zufall, wir erhöhen jedes Jahr im Januar die Auflage, um Neuleser zu finden.

KT: Ihre Leserschaft hat nun gesehen, dass sie ein Referendum zustande bringt. Folgt als Nächstes eine Initiative?
Schuhmacher:: Es ist nichts geplant, aber auch nichts ausgeschlossen. Theoretisch wäre es beispielsweise denkbar, die Zulässigkeit von Parallelimporten via Initiative einzufordern, wenn sie nicht schon vorher von den politischen Gremien in die Wege geleitet wird. Aber wir haben überhaupt keine Strategie, immer wieder aufs Neue politisch aktiv zu werden.

KT: Zu Ihrem politischen Engagement hielt Medienredaktor Rainer Stadler in der NZZ unlängst fest: «Am besten wäre es ohnehin, wenn gar keine Medien als Vehikel für politische Kampagnen verwendet würden. Solches zählt nicht zu ihren Aufgaben.» Weshalb sehen Sie das anders?
Schuhmacher:: Wir sind nicht die Ersten, die sich aktiv politisch einmischen. Ich denke etwa an die «Beobachter»-Initiative in den 1980er-Jahren. Sogar die politisch unverdächtige «Annabelle» forderte mit einer Petition, dass die Dienstwaffen nicht mehr zu Hause, sondern im Zeughaus aufbewahrt werden sollen. Daran hat niemand Anstoss genommen, auch die NZZ nicht. Bei der aktuellen Abstimmung um den Umwandlungssatz geht es aber um sehr viel Geld. Wohl deshalb wird so scharf auf uns geschossen.

KT: Noch schärfer geschossen wird aber auf den «Kassensturz» von SF wegen seiner Partnerschaft mit dem «K-Tipp».
Schuhmacher:: Diese Zusammenarbeit kann man durchaus thematisieren. Aber dann darf man die Medienpartnerschaften von SF mit Ringier, Tamedia, Axel Springer etc. nicht vergessen. Es ist eine berechtigte Frage, wie weit das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen solche Partnerschaften eingehen sollen. Was mich stört: Die Versicherungswirtschaft behauptet, SF sei wegen der Partnerschaft mit dem «K-Tipp» nicht mehr politisch neutral. Ich frage mich, ob das Fernsehen wirklich neutral ist, wenn ich vor jeder Abstimmung sehe, wie ein Bundesrat oder eine Bundesrätin mir sagt, wie ich abzustimmen habe.

KT: Die Versicherungslobby hat erreicht, dass SF-Direktor Ueli Haldimann sein Mandat als Verwaltungsrat Ihrer Konsumenteninfo AG niederlegte, das er aufgrund der Kooperation von «Kassensturz» mit dem «K-Tipp» bekleidete.
Schuhmacher:: Das ist sicherlich ein Verlust für uns. Ueli Haldimann ist ein hervorragender Journalist mit viel Print-Erfahrung, und dieses Wissen hat er im Verwaltungsrat eingebracht. Dass Haldimann zu Unrecht ins Visier geraten würde, war für uns nicht voraussehbar. Die Hintergründe werden immer klarer: Jetzt will ja die Versicherungswirtschaft den Elvia-Chef als Kandidaten um die Nachfolge von SRG-Generaldirektor Armin Walpen ins Rennen schicken. Offenbar wollen die das Schweizer Fernsehen bei dieser Gelegenheit gleich übernehmen …

KT: SF hat auch bekannt gegeben, die Koopera­tion zwischen «K-Tipp» und «Kassensturz» zu überprüfen. Worum geht es?
Schuhmacher:: Gespräche führen wir immer dann, wenn sich aus der Alltagsarbeit gewisse Fragen ergeben. Bei den aktuellen Gesprächen geht es um die Gestaltung der beiden Seiten im «K-Tipp», für die der «Kassensturz» die redaktionelle Verantwortung trägt. Zudem reden wir über finanzielle Fragen.

KT: Was bringt die Partnerschaft mit dem «Kassensturz»?
Schuhmacher:: Für die Leser und Zuschauer bringt es mehr Kompetenz in Konsumentenfragen, weil zwei erfahrene Redaktionen zusammenarbeiten. Fernsehen und Print haben unterschiedliche Stärken. Der «Kassensturz» polarisiert stärker als der «K-Tipp». Das liegt an der Wirkung der Fernsehbilder, die stärker emotionalisieren als eine Zeitschrift, die so trocken daherkommt wie der «K-Tipp». Was die Zusammenarbeit den Partnern wirtschaftlich bringt, ist schwer zu sagen.

