10. Juli 2007 von GastautorIn

Seelenlose Meldungen

Peter Gysling* über Schweizer Medien, die einmal aus der Perspektive der Opfer, einmal als unbeteiligte Beobachter berichten.

Vieles, so hörte ich in meiner Umgebung immer wieder, vieles sei seit den Katastrophen nicht mehr so wie früher. Viele verwiesen auf den 11. September, auf das blutige Attentat im Regierungsgebäude von Zug, zum Teil auch auf den Schock, den sie mit den betroffenen (ehemaligen) Swissair-Angestellten teilen. Den Krieg in Afghanistan sehen sie zwar in einem Zusammenhang mit den Ereignissen vom 11. September, doch die seit Wochen andauernden Bombardierungen sehen sie kaum als “Katastrophe”.
Die Attacke auf das New Yorker World Trade Center und gegen die Menschen, die sich in seinen Türmen aufhielten, erlebten wir live am Bildschirm. Zu Recht hat uns dieser Terror fassungslos gemacht und schockiert.
Danach begannen die USA ihren Kampf gegen die mutmasslichen Beherberger des geistigen (und vielleicht auch logistischen) Urhebers dieses Attentats. Um Osama Bin Laden zur Rechenschaft zu ziehen, liessen sie Flugzeugträger auffahren. US-Piloten flogen weit über 2000 Luftangriffe gegen mutmassliche Stützpunkte der Taliban, eine Vereinigung, die die USA vor noch nicht allzu langer Zeit unterstützt und denen sie damit zu ihrer Machtstellung in Afghanistan verholfen hatten. Bei den Luftangriffen sind immer wieder Menschen getötet oder verletzt worden. Tausende von Zivilisten sind in die Flucht getrieben, Tausende ihrer Habe und ihrer Lebensgrundlage beraubt worden. All dies konnten wir aus den Medien erfahren.

Als Zeitungsleser, als Konsument von Radio- und Fernsehsendungen stellte ich in den ersten Kriegswochen eine Diskrepanz fest zwischen der sogenannten News- und der Hintergrundberichterstattung. Solange kaum ein Journalist aus dem Kriegsgebiet berichten und Bilder übermitteln konnte, habe ich die Newsberichte auf den Frontseiten der Tagespresse sowie manchen Kurzbericht am Fernsehen oder in den Radionachrichten als allzu nüchtern empfunden. Nach meinem Empfinden ist uns hier die Kriegschronik zu oft ohne Einbettung, ohne Kommentierung vermittelt worden:
· “Auch in der vergangenen Nacht haben die Amerikaner heftige Angriffe auf vermutete Stellungen der Taliban geflogen”, hiess es etwa.
· Am 9.11.2001 konnte man im “Morgenjournal” von SR DRS miterleben, wie Präsident Bush den Amerikanern weismachte, das ganze Volk, alle Christen und alle Juden seien jetzt bedroht und müssten sich gegen den einen Feind rüsten … Die präsidiale Botschaft als quasi gottbestimmte Wahrheit!
· Schlicht und nüchtern in der Tonart auch der “Tages-Anzeiger” (8.11.2001): Die Operation “Enduring Freedom” habe einen Monat nach Beginn der Luftangriffe an Intensität zuelegt und die Vereinigten Staaten wollten die Zahl der Lufteinsätze jetzt verdoppeln.
· Über die brutalen “Gänseblümchenschneider”-Bomben BLU-82 hiess es im selben Blatt: “Die Bomben werden auf einer Palette aus dem Frachtraum (…) gestossen und gleiten an Fallschirmen zu Boden, wo eine Art Stachel sie auf unter einem Meter Höhe zur Explosion bringt.” Solche Sachlichkeit lässt kaum Emotionen aufkommen. Auch wenn schliesslich ein amerikanischer Militär mit den Worten zitiert wurde: “Sie (die Bomben) machen einen Riesenkrach, wenn sie losgehen, und sie dienen dazu, Leute zu töten.”
· Beinahe irreführend die ARD-Nachrichten vom 12.11. 2001 über den Kadavergehorsam, den Bundeskanzler Schröder unter dem Motto “uneingeschränkte Solidarität” in der rot-grünen Koalition einforderte: Der Kanzler werde hart kämpfen müssen, wenn er die USA mit Bundeswehrsoldaten “im Kampf gegen den Terrorismus” unterstützen wolle. Dies klang so, wie wenn Kritiker eines solchen Kriegseinsatzes grundsätzlich den Kampf gegen den Terror lähmen wollten.
Über die Terroranschläge vom 11. September wurde aus einer Art Opferrolle berichtet, der Krieg in Afghanistan in den ersten Wochen oft von einer eher unbeteiligten Beobachterwarte aus beschrieben. Wie hätten wir es empfunden, wenn uns über den Anschlag vom 11. September mit folgenden Worten berichtet worden wäre? “Unbekannte mutmassliche Gegner der USA haben zwei mit Menschen besetzte Flugkörper in ein grosses Bauwerk von Manhattan gleiten lassen, was dort – wegen des mitgeführten Treibstoffs – zu einem Brand und zu Explosionen führte, denen eine noch unbekannte Zahl von Menschen zum Opfer gefallen sind.” Mit dieser absurd versachlichten Formulierung möchte ich aufzeigen, dass die Nachrichtensprache nach dem 11. September durchaus anders, “betroffener” zu formulieren wusste.

