11. Juli 2007 von Klartext

Na denn Prost!

bbü./ Wer soll das bezahlen? Höchst qualifiziert für Antworten auf solche Fragen sind natürlich die WirtschaftsjournalistInnen. Und sie finden auch kreative Lösungen: Wenn sich der „Club Zürcher Wirtschaftsjournalisten“ im November zur Generalversammlung mit anschliessendem Podiumsgespräch und Aperitif trifft, geht die Rechnung dafür – ja, eben nicht an den „Club“, sondern an: Nestlé. Der „Club Zürcher Wirtschaftsjournalisten“ organisiert übrigens laut seinem ehemaligen Präsidenten, Andreas Bantel, Ex-Wirtschaftsredaktor und heutiger Kommunikationsberater, „hochkarätige Treffen mit Spitzenvertretern der Wirtschaft“. So geht es eben im Leben: Man trifft sich, man mag sich – und kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

11. Juli 2007 von Klartext

Rabattierte Auflage

hs./ Nichts ist wichtiger als Auflage, und es kommt auf jedes Abonnement an. Das weiss jeder Verleger. Und das neue Reglement der WEMF bietet auflagehungrigen Verlagshäusern einige Gestaltungsmöglichkeiten. Das hat man bei der Südostschweiz Presse AG von Verlegerverbandspräsident Hanspeter Lebrument herausgefunden. In der Folge erhielten die überraschten KorrespondentInnen der „Südostschweiz“ vor einiger Zeit einen Brief, überschrieben mit „Aktivierung Ihres Zeitungsabonnements“, inklusive Rechnung. Das neue WEMF-Reglement erlaube, dass „hoch rabattierte Zeitungsabonnements ebenfalls zur beglaubigten, verkauften Auflage gezählt werden“ könnten. Und diese Regelung wolle die „Südostschweiz“ nutzen, „indem wir Ihnen eine Rechnung für das Zeitungsabonnement mit 95 % Rabatt zukommen lassen“. Selbstverständlich mit der Bitte, „termingerecht zu begleichen“. Den einbezahlten Betrag können die KorrespondentInnen bei der nächsten Honorarabrechnung unter „Berufsauslagen“ wieder einfordern. Wenn das nicht das Ei des Kolumbus in Sachen WEMF-beglaubigter Auflage ist!

11. Juli 2007 von Klartext

Rückschlag für TSR

hb./ Im Januar 2002 wetterte der damalige Präsident von Léman Bleu, