11. Juli 2007 von Klartext

Lokaljournalismus

hs./ Seit zwanzig Jahren vergibt die „Berner Zeitung“ alljährlich einen Preis für Lokaljournalismus, immer im Rahmen einer Feier, immer mit einer Ansprache des Verlegers Charles von Graffenried und einer Festansprache eines renommierten Gasts wie Uni-Dekan Carl Christian von Weizsäcker (1986) oder WEF-Präsident Klaus Schwab (2004). Alle diese Ansprachen – samt kurzen Würdigungen der vielen PreisträgerInnen – sind nun in einem Buch erschienen. Der Band ermöglicht so ganz nebenbei einen Einblick in die Schweizer Mediengeschichte, beispielsweise, wenn Daniel Rothenbühler (Preisträger 1995) bei der Übergabe die Preisvergeber kritisiert. Diese würden „mit unfairen, ja unsauberen Methoden“ auf dem Platz Bern dem Lokaljournalismus den Boden unter den Füssen wegziehen, weil man die direkte Konkurrenz ausschalten wolle.
Dabei hatte Charles von Graffenried selbst noch 1986 erklärt: „Wie langweilig und traurig ist doch eine Monopolstellung – vergleichbar etwa mit der Durchführung eines Autorennens, wenn nur ein Rennwagen am Rennen teilnimmt.“ Überhaupt äusserte von Graffenried in seinen Festansprachen so manchen Satz, den heute nicht mehr jeder Schweizer Verleger unterschreiben würde. Zum Beispiel 1987: „Die Zeitung ist keine Ware, sondern ein öffentliches Gut.“ Ob die Espace Media allerdings so handelt, wie ihr Patron spricht, sei dahingestellt.

„Pfeffer und Salz gehören in die Tageszeitung wie zu einer guten Mahlzeit. 20 Jahre BZ-Preis für Lokaljournalismus 1986-2005“. Benteli, Bern 2005.

11. Juli 2007 von Klartext

Wirklich am Ende?

hs./ Während Jahrzehnten war der Hamburger Jürgen Bertram für das öffentlich-rechtliche Fernsehen als Reporter unterwegs, auch war er fünfzehn Jahre ARD-Asienkorrespondent. Bereits in den letzten Berufsjahren stellte er die „inhaltliche Erosion“ des Programms fest, als Pensionär beobachtet er nun „mit Sorge und oft auch Entsetzen“ die Boulevardisierung des Mediums und die Unterwerfung unter das „Diktat der Quote“. Die Skandale um die Schleichwerbung haben Bertram nun endgültig an die Schreibmaschine getrieben. Zornig und scharfsinnig nimmt er sich die Entwicklung seit dem Aufkommen privater Sender vor, um die Verflachung des Programms der öffentlich-rechtlichen Anstalten nachweisen zu können. Er schöpft aus einem breiten Erfahrungsfundus und einer ausführlichen Dokumentation und führt eine Unmenge von Beispielen an. Wenn man auch seinen Schlussfolgerungen nicht immer folgen mag, eine kurzweilige Lektüre bleibt sein Buch „Mattscheibe. Das Ende der Fernsehkultur“ allemal.

Jürgen Bertram. „Mattscheibe. Das Ende der Fernsehkultur“. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2006.

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