Es gab aber auch viele positive Beispiele. Wer in den ersten Kriegswochen die gut dokumentierten Hintergrundseiten las, den zahlreichen Diskussionsrunden lauschte, einem Werner van Gent oder einem Max Schmid zuhörte, dem wurde deutlich, dass hier Journalisten berichteten, die selbst einmal – nicht nur virtuell – Zeugen von Katastrophen geworden waren und die deshalb aus einer inneren Erfahrung heraus analysieren konnten.
Nach einigen Wochen veränderte sich die Situation, Schreibstubenberichte wurden jetzt durch aussagestarke Bilder ergänzt und durch authentische Berichte vor Ort ersetzt. Doch damals, während der ersten Kriegswochen, hätte ich mir manchmal gewünscht, erfahrenere Journalisten könnten – wenigstens vorübergehend – den Dienst an den Newsdesks übernehmen und dabei mehr Hintergrundwissen in die nüchterne Berichterstattung einfliessen lassen.

* Peter Gysling ist Informationschef des Bundesamtes für Ausländerfragen. Während 20 Jahren arbeitete er als SRG-Radio- und Fernsehjournalist.

10. Juli 2007 von Helen Brügger

Macht der Fakten? Fakten der Macht!

Die Medien informieren zu wenig über die Problematik der entstehenden Anti-Terror-Front, meint der algerische Journalist Jugurtha Aït-Ahmed von Schweizer Radio International.

hb./ Zwar sei die Berichterstattung nach dem 11. September differenzierter gewesen, als jene über den Golfkrieg. Die Westschweizer Medien hätten sich jedoch zu wenig vor den Risiken “einer strategischen Manipulation” in Acht genommen, dies die Einschätzung von Jugurtha Aït-Ahmed. Der gebürtige Algerier arbeitet seit zwei Jahren als Journalist bei der französischsprachigen Redaktion von Swissinfo/Schweizer Radio International (www. swissinfo.org).
“Ich war beeindruckt von den Anstrengungen der Medien, nach dem 11. September einen Pluralismus der Informationen und Meinungen zum Ausdruck kommen zu lassen”, meint Aït-Ahmed. “Beim Golfkrieg war die Information ein Bestandteil der Kriegsführung, weil CNN das Informationsmonopol hielt. Im jetzigen Konflikt ist dieses Monopol durch das Auftreten des Senders al-Jazirah gebrochen worden.” Man könne über die journalistische Unabhängigkeit der Sendungen von al-Jazirah geteilter Meinung sein. Tatsache sei jedoch, dass die Berichterstattung des Senders zu einer Diversifizierung der Informationsquellen geführt habe. Für Aït-Ahmed hat aber auch das Attentat von Oklahoma City “zur Reifung der Berichterstattung” beigetragen. Bei diesem Attentat gingen die Medien vorschnell von islamistischen Tätern aus und mussten schliesslich feststellen, dass amerikanische Rechtsextremisten die Urheber waren. “Nach diesen Erfahrungen hat uns al-Jazirah bei aller gebotenen Vorsicht erlaubt, einen andern als den manichäistischen Blick der USA zur Kenntnis zu nehmen.”
Dennoch ist Aït-Ahmed beunruhigt und veranschaulicht seine Kritik am Beispiel der Berichterstattung über das Treffen zwischen dem algerischen und dem amerikanischen Präsidenten mit dem Ziel, Algerien in die US-Anti-Terror-Allianz einzubinden. “Der Aufbau der Antiterrorismusfront beinhaltet eine Gefahr. Staaten, die für ihre Verletzung der Menschenrechte bekannt sind, treten in eine Allianz mit den USA ein, ohne dass diese Zusammenarbeit mit Bedingungen zur Respektierung der Menschenrechte verbunden wäre. Für die Berichterstattung in den Medien hat es zur Folge, dass Menschenrechtsverletzungen kein Thema mehr sind.”