KT: Die Auflagen Ihrer Zeitschriften sind in den letzten Jahren mehrheitlich geschrumpft.
Schuhmacher:: Das stimmt nicht ganz. Die Auflage von «K-Geld» ist bis heute stets leicht gestiegen, im letzten Jahr auch die Auflage des «K-Tipp». Aber es ist viel schwieriger als in den Neunzigerjahren, die Auflage zu erhöhen, da die Neuabos viel teurer geworden sind. Für uns als Kleinverlag ist klar, dass wir in erster Linie die Finanzen im Lot halten müssen. Auch wenn wir den Ehrgeiz, möglichst hohe Auflagen zu erreichen, nicht mehr befriedigen können. Wichtiger ist uns als Non-Profit-Unternehmen der Service public: kompetente Information zu tiefen Preisen. Der «K-Tipp» soll so günstig sein, dass ihn jeder Haushalt in der Schweiz bezahlen kann.

KT: Ist jede Ihrer Zeitschriften selbsttragend oder subventionieren die grossen Titel die kleinen?
Schuhmacher:: Grundsätzlich erscheint jeder unserer Titel so lange, wie die Leser dafür bezahlen. Wir verzichten auf Quersubventionierung. Unsere Zeitschriften sind zu 92 Prozent von den Abonnenten bezahlt, «Saldo» sogar zu 100 Prozent. Ursprünglich habe ich für jeden Titel eine eigene AG gegründet: die Konsumenteninfo AG für den «K-Tipp», Pulsmedia für den «Puls-Tipp» und so weiter. Heute sind aus administrativen Gründen alle Titel in der Konsumenteninfo AG zusammengefasst. Ab und zu kommt es vorübergehend zu einer Querfinanzierung, aktuell etwa beim neu lancierten «Kulturtipp», der in diesem Jahr wohl noch rote Zahlen schreiben wird. Das «Radiomagazin», Vorgänger des «Kulturtipp», hätte eingestellt werden müssen, wenn man weitergemacht hätte wie bisher. Die Leserschaft schrumpfte von Jahr zu Jahr.

KT: Im «K-Tipp» finden sich Inserate, in «Saldo» nicht. Weshalb?
Schuhmacher:: Dass wir im «K-Tipp» Inserate haben, hat mit den Produktetests zu tun. Ganz am Anfang hatten wir keine Tests im Blatt. Nach zwei Jahren begannen wir damit, hatten aber kein Geld dafür. So haben wir entschieden, die Tests mit Anzeigen in beschränktem Mass, nämlich bis maximal einem Viertel des Heftumfangs, zu finanzieren. So bezahlen die Hersteller und Importeure die Tests, und nicht die Abonnenten.

KT: Kann im «K-Tipp» inserieren, wer will?
Schuhmacher:: Es gibt eine Liste von Bedingungen, die ein Inserat erfüllen muss, damit es bei uns veröffentlicht wird. Es kommt keine irreführende Werbung ins Blatt, keine Werbung, welche die Unwissenheit oder Unerfahrenheit der Leute ausnützt. Ausserdem legen wir bei der Gestaltung Wert darauf, dass Anzeigen und Redaktionelles klar auseinan­dergehalten wird. Wir werden auch die Titelseite nie mit Werbung ummanteln. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, wenn die Verleger dem Druck der Werbewirtschaft immer stärker nachgeben und die Leser für dumm verkaufen. Die Vermischung von Werbung und redaktionellen Inhalten in den Zeitungen und Zeitschriften war noch nie so gross wie heute.

KT: Mit diesen restriktiven Bedingungen dürfen Sie wohl nicht mit allzu vielen Inserenten rechnen?
Schuhmacher:: Das ist so. Der Werbemarkt ist mir teilweise ohnehin ein Rätsel. Mir scheint, er agiert nicht sehr rational. Auflagezahlen oder das Preis-Leistungs-Verhältnis scheinen keine dominante Rolle zu spielen: Der «K-Tipp» hat die grösste Auflage der abonnierten Zeitschriften und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn man die Tausend-Leser-Zahlen anschaut. Wenn es nach Preis und Leistung ginge, müsste der «K-Tipp» für die Werber begehrter sein. Aber Anzeigen sind offenbar mindestens zum Teil auch eine Belohnung für unkritische Berichterstattung. In diesem Jahr werden wir möglicherweise weniger Anzeigen von Versicherungen erhalten.

KT: «K-Tipp» und «Saldo» haben zwar eigene Entstehungsgeschichten, decken aber die gleichen Themen ab. Warum legen Sie sie nicht zusammen?
Schuhmacher:: Mit den beiden Zeitschriften sprechen wir ein unterschiedliches Publikum an. Der «K-Tipp» als grösste Publikumszeitschrift spricht alle Kreise an, «Saldo» hat eine deutlich kleinere Leserschaft mit überdurchschnittlicher Ausbildung, die überdurchschnittlich gut verdient. Es sind vor allem Ein- und Zweipersonenhaushalte in der Stadt und der Agglomeration, wenig Familien.

