11. Juli 2007 von Klartext

Chefwechsel

hs./ Schallend gelacht habe er, so berichtet ein „Berner Zeitung“-Mitarbeiter, als er gelesen habe, dass Chefredaktor Andreas Z’Graggen nach seinem Rücktritt weiterhin als Publizist und Moderator von TV-Sendungen für die Espace Media Groupe tätig sein werde. Wenn Z’Graggen etwas nicht könne, dann sei es schreiben. In der Tat, er hat es den BernerInnen fast zehn Jahre lang gezeigt. Z’Graggen erhält nicht nur einen Nachfolger, sondern gleich zwei: Michael Hug und Markus Eisenhut. Über Hug, der seit 2001 Chefredaktor des konzerneigenen „Solothurner Tagblatts“ ist, berichten fast alle nur Gutes: Er sei ein umgänglicher Mensch. Und über seinen grossen Fauxpas (Bundesrat Villiger besucht das Puff) ziehen sie den Schleier des Vergessens. Hugs Chefredaktoren-Partner Markus Eisenhut ist zurzeit bei Tamedia mit der Lancierung von „20 minutes“ betraut. Als Chefredaktor von „20 Minuten“ musste er im November 2003 gehen, weil Tamedia Marco Boselli ins Amt hievte.
Auch über den dritten designierten Chefredaktor einer auflagestarken Schweizer Tageszeitung gibt es noch wenig zu vermelden, ausser dass er – gemäss „Weltwoche“ – eine „ausufernde Sammlung von Schiffbildern aller Art“ besitzt. Markus Spillmann war zuletzt stv. Redaktionsleiter der „NZZ am Sonntag“. Mit seinen 38 Jahren wird Spillmann, wenn er sich denn ein Beispiel an seinen Vorgängern im Amt nehmen sollte, wohl einer ganzen JournalistInnen-Generation den Karriereschritt zum NZZ-Chefredaktor verbauen. Sein direkter Vorgänger Hugo Bütler blieb 21 Jahre, dessen Vorgänger Fred Luchsinger 17 Jahre und dessen Vorgänger Willy Bretscher gar 35 Jahre.

11. Juli 2007 von Klartext

Wemf-Schwindel

hs./ Klartext berichtete in der letzten Nummer über den trickreichen Versuch der Südostschweiz-Gruppe, die verkaufte Zeitungsauflage nach oben zu stemmen. Hanspeter Lebruments Leute hatten im Frühsommer 2005 ihren KorrespondentInnen eine Abo-Rechnung mit 95 Prozent Rabatt zugesandt, mit der Aufforderung, das kleine Restsümmchen zu bezahlen und dann diesen Betrag bei der nächsten Spesenrechnung aufzuführen. Das „Media Trend Journal“ legte die KLARTEXT-Meldung dem Präsidenten der Wemf-Auflagenkommission Alexander Theobald vor. Theobald antwortete fadengerade: „Das ist bauernschlau und reglementskonform.“ Ob allerdings eine Präzisierung der Kriterien vollständige Transparenz bringen würde, bezweifelt er: „Wer es für nötig befindet zu tricksen, wird das immer tun können.“ Hanspeter Lebrument, übernehmen Sie?

11. Juli 2007 von Klartext

Schlechte Presse

hs./ Verallgemeinernde Aussagen über Angehörige von Minderheiten können schnell zur Diffamierung werden. Dies musste nun auch die „Tages-Anzeiger“-Bundeshausredaktorin Verena Vonarburg einsehen. Anfang Jahr behauptete sie: Der grösste Teil der Tamilen in der Schweiz sei hoch verschuldet und mehr als die Hälfte der tamilischen Männer in der Schweiz seien Alkoholiker. Dies in einem Artikel, in dem sie den Spendendruck in der straff vernetzten tamilischen Gemeinschaft thematisiert. Vonarburg stützte sich dabei vorwiegend auf eine anonyme Informantin. (Vgl. Klartext 1/2005) Gegen diese Berichterstattung erhob der Filmer Erich Schmid samt einigen MitunterzeichnerInnen Beschwerde beim Presserat. Letzerer hat nun zwar keine diskriminierende Aussage erkennen können, hingegen bescheinigt er der Tagi-Redaktorin „eine Verletzung der berufsethischen Norm“. Er hält fest, Vonarburgs „ungenügend belegte Einschätzung kommt (…) einer Entstellung von Tatsachen gleich“. Das Verdikt überrascht nicht. Der Tagi-Rechtsdienst hatte bereits während des Verfahrens gegenüber dem Presserat zugeben müssen, nicht genau zu wissen „wie gross das Alkoholproblem unter den Tamilen ist“.

11. Juli 2007 von Klartext

Sonderbare Einladung

nil./ Trotzreaktion oder Verzweiflungstat? Im Nachgang zu Hanspeter Lebruments Missmutsbekundung in Richtung Presserat am Verlegerkongress doppelte Karl Lüönd im Organ des Arbeitgeberverbandes nach. Im „Flash“ vom 6. Oktober steht wörtlich zu lesen: „Die Redaktionen werden eingeladen, die Stellungnahmen des Presserates nicht mehr zu veröffentlichen, da sie ab sofort und bis zur Verleger-Beteiligung am Presserat als ‚Parteigutachten‘ betrachtet werden müssen.“ Als bezahlte und einseitig gefärbte Stellungnahmen also. Und jetzt ein Salto rückwärts: Die „Qualität der Arbeit des Presserates“ werde „von keiner Seite bestritten“. Lüönds sonderbare Einladung verhallte ganz offensichtlich im Leeren. Die Redaktionen berichteten nicht anders als zuvor über die Arbeit des von den Patrons angepinkelten Selbstkontrollorgans. Von NZZ über „Tages-Anzeiger“ bis zu „Landbote“ und „Bund“ berichteten sie alle über aktuelle Entscheide des Presserats – selbst wenn sie das eigene Blatt betrafen, wie im Fall des Tagi.

11. Juli 2007 von Klartext

Spontan umverteilt

nil./ Eigentlich hätte das Kader von Radio DRS am 27. September gerne in freundlicher Atmosphäre über das unangenehme Thema „Sparen“ diskutiert – in den nächsten Jahren müssen Radio und Fernsehen DRS 35 Millionen Franken sparen. Das Bundeshaus wäre für den Anlass in Frage gekommen. 4000 Franken (inklusive Catering) für die Durchführung schienen aber etwas unangebracht. Also begab man sich in unternehmenseigene Räume. Zu Swissinfo. Doch blieb das angestrebte Sparpotenzial nicht optimal ausgeschöpft. Während des Anlasses standen zwei – gemäss Aussagen von Augenzeugen – üppige Buffets für das leibliche Wohl des DRS-Kaders bereit. Das eine blieb nahezu unangetastet. In einem spontanen Akt der Umverteilung hat sich dann das sparbedingt dezimierte Swissinfo-Personal die Köstlichkeiten angeeignet. Der Verteilungskampf bei der SRG ist in vollem Gange.

Aktuelles Heft:

EDITO Ausgabe: 2 | 2017
  • Wie Podcasts das Medium Radio erfrischen
  • Wie die SRF-Serien für Protest sorgen
  • Wie Gerüchte nicht verbreitet werden sollten
  • Wie Lebrument mit der Quotidiana mischelt
  • Wie Urs Musfeld Abschied von Sounds feiert
  • und anderes mehr