Den Begriff “Terrorismus” klären
Aït-Ahmed verurteilt die Attentate gegen die Twin Towers als Verbrechen gegen die Menschheit und bezeichnet den Kampf gegen den Terrorismus als legitim – “doch nicht bedingungslos und unter allen Umständen”. Der Kampf dürfe weder die Demokratie noch die persönlichen Grundrechte ausser Kraft setzen. Die Berichterstattung müsse sich darum bemühen, den Begriff “Terrorismus” zu klären, denn die Gefahr bestehe, dass er von Diktaturen instrumentalisiert werde. Dies bedeute die Missachtung der Ursachen von islamistischen oder anderen Extremismen, nämlich Armut, Unterdrückung und Ausweglosigkeit. Der algerische Journalist ist überzeugt: “Terrorismus wird von Diktaturen erzeugt, von Staaten, die ihren BürgerInnen alle Rechte versagen und alle Horizonte verschliessen.”
Erfahrungen mit manipulierten Bildern und anderen “primitiven Manipulationen” hätten in den letzten Jahren zu einer Sensibilisierung der JournalistInnen geführt, schätzt Aït-Ahmed. Sie nähmen sich jedoch zu wenig in Acht vor den Gefahren einer “strategischen Manipulation”, vor allem im Zusammenhang mit dem Aufbau der Anti-Terror-Allianz. Diese gestatte den USA, sich in weiteren geostrategischen Regionen der Welt festzusetzen. Die Annäherung zwischen Russland und USA beispielsweise sei eine der wichtigsten Gegebenheiten nach dem 11. September, sie werde die internationalen Beziehungen stark verändern. Dabei gehe die Frage unter, von welchem Terrorismus die Rede sei. “Wenn man vom Terrorismus kleiner Grüppchen spricht, verliert man schnell den Terrorismus gewisser Staaten aus den Augen – die Aktionen Russlands in Tschetschenien beispielsweise.” In der Hitze des Gefechts mit der Newsflut, argumentiert Aït-Ahmed, trügen die strategischen Manipulationen dazu bei, dass der Aufbau der Anti-Terror-Front weder infrage gestellt noch kritisch analysiert werde. “Muss man sie bedingungslos unterstützen? Müssen nicht auch ethische Bedingungen formuliert werden, bevor man sich in den Dienst dieser Front stellt?” Die Frage sei kaum aufgeworfen worden. So habe die öffentliche Meinung nicht zur Kenntnis nehmen können, “dass es sich um eine der wichtigsten Weichenstellungen für die Zukunft handelt”.

10. Juli 2007 von GastautorIn

Auf eigene Gefahr

Im Krieg sterben immer auch JournalistInnen. Sollen ReporterInnen sich also von gefährlichen Orten fernhalten? Eine Risikoabwägung von Werner van Gent.*

Sieben Kolleginnen und Kollegen hat der Krieg in Afghanistan nun schon in den Tod gerissen, einer der vielen grausamen Aspekte eines grausamen Krieges. Zuhause waren Medienschaffende und Publikum schockiert. Es gab empörte Kommentare. Gewiss zu Recht, nur hat niemand gewusst, an wen die Empörung genau zu adressieren sei. Nach 23 Jahren Krieg ist ein Mensch am Hindukusch nur gerade so viel wert wie die Kugel, die ihn niederstreckt.