KT: Der neue «Kulturtipp» unterscheidet sich kaum vom alten «Radiomagazin», ausser dass er mehr Seiten hat. Weshalb waren Sie so zurückhaltend?
Schuhmacher:: Das hat zum Teil finanzielle Gründe. Wir sprechen hier von einem Budget von 1,5 Millionen Franken im Jahr – bei 26 Ausgaben. Das lässt keine grossen Sprünge zu. Ausserdem machten wir gute Erfahrungen mit langsamen redaktionellen Weiterentwicklungen.

KT: Sie sind neu als publizistischer Leiter im Impressum des «Kulturtipp». Werden Sie inhaltliche Akzente setzen?
Schuhmacher:: Ich werde wie bei den anderen Publikationen inhaltlich beraten. Ich bin ziemlich kultur­interessiert. Und die Redaktion ist derart klein, dass man auf jeden einzelnen Mitdenker angewiesen ist. Es ist sicher eine schwierige, herausfordernde Aufgabe, neue Leser zu finden. Aber wir sind zuversichtlich: Da die Kulturberichterstattung in den Tageszeitungen abgebaut wurde, können wir vielleicht hier eine Lücke füllen.

KT: Man hört immer wieder aus Ihren Redaktionen: Der Schuhmacher ist überall dabei, quasi als Super-Chefredaktor. Wie sehen Sie sich?
Schuhmacher: Ich bin nur Hobby-Journalist und Hobby-Verleger. Meine Biografie klärt einiges: Nach dem Jusstudium habe ich mein journalistisches Rüstzeug bei der «Tat» geholt, im Leserdienst und mit Wirtschaftsthemen, dann war ich bei «Tagi Persönlich», dem Leserdienst des «Tages-Anzeigers». Als die Routine zu gross wurde, gründete ich mit meinem damaligen Tagi-Kollegen Hanspeter Thür ein Anwaltsbüro. Aber eigentlich habe ich bis heute noch nicht wirklich entschieden, ob ich lieber Journalist oder Anwalt sein will. Zwei Herzen sind in meiner Brust oder mindestens zwei Herzkammern (lacht). Die Kombination beider Berufe hat auch Vorteile: Als Anwalt kann man höchstens im Einzelfall etwas bewirken. Die Wirkung der Leserberatung im «K-Tipp» hingegen geht in die Breite. Ich lerne noch immer jeden Tag dazu. Und solange das so ist, macht mir der Job Spass. Der Tag hat 24 Stunden, das ist mein grösstes Problem. Aber ich habe mich damit abgefunden (lacht) und mache ausreichend Ferien. Im Ernst: Meine Präsenz auf den Redaktionen ist nicht so gross, wie Sie in der Frage angetönt haben.

KT: Handeln Sie mit Ihrem Verlag und den Publikationen vor einem ideologischen Hintergrund?
Schuhmacher:: Ich glaube nicht, dass es mit Ideologie zu tun hat. Ich habe seit 1978 Fragen aus dem Leserkreis beantwortet, dann habe ich Ratgeber geschrieben und war Anwalt. Konsumentenverträge und Arbeitsverträge sind mein juristisches Hauptgebiet. Ich sehe, wo die Leute der Schuh drückt. Die Pensionskasse ist ein typisches Beispiel. Man kann sagen, wir seien auf dem Helfertrip. Ich sage: Unser Job ist die Beratung, und wir versuchen den Leuten, die sich nicht selbst gegen wirtschaftlich Stärkere wehren können, Tipps zu geben.

KT: Wegen der Berichterstattung vor allem im «K-Tipp» gab es ja einige Prozesse. Das kostet, selbst wenn man Recht erhält.
Schuhmacher:: Wir hatten das ganz grosse Glück, dass wir seit 1991, also seit der Gründung des «K-Tipp», noch nie Schadenersatz oder Genugtuungen bezahlen mussten. Vielleicht ist es aber nicht nur Glück, sondern hat auch etwas mit Sorgfalt zu tun. Ich lese die Zeitschriften, bevor sie in Druck gehen.

KT: Alles?
Schuhmacher:: Weitgehend alles. Das spart uns pro Jahr vielleicht 500’000 Franken Anwaltskosten. Denn das Gebiet, auf dem wir publizieren, ist sehr «schadensgeneigt», wie die Juristen sagen. Wenn wir über ein Unternehmen, eine Dienstleistung oder eine Ware etwas Unrichtiges verbreiten, kann der materielle Schaden sehr gross sein. Dessen sind wir uns bewusst. Wir müssen deshalb journalistisch sehr genau arbeiten, und das gelingt uns offenbar. So wurde noch jede Klage gegen einen Test abgewiesen.

