11. Juli 2007 von Klartext

Vom Nutzen einer Umfrage

hb./ „Was halten Sie von der Einführung einer Gratiszeitung?“, fragt die „Tribune de Genève“ ihre LeserInnen auf der Website www.tdg.ch. Trotz Sommerloch und sauren Gurken antworteten vom 13. Juli bis 7. August 1134 LeserInnen auf die Umfrage. 62 Prozent machten ihr Kreuzchen bei der Antwort „Ausgezeichnete Idee, das würde eine Abwechslung von der Lokalpresse bedeuten“. 18 Prozent äusserten leichte Zweifel: „Warum nicht, aber was würde dann aus den bezahlten Zeitungen werden?“ 13 Prozent fanden es eine „Schlechte Idee, weil die Zeitung voll Werbung sein wird“ (man beachte den Indikativ!). 5 Prozent sind offen kritisch: „Auf keinen Fall, die Informationsvielfalt würde leiden.“ Und 3 Prozent antworteten: „Ist mir egal, ich lese keine Zeitungen.“ Der Nutzen der Umfrage wird allerdings geschmälert durch die Tatsache, dass Mehrfachvoten möglich sind; auch kommt man beim Addieren der Prozentzahlen vom 7. August exakt auf 101 Prozent. Und noch eine Frage drängt sich auf: Auf welchen Satzteil antworteten die Abstimmenden wohl bei der ersten Frage? Auf die „Ausgezeichnete Idee“? Oder auf die „Abwechslung von der Lokalpresse“?

11. Juli 2007 von Klartext

Gratis-Rätselraten

hb./ Die SBB haben vor, in der Romandie eine Ausschreibung zu lancieren, bei der es um die Vergabe jener Boxenstandplätze geht, ohne die eine Pendlerzeitung nicht unter die Leute kommt. Wie Beat-Gaudenz Schwarz (Key Account der SBB für Rahmenvereinbarungen und gesamtschweizerische Projekte) bestätigt, haben die SBB in der Westschweiz „verschiedene Anfragen von verschiedenen Seiten“ erhalten, ob man auf den Bahnhöfen solche Boxen aufstellen dürfe. Wer „man“ sei, will Schwarz nicht verraten. Die SBB würden Ende Sommer eine Ausschreibung lancieren und rechneten damit, den Zuschlag bis Ende Jahr vergeben zu können. „Die Ausschreibungen erfolgen, weil wir das für uns beste Angebot aussuchen wollen“, sagt Schwarz. Ob die SBB die politische Verantwortung dafür übernehme, im Fall von mehreren sich konkurrenzierenden Blättern nur einem die Bewilligung für Boxen zu geben, fragte Klartext den SBB-Verantwortlichen. „Wir handeln nach betriebswirtschaftlichen Kriterien, dies ist auch aufgrund des SBB-Gesetzes vorgegeben“, war die wenig erhellende Antwort.
Mehr Licht in die Sache bringt da schon Edipresse selber. Der Verlag rekrutiert bis Ende August Freiwillige aus den Redaktionen seiner Titel für eine neue Redaktion. Die JournalistInnen werden bis zu sechs Monate für das Projekt freigestellt, anschliessend kehren sie entweder in ihre Redaktionen zurück, oder aber sie bilden die Redaktion der neuen Gratiszeitung. Offen bleibt da eigentlich nur noch, wer mit wem gegen wen lanciert.

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