Bei vielen Kolleginnen und Kollegen hat der Tod der sieben zudem die beklemmende Frage hinterlassen, ob und wie eine solche Katastrophe hätte vermieden werden können. Die Antwort ist – man darf sich da nichts vormachen – ziemlich einfach: Eine sichere Kriegsberichterstattung gibt es nicht und es kann jeden treffen, zu jeder Zeit. “Ja schon”, sagen die einen, die klüger sein wollen als der Rest, aber die KollegInnen im Norden seien auf einem Panzer der Nordallianz mitgefahren, der dann unter Beschuss gekommen sei. Ihr Fazit: Fahre nie mit irgendeiner Partei mit. Das stimmt im Allgemeinen; die vier KollegInnen im Süden fuhren aber ohne militärische Begleitung nach Kabul und gerieten prompt in einen Hinterhalt. Genau genommen ist die einzige sichere Methode der Kriegsberichterstattung demnach, gar nicht erst hinzufahren. Die Diskussionen verlaufen sich an diesem Punkt meist, man widmet sich wieder den gerade anstehenden Aufgaben, ohne dass die beklemmende Frage aber weg ist, wer wohl der nächste sein werde.

Das ist die eine Seite der Misere der Kriegsberichterstattung. Es gibt noch eine andere, und die ist nicht weniger desolat. Dabei geht es um das Inhaltliche. Wie kann man über einen Krieg berichten, ohne gleichzeitig Partei zu sein? Einige der Frontberichterstatter der BBC, eines Senders, der ansonsten immer sehr bemüht ist, sich gegenüber der amerikanischen Konkurrenz zu profilieren, haben beim jüngsten Krieg gezeigt, wie schnell man zum Sprachrohr einer wild gewordenen Kriegsmaschinerie werden kann. “Das nennen die Militärs den Feind weich klopfen”, sagte einer von ihnen genüsslich, als sich ein Bergkamm, angeblich eine Stellung der Taliban, wie von einer gigantischen Maschinengewehrsalve getroffen in eine ebenso gigantische Staubwolke verwandelte. “Denen dort drüben geht es nun bestimmt nicht sehr gut”, lautete die Fortsetzung des Kommentars. So kann man natürlich auch berichten: Die Guten und Bösen sind klar ausgemacht, den Bösen geht es jetzt an den Kragen. Fertig, Krieg ist Krieg. Zum Glück hat derselbe Sender gleichzeitig noch so viele hochkompetente Leute an Bord, dass die Peinlichkeiten des Frontberichterstatters ausgeglichen werden.

Interessanterweise stehen Personen mit einem differenzierten Blick auf das Geschehen oft an Orten, wo der Krieg direkt gar nicht sichtbar ist. Muss man also, um verantwortungsvoll über einen Krieg zu berichten, weitab vom Schuss sein? Auch da gibt es leider keine fertige Antwort. Im Jugoslawienkrieg zum Beispiel waren oft gerade jene, die den Krieg und seine Grausamkeit nie aus der Nähe erlebt hatten, die miserabelsten Kriegstreiber. Weder die Nähe noch die Ferne zum Geschehen garantieren eine halbwegs brauchbare Berichterstattung. Ist die Forderung nach einer “guten” Kriegsberichterstattung also genauso unrealistisch, wie die nach einer “sicheren”?

Tatsache ist, dass mit dem Satz “Krieg ist eben Krieg” oftmals Ungeheuerliches weggesteckt wird, auch Defizite bei der Berichterstattung, die man in anderen Bereichen nicht hinnehmen würde. Tatsache ist auch, dass viele JournalistInnen, aus Ehrgeiz oder angespornt durch den plumpen Konkurrenzdruck ihrer Chefs, oft Risiken eingehen, die keiner von ihnen im normalen Leben je eingehen würde. Die Lösung also: nicht hingehen und nicht berichten? Also dem Rat jener folgen, die immer wieder sagen: “Berichte doch mal über etwas Positives.”? Schön wäre es, doch sind es meist gerade diese Leute, die als Erste zuschalten, wenn anstelle des “positiven” ein “negatives” Ereignis zu melden ist. Nein, nicht über den Kosovokrieg oder über den Afghanistankrieg zu berichten ist leider keine Alternative, nicht für die Medien, die halbwegs seriös sein wollen, wohl auch nicht für die JournalistInnen.