KT: Wenn Unternehmen erfahren, dass im «K-Tipp» über sie berichtet wird, melden sich dann deren Anwälte bei Ihnen?
Schuhmacher:: Wir haben häufig Anwaltskontakte, pro Jahr etwa in rund 40 Fällen. Zum Beispiel bei Tests, denn die Hersteller erhalten die Ergebnisse vor der Veröffentlichung. Wenn sie sehen, dass sie nicht so gut dastehen, sind einige wenige versucht, die Veröffentlichung zu unterbinden. Meistens sind es aber Gegendarstellungs- oder Schadenersatzbegehren, die nicht erfolgreich sein können, weil die gesetzlichen Voraussetzungen dafür fehlen. Bei unseren Redaktorinnen und Redaktoren ist das Sensorium in Sachen Persönlichkeitsverletzung und unlauterer Wettbewerb gut entwickelt.

KT: Machen Online-Angebote im Bereich Konsumenteninfo und -beratung Ihren Zeitschriften das Leben schwer?
Schuhmacher:: Bis jetzt glücklicherweise noch nicht. Aber sie machen es auch nicht leichter. Auch wir verbessern unseren Service online laufend, aber er läuft insgesamt noch auf kleiner Flamme. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir unsere Leser übers Netz erreichen könnten und sie bereit wären, dafür zu bezahlen. In unserem jetzigen Budget machen Vertriebsgebühren etwa einen Drittel aus, dazu kommt ein weiteres Drittel für Druck und Papier. Wenn wir über Internet liefern könnten, könnten wir die Leute billiger bedienen. Aber sie müssten eben bereit sein zu bezahlen, und das ist heute noch ein Problem.

KT: Wie sehen Sie Ihre eigene Zukunft: Gibt es den Verlag so lange, wie Sie hier arbeiten?
Schuhmacher:: Ich glaube nicht, dass der Verlag von meiner Person abhängig ist. Wir haben viele gute Leute in unserem Betrieb, darunter langjährige Mitarbeiter. Ich bin nur Teilzeit-Verleger und Teilzeit-Journalist, deshalb glaube ich, dass ich sogar vom Tram überfahren werden könnte, ohne dass der Verlag zusammenbricht. Die Leser sind treu, die Mitarbeiter kompetent, wir sind gut organisiert. Aber wir haben das Problem eines jeden KMU, dass die Nachfolge der Gründergeneration rechtzeitig geplant werden muss. Dessen sind wir uns bewusst.

KT: Sie haben sicher einen Ratgeber dazu.
Schuhmacher:: (lacht) In unserem KMU-Ratgeber gibt es ein Kapitel zum Thema, wie man die Nachfolge richtig organisiert. Es ist eine gute Idee, das Kapitel wieder einmal zu lesen.

Das Gespräch führten Bettina Büsser und Nick Lüthi am 25. Januar in Zürich.

Das Zeitschriftenimperium des René Schuhmacher

bbü./ René Schuhmacher, 56, ist Verwaltungsratspräsident der Konsumenteninfo AG. Nach dem Ausscheiden von SF-Direktor Ueli Haldimann­ gehören dem Verwaltungsrat noch Hans-Ulrich Stauffer, Anwalt und Pen­sionskassen-Spezialist, Matteo Cheda, Herausgeber der Tessiner KonsumentInnenzeitschriften «Spendere Meglio», «L’Inchiesta» und «Scelgo Io», sowie Yvonne Keller, Finanzchefin und Verlagsleiterin, an.
Nach einem Jusstudium arbeitete Schuhmacher bei «Tat» und «Tages-Anzeiger» in der LeserInnenberatung. Danach gründete er eine Anwaltskanzlei und wurde Herausgeber. Heute gehören zur Konsumenteninfo AG die Zeitschriften «K-Tipp», «Saldo», «K-Geld», «Gesundheitstipp» (früher «Puls-Tipp»), «Haus&Garten», «Kulturtipp» (früher «Radiomagazin»), «Plädoyer», «Bon à savoir» und «Tout compte fait». Den Grundstein zu seinem Verlag legte Schuhmacher 1991 mit dem «K-Tipp», 1994 kam der «Puls-Tipp» dazu. Die Zeitschriften arbeiteten mit den Sendungen «Kassensturz» respektive «Puls» des Schweizer Fernsehens zusammen. 1996 stiegen Urs P. Gasche und Hans Räz beim «Kassensturz» aus und wurden Schuhmachers Partner. 1999 kam es zum Streit; Schumacher blieb zwar Aktionär, gründete aber «Saldo» als Konkurrenz zum «K-Tipp». Später näherte man sich wieder an; mittlerweile sind Räz und Gasche bei der Konsumenteninfo AG ausgestiegen.

