11. Juli 2007 von Klartext

Ausbildung: Kleine gehen leer aus

nil./ 70’000 Franken ans Bein streichen muss sich das Medienausbildungszentrum MAZ, 50’000 Franken sein Westschweizer Pendant CRFJ. Auch der Beitrag für die Ausbildungsinstitution der werbefreien Radios, klipp & klang, wird dieses Jahr vom Bundesamt für Kommunikation um einen Fünftel gekürzt. Ganz leer aus gehen zahlreiche kleine Kursanbieter, die in den vergangen Jahren jeweils vom Bakom mit vier- bis fünfstelligen Beträgen unterstützt wurden. Auslöser der Streichungsaktion war Jean-Frey-Chef und FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger. Er brachte im vergangenen Herbst einen Antrag durch, mit dem der Bakom-Kredit im Bereich Aus- und Weiterbildung um eine halbe Million gekürzt wurde.
„Wir haben uns bewusst entschieden, die Mittel zu konzentrieren“, erklärt Jost Aregger, beim Bakom zuständig für das Dossier. Mit der Subventionierung der drei grossen Journalismus-Schulen könne die Kontinuität ihres Angebots gewährleistet werden. Ausserdem liege deren Schwerpunkt auf dem Bereich Informationsjournalismus, so Aregger weiter. „Das war für uns inhaltlich ein ausschlaggebendes Kriterium.“ Im Hinblick auf die Beratungen für das Budget 2007 wolle sich das Bakom dafür einsetzen, dass die gestrichene halbe Million wieder in den Haushalt aufgenommen werde.
Die Bakom-Kürzungen haben konkret wahrnehmbare Auswirkungen: Das MAZ streicht – in Absprache mit dem Verband Schweizer Privatradios VSP – einen zehntägigen Fachkurs Radiojournalismus, eine Einstiegshilfe für neue RadiomitarbeiterInnen.