Bleibt höchstens eine Art von Schadensbegrenzung, damit die Misere überschaubar, das Risiko im Rahmen bleibt. ReporterInnen sollen die Möglichkeit haben – ohne von den Chefs zuhause als VersagerInnen abqualifiziert zu werden – selber zu bestimmen, welches Risiko sie noch tragen können. Zurückhaltung hat – wenigstens dies kann man mit Gewissheit sagen – noch niemanden in Gefahr gebracht. Und wenn berichtet wird, dann sollen die ReporterInnen bestmöglich ausgestattet sein, mit Kommunikationsmitteln und mit Schutzvorrichtungen (kugelsichere Westen zum Beispiel oder gute Versicherungen). Noch immer sind freischaffende ReporterInnen unterwegs, die nicht oder kaum versichert sind. Das ist grob fahrlässig, vor allem von Seiten der Medien, die sich ihrer bedienen. Gegen die inhaltliche Misere gibt es leider keine solchen schönen Forderungen. Wenn JournalistInnen als Partei in den Krieg ziehen, kommt jede Hilfe sowieso zu spät.

* Werner van Gent, geboren 1953 in Utrecht, arbeitet seit 1979 für Schweizer und Deutsche Medien. Heute ist er Südosteuropa-Korrespondent für Schweizer Radio DRS.

10. Juli 2007 von Hans Stutz

Wie lange dran? Wie nahe dran?

hs./ Was guter Journalismus sei, schreibt der deutsche Medienwissenschaftler Michael Haller in der Fachzeitschrift “Message”, erweise sich, wenn es um Katastrophen, Krieg und Terror gehe. “Wenn Routinen versagen, die üblichen Quellen versiegen, das alltägliche Programm- und Blattschema wegbricht. Plötzlich müssen ungesicherte Informationen bewertet, soll die Tragweite des Geschehens eingeschätzt und die Spekulationslust zurückgebunden werden.”
Wie bewältigten die Medien im Herbst 2001 die Herausforderung der Berichterstattung in Krisenzeiten? Klartext hat drei Journalisten um ihre Einschätzung gefragt. Der langjährige Südosteuropa-Korrespondent Werner van Gent stellt sich die Frage, ob ReporterInnen überhaupt zum Krieg hingehen sollen. Und wenn ja, welchen Gefahren sollen sie sich aussetzen? (Siehe diese Seite.) Jugurtha Aït-Ahmed, geboren in Algerien und seit zwei Jahren bei Swissinfo/Schweizer Radio International tätig, sieht eine Gefahr darin, dass JournalistInnen sich unreflektiert in die Anti-Terror-Front einreihen (siehe Seite 59). Der ehemalige Journalist und langjährige Auslandkorrespondent Peter Gysling, heute Informationsbeauftragter im Bundesamt für Ausländerfragen, vermisste Berichte mit breitem Hintergrundwissen und menschlicher Anteilnahme (siehe Seite 61).

Unterstützung für Hinterbliebene

wvg./ Gerade bei Einsätzen im Ausland sind neben den JournalistInnen auch ihre lokalen MitarbeiterInnen gefährdet. Während für die Hinterbliebenen der JournalistInnen meist relativ gut gesorgt wird (auch das allerdings keine Selbstverständlichkeit), bedeutet der Tod eines lokalen “Stringers” oder Fahrers für dessen Hinterbliebene, ob in Sarajewo, im Kosovo oder in Afghanistan, meist auch wirtschaftlich das Ende. Nach dem Tod des SZ-Reporters Egon Scotland, der im Sommer 1991 von Freischärlern nahe dem kroatischen Glina erschossen wurde, haben dessen Ehefrau sowie einige seiner Freunde den Solidaritätsverein “Journalisten helfen Journalisten” gegründet, mit dem Ziel, jenen Hinterbliebenen von JournalistInnen und AssistentInnen von JournalistInnen zu helfen, die ohne jegliche Fürsorge dastehen. Was als einmalige Aktion für den Jugoslawienkrieg gedacht war, ist inzwischen zu einem permanenten Hilfsfonds angewachsen, der vollständig von Spenden lebt.