4. Januar 2010 von Klartext

Noch mehr Boulevard, noch mehr Unterhaltung

Bild: Iris Stutz

Das Unternehmen als Spiegelbild seiner Person: Marc Walder trimmt Ringier Schweiz fit und schlank; bei der «Blick»-Gruppe muss noch Fett weg, für Radio Energy musste man eine schmerzliche Extrarunde drehen.

KLARTEXT: Sie sind als Extennisprofi ein Medien-Quereinsteiger, waren zuerst «Blick»-Journalist, später Chefredaktor von «Schweizer Illustrierte» und «SonntagsBlick», haben dann einen gewaltigen Karrieresprung gemacht und sind seit eineinhalb Jahren Chef von Ringier Schweiz. Ging Ihnen­ das nicht alles zu schnell?
Marc Walder: Schnell, ja. Zu schnell? Nein. Als ich zu Ringier kam, hatte ich zwar eine Tenniskarriere hinter mir und im Fernstudium eine Wirtschaftsmatura nachgeholt, wusste aber nicht, wie ein Medienhaus funktioniert. Der grosse Vorteil für meine aktuelle Funktion ist es, dass ich Ringier von ganz unten her kennen gelernt habe. Ich kenne quasi jede Schraube im Ringier-Getriebe.

KT: Wie haben Sie sich das Fachwissen angeeignet, um 3500 Angestellte zu führen?
Walder: On the job, effektiv. Und im Frühjahr 2008 war ich drei Monate in Harvard. Dort habe ich vor allem finanztechnische Dinge erlernt und vertieft, Bilanzen lesen, Businesspläne und Bewertungen erstellen. In meinem Studiengang waren Unternehmer aus der ganzen Welt, die alle über Budgets von über 500 Millionen Dollar verfügen. In diesem Umfeld lernt man vor allem eines: unternehmerisch denken.

KT: Was haben Sie bei Ringier Schweiz angetroffen, als Sie das Zepter von Daniel Pillard übernahmen, der interimistisch anstelle des rausgeworfenen Thomas Landolt eingesprungen war?
Walder: (schweigt).

KT: Eine Andeutung wenigstens?
Walder: Es war sofort klar, dass sich die Medienwelt dramatisch schnell verändert. Also war ebenso klar, dass eine Strategie entwickelt werden musste, die das berücksichtigt. Wir analysierten unser Portfolio und fragten uns: Wo bleiben wir in welcher Form mit welchen Zielen drin? Wo gehen wir raus? Und was machen wir anders und vor allem besser? Bei «Cash» und «Gesundheit Sprechstunde» gingen wir raus. Bei der «Blick»-Gruppe können wir noch einiges besser machen, ebenso in der Romandie und bei der Verknüpfung unserer verschiedenen Unternehmensteile. Ringier Schweiz ist vielseitiger aufgestellt als fast jedes andere Medienhaus. Das ist Chance und He­rausforderung zugleich.

KT: Wie sieht die neue Ringier-Strategie aus?
Walder: Wir haben das Unternehmen auf drei Säulen gestellt. Erstens das klassische Mediengeschäft mit den Zeitungen, Zeitschriften, Content-Portalen im Internet und den Druckereien. Die zweite Säule ist das transaktionsbasierte Internet. Überall, wo eine Transaktion stattfindet, sind wir interessiert. Das kann ­E-Commerce sein, aber auch Rubrikenmärkte wie Scout 24. Die dritte Säule ist jene, worüber zurzeit viel und gerne geredet wird – und ich halte sie für enorm spannend: das Entertainment. Dort sind unsere TV- und Radioaktivitäten gebündelt, Good News, alle Events, das Rose-d’Or-Festival beispielsweise. Und vielleicht bald Ticketing, das mich sehr interessiert.

KT: Die Struktur- und Wirtschaftskrise macht auch vor Ringier nicht halt. Wie sieht Ihre Sparbilanz aus?
Walder: Wir haben 2009 in der Schweiz rund 50 Millionen Franken an Kosten eingespart. Interessanterweise lief das bei uns vergleichsweise ruhig, anders als etwa bei Tamedia. Wir haben versucht, überall dort Fett wegzuschneiden, wo es nicht an die Sub­stanz geht und somit am wenigsten wehtut. Wir sind schnell schlank und fit geworden. Das muss so sein, denn 2010 kommt noch einmal ein brutal schwieriges Jahr auf uns zu.