11. Juli 2007 von Peter Meier

„Zeit“-Geschichte

Ellenlange Artikel, wenig Unterhaltung, kaum Nutzwert, bis zu 100 Seiten Umfang, mässig aktuell – und in Zeiten des Tabloids mit einem Format, das das Umblättern der Zeitungsseiten ohne feste Unterlage zu einer mittelschweren Akrobatikübung macht. Und doch gibt es sie noch – sogar erfolgreicher denn je: „Die Zeit“, das liebste journalistische Kind des bürgerlich-liberalen Deutschland. Sie feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag, zu dem sie sich standesgemäss auch eine Festschrift* gönnt. Das Buch ist hausgemacht: Mit Karl-Heinz Janssen, Haug von Kuenheim und Theo Sommer zeichnen drei langjährige Mitarbeiter und verdiente Kämpen des Hauses den Werdegang der „Zeit“ zu einer nationalen Institution des unabhängig-kritischen Journalismus nach, der im Februar 1946 in den Trümmern des Zweiten Weltkrieges begann.
Wenn drei so ausgewiesene Journalisten die Geschichte ihrer eigenen Zeitung schreiben, dann bleibt das zwangsläufig nicht ohne Konsequenzen für die Qualität des Buches. Es ist denn auch brillant geschrieben und bietet daher eine unterhaltsame und kurzweilige Lektüre, es ist gut recherchiert und daher faktenreich und informativ und es ist sehr personalisiert, wodurch die Geschichte lebendig und anschaulich wird. Zugleich können Janssen, von Kuenheim und Sommer aber auch die Tücken eines solchen Vorhabens nicht verhehlen: Die drei Autoren gehen sehr rücksichtsvoll mit ihrem Blatt und den wichtigen Personen um, deren Weggefährten sie lange Zeit waren. Sie zelebrieren genüsslich die vielen Legenden, die sich fast zwangsläufig um eine Institution wie die „Zeit“ ranken, und sie ordnen die gesamte Geschichte dem Mythos der grossen unabhängigen und – im besten Sinne des Wortes – liberalen Wochenzeitung unter, der selbst der vehement nationalistisch gesinnte Protest der Anfangsjahre noch zum Ruhm gereiche. Dabei sparen die Verfasser zwar weniger rühmliche Aspekte und Charaktere nicht aus, aber sie präsentieren sie doch in leicht geglätteter Form.
Das gilt etwa für die Person des ersten Chefredaktors Ernst Samhaber. Dieser hatte vor dem Krieg Goebbels Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda angehört. Während des Krieges war er für diverse nationalsozialistische Blätter tätig, wobei die Bandbreite seiner journalistischen Arbeiten von linientreu bis ungeschminkt rassistisch reichte. Zuletzt verfasste Samhaber bis kurz vor Kriegsende Durchhalteparolen für „Das Reich“, das „gehobene“ Propagandablatt von Rolf Rienhardt, einem der Architekten der nationalsozialistischen Presse-Gleichschaltung. Samhaber wurde 1946 nach einem halben Jahr als „Zeit“-Chefredaktor von einem Entnazifizierungsausschuss zum NS-Anhänger erklärt und mit einem Berufsverbot belegt. In der Festschrift zur „Zeit“-Geschichte wird Samhabers braune Vergangenheit zwar erwähnt, aber nicht vollständig ausgeleuchtet. Im Vordergrund steht sein Nachkriegs-Image als vorsichtiger Widerständler. Dies gründete auf Samhabers Porträt des paraguayanischen Diktators Francisco Solano Lopez aus dem Jahr 1941, das nachträglich aufgrund augenfälliger Parallelen als verklausulierte Hitler-Kritik gedeutet wurde. Samhaber taucht im Buch vor allem als „Chefredakteur gegen die Besatzungsmacht“ auf, und die Darstellung seiner Absetzung leistet der Interpretation Vorschub, es habe sich dabei in erster Linie um eine Intrige der britischen Besatzungsmacht gegen einen unbequemen deutschen Journalisten gehandelt.
Solch pfleglicher Umgang mit dem „Zeit“-Personal ist eine Konstante des Buches. Die bestimmende Gestalt ist der „geniale Verleger“ Gerd Buccerius, einer der Gründerväter, der die republikanische Wochenzeitung bis zu seinem Tod 1995 erfolgreich durch alle Fährnisse der Zeitgeschichte steuerte. Nicht immer unbeirrt und selten frei von Existenzangst. Doch mit der ebenso Legende gewordenen Marion Gräfin Dönhoff stand ihm eine Persönlichkeit zur Seite, mit der ihn eine Hassliebe verband, weil sie so gegensätzlich war, ihn aber gerade deshalb so ideal ergänzte. Dass die beiden – und andere bestimmende Köpfe – so prominent im Buch erscheinen, ist kein Zufall. Es entspricht dem Konzept des Buches, das letztlich eben eine typische Festschrift ist: Es ist eine Geschichte der grossen Namen und Ereignisse. Es ist nur am Rande eine Geschichte der „Zeit“ und im Kern eine Geschichte der Zeit im Spiegel der „Zeit“.
Wer sich Einblicke in das Innenleben, in die Strukturen und das Funktionieren einer der wichtigsten journalistischen Institutionen Nachkriegsdeutschlands erhofft, wird weitgehend enttäuscht. Die Autoren stricken einerseits eifrig am Mythos der eingeschworenen Gemeinschaft – wie ein roter Faden durchzieht das Bild der „Zeit-Familie“ die dargestellte Historie. Andererseits wird es jedoch nirgends wirklich thematisiert oder gar analysiert, und so bleibt etwa verborgen, warum beispielsweise der bekannte Feuilletonchef Fritz Raddatz zwar lange dabei war, aber nie dazu gehörte. Wer sich hingegen auf einen abwechslungsreichen, kurzweiligen Ritt durch die jüngere Zeitgeschichte begeben will, der wird mit dem facetten- und anekdotenreichen Buch bestens bedient.

* Karl-Heinz Janssen, Haug von Kuenheim, Theo Sommer: „Die Zeit. Geschichte einer Wochenzeitung 1946 bis heute“. Siedler Verlag, Berlin 2006.

11. Juli 2007 von Klartext

Beschränkt seriös

hb./ Der „Schweizer Journalist“, herausgegeben vom Österreicher Verlag Oberauer, hat ein Problem. Denn der Berufsverband der JournalistInnen in der Schweiz, Impressum, nennt sich mit Zusatznamen „Die Schweizer JournalistInnen“. Diese Nähe der neuen Zeitschrift zum Verbandsnamen hat Impressum dazu veranlasst, beim Verleger vorstellig zu werden. Wie Impressum-Zentralsekretär Mathieu Fleury sagt, wolle man erfahren, welche Absichten und Ziele Oberauer in der Schweiz verfolge: „Das Ziel des ‚Schweizer Journalist‘ ist kommerziell, sein Inhalt nicht vollständig.“ Impressum wolle abklären, ob eventuelle Synergien mit dem eigenen Verbandsorgan möglich seien. Denn schliesslich sei die Präsenz von Sylvia Egli von Matt, Direktorin des Medienausbildungszentrums MAZ, Garantie für eine gewisse Seriosität des Produkts. Falls man jedoch nicht zusammenarbeiten könne, will Impressum eine Namensänderung des Produkts verlangen. Apropos Seriosität: Mit viel Aufwand verbreitete das Blatt in der ersten Nummer eine Bestenliste – „die 88 besten Journalistinnen und Journalisten“ der Schweiz. Gian Pozzy, bis vor kurzem stellvertretender Chefredaktor des Wirtschaftsblatts „L’Agefi“, wurde als Dritter in der Kategorie „Kolumne (Westschweiz)“ ausgezeichnet. Allerdings war er auch Mitglied der Jury. Die Vermeidung solcher Peinlichkeiten für den Betroffenen, die Jury und die Auserwählten war aber offensichtlich nicht das Ziel der Ranking-Organisatoren.