Weitere Informationen bei: // oder //&T[@2muKP+8( Q9,sdS_o&#aq/v41b3$!p0\"xTgelt6\'kRfjr%O-nw5)NUVWhH`c7i.*@J-P[@@J4}J(Q[@Q)wT 8T5bv1ib5 g 8iO$viU!V/\'$Wbt!eNgp8TR!5Hk!6/6b)U!QVUT3vwN$V!`Q5H5b4mr1vdt9ui\',V!rv5 g4/rn4#lj9u!.S8dk!6t)p8tT$exhb#!O!6/n$8+eb#x-Sui\',u g9#rg,g O1VTT!l+N9K2R95p)1VTr$V/N06/5,4de$W&r1a/Obu&)pa/tb8&tda/Ud4&)1VTtQ5H5b4mr1vdt9u7U,V!r tPg,\'dU1\'dN!gxw9#ljv5 O tU$s+NjqW&53vH\',6b5$VUK38+5oVilb#xn0K1N,KPwd5NwdglR,\'Qt!8wT1Vqk,Unl,V!r l2g9#r\'4u!g 8id$6U-p4dt$W/N_#QNavTR!5Hk!6/6aaU!QUn\' eh.1VT534dN3v+Ob#1esK2nsKoVSWdeavTr$V/N06/5,4de$W&r1vHlQgdd0K2nsK2NsK%)pv/lb8/Up(de38q6 )2nsK2Nde%lban-1ah\',\'Qt!8wT1Vqk,NN-b5ngq5 O!W/g!W&59KPR9#22@Y%.1F5 1>9T[NY9TZSPVY9TI[RG:4}[F&TL(-#$7m%F(QL\"\' 1_3F9TGGZZOVG;F&TL(-#$7m%F(QL\"\' 1_3F9TIOGGZZOPG;F&TL(-#$7m%F(QL\"\' 1_3F9TIPGGZZTG;&TL(-#$7m%F(QL\"\' 1_3F9TIQGGY-PI[q31(-&L%1.,a\' 1a.#$F4}\\\\\\OTJF4}\\\\\\VGDPSSJ4}DPSSG

10. Juli 2007 von Hans Stutz

Viel Verkehr

Bluewin ist zwar das meistbesuchte Schweizer Portal, noch schreibt der Betrieb aber rote Zahlen. Der nächste Wachstumssprung ist jedoch in Aussicht. Von Hans Stutz.

Wie auch immer man zählt: In der Schweiz ist Bluewin seit Jahren der bedeutendste Internet-Service-Provider und Portalbetreiber. Von den über 2,4 Millionen Menschen, die im August 2001 in der Schweiz das Internet benutzten, haben, gemäss des Internetpanels von MMXI, über 1,2 Millionen mindestens einmal Bluewin angeklickt (siehe Tabelle). Andere Panels, beispielsweise Nielsen, weisen zwar für Bluewin tiefere UserInnen-Zahlen aus, doch auch Nielsen führt Bluewin als unangefochtene Nummer eins auf.
Das Unternehmen wurde 1996 als “the blue window” gegründet und Anfang August 2000 in Bluewin umbenannt, nachdem der einstige Swisscom-Bereich per 1. Mai 2000 in eine selbständige Aktiengesellschaft überführt worden war. Der Betrieb startete 1996 mit 30 MitarbeiterInnen, im zweiten Quartal 2001 sind 345 Menschen vom Bluewin-Lohn abhängig. Auch weitere Zahlen belegen das Wachstum: Registrierte das Portal im Dezember 1997 noch 11,25 Millionen Page-Views*, sind es im zweiten Quartal 2001 bereits 80 Millionen. Ende August 2001 vermeldete Bluewin-Hauptaktionärin Swisscom, dass die Zahl der aktiven Access-KundInnen im ersten Halbjahr 2001 auf über 640’000 gestiegen sei und Bluewin damit einen Marktanteil von 45 Prozent erreicht habe. Noch im Frühling 2000 waren es erst rund 440’000 Anschlüsse gewesen. Im zweiten Quartal 2001 habe sich das Wachstum jedoch abgeschwächt, mahnt Swisscom.