KT: Nun schlug ja die Ringier-Personalkommission vor, dass die Angestellten auf einen Teil des Lohns verzichten und diesen Betrag dem Unternehmen als Darlehen zur Verfügung stellen, um damit übermässiges Sparen zu verhindern. Sie sind nicht darauf eingegangen. Weshalb?
Walder: Grundsätzlich finde ich es hervorragend, wenn uns die Personalkommission kreative Modelle vorschlägt, wie die Mitarbeiter dem Unternehmen in einer schwierigen Situation unter die Arme greifen können. Aber unser Haus ist solide finanziert und steuert sicher durch die Krise. Zudem hielten wir den Vorschlag nicht für umsetzbar.

KT: Honorieren Sie das Mitdenken des Personals?
Walder: Wenn es ein Unternehmen schafft, 50 Millionen Franken zu sparen, ohne dass die Personalkommission aufjault, dann hat man einiges richtig gemacht. Es gab intensive Diskussionen mit der Personalvertretung. Ich bin bekannt als jemand, der sehr transparent informiert. Das tat ich auch an gemeinsamen Workshops mit der Personalkommission. Daraus entstanden kreative Vorschläge.

KT: Die grösste Baustelle von Ringier Schweiz ist derzeit die «Blick»-Gruppe. Die vier bisher getrennten Redaktionen arbeiten ab Frühjahr 2010 gemeinsam in einem Newsroom. Sie tragen dafür die Projektverantwortung. Wo steht das Projekt?
Walder: Am 1. Dezember haben wir die neuen Ressortleiter bestimmt. Das werden ganz zentrale Führungskräfte sein. Ab sofort werden wir die Arbeitsabläufe definieren und ab 1. März werden wir von dort heraus die jährlich 20’000 Zeitungsseiten der «Blick»-Gruppe produzieren.

KT: Seit ein paar Jahren gilt der Newsroom als Wundermittel gegen die Zeitungskrise. Weshalb glauben Sie, dass er auch die «Blick»-Gruppe wieder auf Kurs bringen könnte?
Walder: Heute sind die Wege viel zu lang zwischen den vier Titeln der «Blick»-Gruppe, die Koordination findet nicht statt, was durchaus auch Vorteile mit sich bringt, denn so sind die einzelnen Titel harte Konkurrenten, und das sollen sie ja auch bleiben. Aber es bringt eben auch Nachteile. Wenn Sie innerhalb der gleichen Marke kaum miteinander reden und es wenige Formen der Koordination und gegenseitigen Inspiration gibt, dann ist das, sagen wir, suboptimal.

KT: Die «Bild»-Zeitung in Deutschland, der es wirtschaftlich ausgezeichnet geht und die Sie ein paar Mal als Vorbild erwähnt haben, sieht keine Notwendigkeit für einen Newsroom. Weshalb machen Sie das Gegenteil von «Bild»?
Walder: Ich kenne «Bild» sehr gut, weil ich oft bei Springer in Berlin bin. Es stimmt, die haben keinen­ klassischen Newsroom. Aber in den Grossraumbüros arbeiten die jeweiligen Ressorts von Online- und Print-Journalisten direkt nebeneinander, quasi Hand in Hand. Es ist letztlich eine Definitionsfrage, ab wann man von einem Newsroom sprechen kann. Aber «Bild» hat nicht das Modell, wie wir es nun ­bauen.

KT: Wie gross ist das Sparpotenzial beim «Blick»-Newsroom?
Walder: Das eruieren wir gerade. Im Februar können wir mehr dazu sagen. In erster Linie geben wir zuerst einmal sehr viel Geld aus. Der Newsroom ist eine Investition in die Zukunft der Marke «Blick», also kein Sparprojekt.

KT: Wie viel Personal werden Sie mit der Einführung des Newsrooms abbauen?
Walder: Es werden Leute ihren Job verlieren, das ist so. Das ist die offene und ehrliche Antwort. Aber für die meisten Mitarbeiter gibt es eine neue Herausforderung, die bereichernd sein wird für ihren Job. Das Bild des Journalisten wird sich verändern und weiterentwickeln, es wird herausfordernder sein, aber auch spannender. Heute riskiert ein Wirtschaftsjournalist vom «SonntagsBlick», dass er am Samstagabend mit 70 geschriebenen Zeilen als Wochenwerk heimgeht. Das ist frustrierend für einen ehrgeizigen Journalisten. Mit dem Newsroom hat er die Möglichkeit, unter der Woche jeden Tag zu publizieren auf allen möglichen Kanälen.

KT: Wieso hat der «Blick» auch nach erfolgter Neugestaltung weiterhin keinen Chefredaktor?
Walder: Weil ich mir mit diesem Entscheid wirklich Zeit lassen will, ebenso bei der Besetzung des Postens eines Sportchefs. Vor diesen Entscheiden habe ich auch Respekt. Es eilt aber auch deshalb nicht, weil wir zurzeit einen sehr guten «Blick» haben. Das Team leistet hervorragende Arbeit, was sich auch in den Verkaufszahlen am Kiosk niederschlägt, auch wenn die «SonntagsZeitung» etwas anderes behauptet. Es geht aufwärts. Das können Sie drehen und wenden, wie Sie wollen.