11. Juli 2007 von Klartext

Auflösungstendenzen

hs./ Er kam, sah und löst die Ressorts auf: Mit dem Antritt von Michael Hug als neuem Chefredaktor kommt Bewegung in die Redaktion der „Berner Zeitung“. Seine Schäfchen will Hug aus dem Schlaf in ihren Ressort-Gärtchen erwecken. Inland und Ausland sind bereits unter dem vielsagenden Rubriktitel „Heute“ zusammengeführt. Das ist natürlich Etikettenschwindel, denn korrekterweise müssten die Seiten – wenn schon – mit „Gestern“ übertitelt sein. Als nächste Abteilungen werden Wirtschaft und Kultur ihre angestammten Plätze im Blatt verlieren. Bislang nicht betroffen von dieser Umschichtung ist das Sportressort. Doch auch dort sind Auflösungstendenzen zu beobachten. Journalismus wird dort kreativ ergänzt mit purer PR-Schreibe aus der Feder der „Kommunikationsmanagerin“ des Männertennisverbandes ATP. Fabienne Benoit scheint nicht nur im Solde von ATP zu stehen, auch für den TV-Sender Eurosport legt sie sich gehörig ins Zeug. „Dank Eurosport haben Tennisfans fast rund um die Uhr die Möglichkeit, das Geschehen in Down under mitzuverfolgen.“ Was nichts anderes heisst als: Die ATP findet Eurosport toll, weil der Sender rund um die Uhr über die ATP berichtet. Das ist noch gehaltvoller Sportjournalismus.

11. Juli 2007 von Klartext

Lebrument sägt am Presserat

hs./ Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument macht auf Abbruch. Den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) hat er bereits geschleift, nun ist die Reihe offenbar am Presserat. Bereits beim letztjährigen Verlegerkongress hatte er diesen als „geschwätzige und beliebige Institution“ verhöhnt (KLARTEXT 5/2005). Presseratspräsident Peter Studer hatte damals gegenüber KLARTEXT noch die Hoffnung geäussert, dass er Lebrument von dessen „Missverständnissen befreien“ könne. Es ist ihm offensichtlich nicht gelungen.
Auch angestachelt durch einen Presseratsentscheid gegen seine „Südostschweiz“ (siehe Seite 27 in dieser Nummer), hat Lebrument nun unlängst in der Zeitschrift „Persönlich“ noch einen draufgegeben. Sowohl GAV wie Presserat, so meint Lebrument, seien beides Instrumente, „um den privatwirtschaftlichen und marktwirtschaftlichen Einfluss auf die Redaktionen zu verringern und den öffentlich-rechtlichen Charakter der Zeitungen zu stärken“. Ja, Presseratsentscheide würden den privaten Besitz der Verleger „mindern“. Er will deshalb in Zukunft ein Gremium, das Entscheide „diskret und praxisbezogen“ fällt.
Lebrument stört sich unter anderem daran, dass die Verleger noch immer nicht im Presserat-Stiftungsrat vertreten sind. Dies sind sie aber nicht nur, weil die JournalistInnenverbände erst nach GAV-Verhandlungen zu Gesprächen über die Presserat-Verlegerbeteiligung bereit sind, sondern auch, weil die Verleger bei den letzten einschlägigen Verhandlungen ihren Beitritt selbst torpediert haben (siehe KLARTEXT 5/2004): Die Westschweizer Verleger hatten damals in einem internen Papier gravierende Einschnitte in die „Erklärung der Pflichten und Rechte der JournalistInnen“ zur Bedingung einer eventuellen Beteiligung am Presserat gemacht.
Nach der einseitigen Proklamation von sozialen „Mindeststandards“ will Lebrument nun also eine eigene Selbstkontrolle aufbauen. Ob allerdings seine patriarchalen Vorstellungen umsetzbar sind, wird sich weisen. Presseratspräsident Peter Studer, selber ein Befürworter der Verlegeraufnahme in den Presserat, hat Lebrument in einem zentralen Punkt widersprochen: „Die Zeitung ist eben doch mehr als eine Drucksache, für deren Herstellung die Wirtschaftsfreiheit genügt.“

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