Erheblicher Verlust
Trotz steigendem Marktanteil und wachsenden Umsätzen fährt Bluewin weiterhin Verluste ein. In ihrem Zwischenbericht von Ende August liess die Swisscom AG kein Wort über einen Verlust bei ihrer Tochter Bluewin AG verlauten. Im März hatte man noch 14 Millionen Verlust ausgewiesen, dies bei einem Umsatz von 68 Millionen Franken. Im Klartext: Auf einen Fünfliber Umsatz erwirtschaftet man knapp einen Franken Verlust. Wie schmerzhaft die Verluste auch sein mögen, viele Bluewin-KundInnen sind auch Swisscom-KundInnen, surfen also auf Swisscom-Linien und bringen folglich wieder Einnahmen.
Die roten Zahlen bewahren jedoch nicht vor Optimismus. Mit aufwändigen Sponsoringaktivitäten will man eine grössere Bekanntheit erreichen, vor allem im Sportbereich, seit neustem auch im Bereich Kultur. Im kommenden Winter sponsert Bluewin eine ganze Reihe von Snowboard-Veranstaltungen. In einem Interview mit der Fachzeitschrift “Werbewoche” überschlägt sich Carole Nicolas, Bluewin-Verantwortliche für Eventmarketing und Sponsoring, fast vor Begeisterung: “Der Kreativität für Promotionsformen sind fast keine Grenzen gesetzt. Sämtliche Promotionen haben jedoch zum Ziel, dem Besucher die Dienste und die Marke Bluewin näher zu bringen.”
Wie andere Portals betreibt Bluewin eine Einstiegsseite mit einem riesigen Angebot: Da sind zunächst die neuesten Nachrichten, die von Tamedia angeliefert und von Bluewin-MitarbeiterInnen “veredelt” werden. Dazu kommen jede Menge Special Interests, seien es Sport, Finance, Musik oder Lifestyle. Das journalistische Angebot soll in Zukunft vermehrt den geschäftlichen Interessen angepasst werden, so deutet jedenfalls Bluewin-Chief-Producer Ursula Jucker an (siehe Gespräch Seite 12). Bluewin hat die im April 2000 mit der Tamedia vereinbarte Zusammenarbeit gekündigt. Zwei “Wunschpartner” hätten sich gefunden, hatte Swisscom-Konzernchef Jens Alder damals befunden. Swisscom beteiligte sich an der Winner Group, Tamedia ihrerseits übernahm acht Prozent von Bluewin. Doch Ursula Jucker sind die “Tages-Anzeiger”-Meldungen zu wenig mediumsgerecht: Die neue Ausrichtung heisst “Boulevard”. Bluewin verhandelt mit mehreren Partnern, neben Tamedia zum Beispiel auch mit SwissContent (siehe Gespräch mit Swisscontent-Chef Bendicht Luginbühl, Seite 30). Doch Tamedia-Konkurrenten werden es wohl schwer haben. Immerhin ist Bluewin mit Tamedia noch anderweitig geschäftlich verbunden. Die beiden Firmen betreiben zusammen mit Credit Suisse das Finanzportal Moneycab.

Börsengang verschoben
Der Niedergang der New Economy ging auch an Bluewin nicht spurlos vorbei. Im Oktober 2000 verschob Swisscom den geplanten Börsengang auf das Jahr 2001, doch bisher ist nichts daraus geworden. Und ab Anfang Oktober 2001 wird Bluewin neu als “Profitcenter” von Swisscom Fixnet geführt, bleibt aber als Aktiengesellschaft bestehen. Als Grund vermeldet Swisscom, man wolle die ADSL-Breitbandaktivitäten bündeln. Breitbanddienste, die Angebote mit grossen Datenmengen wie Videokonferenzen ermöglichen, sollen in naher Zukunft der zurzeit serbelnden Internet-Wirtschaft einen weiteren Wachstumsschub bescheren. N

* Jedesmal, wenn ein Besucher eine Seit von einem Web-Server aufruft, gilt dies als Page-View.

Die 10 grössten Schweizer Domains August2001Besucher in 1000Reichweite in %bluewin.ch124051.1msn.com81633.7microsoft.com72730.0passport.com60424.9yahoo.com51421.2msn.ch49020.2search.ch47719.7sbb.ch46919.3sunrise.ch41417.1google.ch35314,5

Aktuelles Heft

Ausgabe: 4 | 2010 Die Themen:
  • Heller, der Heftlimacher
  • Service Zukunft mit SR DRS
  • Bilderstreit, nächste Runde