KT: Eigentlich spräche nichts gegen «Blick»-Interimschef Ralph Grosse-Bley als neuen Chefredaktor – ausser dem Makel des Borer-Skandals, der weiter an ihm haftet. Wird er deshalb das a.i. hinter seinem Titel nicht los?
Walder: Quatsch! Grosse-Bley war nicht verantwortlich für die Borer-Geschichte. Das wissen Sie genauso gut wie ich. Er war einfach einer der Journalisten, der an diesem Samstag auf der Redaktion war in seiner damaligen Funktion als Textchef.

KT: Aber mit dem Namen Grosse-Bley verbindet man den Borer-Skandal.
Walder: Das ist richtig und zum Teil ja auch nachvollziehbar. Aber es ist einfach falsch zu sagen, er sei verantwortlich gewesen. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Für mich ist das eh nicht relevant bei der Suche nach einem «Blick»-Chefredaktor.

KT: Auf jeden Fall ist die Handschrift von Grosse-Bley gut sichtbar im neuen «Blick». Was waren die Vorgaben für den Relaunch?
Walder: In einem Satz formuliert: Der «Blick» geht wieder zum Kern seiner Marke zurück. Guter, konsequenter Boulevard. Modern interpretiert. Nicht mehr, nicht weniger. Das machen wir. Und es gefällt den Lesern genauso wie dem Anzeigenmarkt. Politisch gesehen soll der «Blick» eine unabhängige Zeitung sein, die jedes Thema analysiert und dazu Stellung nimmt. Ob auf der FDP-Linie, auf der SP-Linie oder sogar auf der SVP-Linie ist von Fall zu Fall zu bestimmen. Das haben wir zuvor bereits mit dem «SonntagsBlick» so gemacht.

KT: Boulevard auf Papier steht in harter Konkurrenz zu «Busen, Blut und Blech» im Internet. Stirbt die Publikumsschicht nicht langsam aus, die der gedruckte «Blick» bedient?
Walder: Das befürchte ich ganz und gar nicht. Das Echo ist wunderbar. Frauen, Männer, Junge, Alte, Urbane oder Ländliche, Spitzenmanager, Sportler, Arbeiter – querbeet durch alle Schichten sagen die Leute: Cool, uns gefällt der «Blick», wir lesen ihn wieder gerne.

KT: Gefällt der neue «Blick» auch mit einem blutig geschlagenen Rentnerkopf auf der Titelseite?
Walder: Das ist ein gutes Beispiel, um sich zu fragen, wie weit Boulevard gehen darf. Die betroffene Person sagte, ich will, dass alle sehen, wie übel ich zugerichtet worden bin. Denn das ist Teil der Realität in diesem Land. Hier war die Zustimmung des Opfers das Statement dieser Geschichte. Deshalb: absolut o.k.

KT: In der «Weltwoche» sagten Sie unlängst, im Internet fänden sich keine meinungsbildenden Inhalte. blick.ch bestätigt Ihren Eindruck immer wieder aufs Neue.
Walder: Der Auftrag an blick.ch ist, sehr schnell zu informieren, aber auch zu unterhalten. Beides ist im Internet nahe beieinander und blick.ch erfüllt beide Aufgaben derzeit sehr gut. Internet muss nicht alles können. Wenn ich beispielsweise den «Klartext» durchblättere, bleibe ich an bestimmten Dingen hängen, weil ich ein aufgrund von Know-how und Recherche der Redaktion zusammengestelltes, spannendes Menu vorgesetzt bekomme. Im Print bekommt man Dinge geboten, die man gar nicht gesucht hat. Wunderbar!

KT: Das ist doch auch im Internet so. Auf blick.ch finden wir laufend Dinge, die wir gar nicht suchen, Bilder von verrutschten Promi-Büstenhaltern etwa.
Walder: Jetzt banalisieren Sie meinen Gedanken. Die journalistische Leistung innerhalb eines Titels ist etwas ganz anderes, als wenn man sich im Internet vom einen zum anderen durchklickt. Internet ist nicht der Tod von Print, Internet ist einfach eine neue Disziplin.

KT: Verdienen Sie Geld im Internet?
Walder: blick.ch zum Beispiel ist in den schwarzen Zahlen. Die Schwierigkeit liegt darin, eine saubere Vollkostenrechnung zu erstellen, also eine Evaluation, welche Kosten wem zugeteilt werden. Mit dem Newsroom wird das nicht mehr möglich sein. Doch blick.ch macht uns derzeit grosse Freude, auf dem Nutzermarkt wie auch auf dem Werbemarkt. Wir sind überzeugt, dass die Marke «Blick» fürs Internet geradezu prädestiniert ist.

KT: Klopft man Ringier nach Innovationen ab, findet man nur Stars, People, Style und Beauty – zum Beispiel «Schweizer Illustrierte Style».
Walder: Ich begreife, dass Ihnen «SI Style» nicht gefällt, aber Sie befinden sich auch nicht in der Mitte des Zielpublikums dieser Innovation (lacht). Es mag in Ihren Ohren hart tönen, aber «SI Style» ist die erfolgreichste Neulancierung seit der «NZZ am Sonntag». Ansonsten erfindet sich Ringier Schweiz gerade neu. Von Innovationsmangel keine Spur.

KT: Wenig Innovationsgeist zeigt Ringier beim Radio. Um den Status quo von Radio Energy auf UKW zu zementieren, haben Sie für mehrere Millionen Franken eine Konzession gekauft. Wie teuer war sie genau?
Walder: (schmunzelt) Ich habe keine Ahnung.

KT: Sie sagten, Ringier habe etwas aufgeben müssen, um sich die Konzession kaufen zu können. Wer muss nun konkret bluten?
Walder: Ich meinte damit allgemein die katastrophale Situation für das Haus Ringier. Man stelle sich vor: Wir zahlen einen guten Preis für das Radio, und zwei Jahre später ist es nichts mehr wert und wir müssen erneut viel Geld ausgeben, um den Sender weiterhin betreiben zu können. Das ist betriebswirtschaftlich absoluter Nonsens.

KT: Die Branche hat sich vor zwei Jahren reihum gefragt, was um alles in der Welt Ringier mit einem Radiosender anfangen wolle.
Walder: Energy ist eine fantastische Marke und wir werden sie weit über Radio hinaus deklinieren. Energy Zürich ist zudem die wohl rentabelste Station im internationalen NRJ-Network.

KT: Wie gross schätzen Sie die Chance ein, dass Sie die Konzession nun tatsächlich erhalten?
Walder: Ich bin zuversichtlich. Ich rechne nicht damit, dass die Mitbewerber rekurrieren werden. Das frühere Management hat wohl Fehler gemacht, die bei einer Konzessionseingabe nicht hätten passieren dürfen. Problematisch war, dass bei der Konzessionierung die Versprechen auf Papier höher gewichtet wurden als der tägliche Leistungsausweis. Das habe ich stets kritisiert. Diesmal haben wir alles unternommen, um ein positives Urteil des Bakom/UVEK zu erhalten.

KT: Sie hätten auch ohne Konzession senden und dafür massiv in Digitalradio investieren können.
Walder: Wir haben uns überlegt, ob wir DAB-Empfänger subventionieren und massenweise unters Publi­kum bringen sollen. Das Problem ist halt, dass DAB immer noch weit hinter UKW herhinkt. Wenige Autos und wenige Haushalte haben DAB-Empfänger. Deshalb war es erfolgversprechender, um eine UKW-Konzession zu kämpfen.

KT: Sie haben nun zwar wieder eine Konzession für Radio Energy, aber das Sendegebiet ist kleiner als vorher. Schmerzt das stark?
Walder: Das ist ein Wermutstropfen, doch wichtig ist, dass Energy weitersenden kann. Für uns bleibt das Millionen-Zürich, ein sehr interessantes Sendegebiet, sowohl für den Hörer- als auch für den Werbemarkt.

KT: Bleibt neben Ihrem Managerjob noch Zeit für andere Beschäftigungen? Für die Familie?
Walder: Ich bin sehr glücklich verheiratet und wir habe eine 17 Monate alte Tochter. Ich habe an vielen Veranstaltungen präsent zu sein und mein Blackberry schläft nur, wenn ich schlafe … Als Journalistin hat meine Frau aber viel Verständnis. Ich pflege drei Dinge: den Job, täglich eine Stunde Fitness, Joggen, Velofahren oder Kraftraum – und natürlich unsere Familie. Für mehr bleibt keine Zeit.

KT: Auch nicht für Tennis?
Walder: Tennis spiele ich pro Jahr höchstens drei- bis viermal mit Michael Ringier. – Mir kommt grad Roger Schawinski in den Sinn. Der hat vor ein paar Jahren auf die Frage nach der Zeit für seine Familie zu mir gesagt: Es zählen nicht Stunden und Minuten, es zählt die Ausschliesslichkeit, mit der man eine Sache tut, die sogenannte Quality Time. Das hat mir Roger mit auf den Weg gegeben. Ganz gut.

KT: Die Relativität der Zeit hat aber Einstein entdeckt.
Walder: Ja, leider war das nicht Roger (lacht). Das wird ihn jetzt bestimmt wieder ärgern.

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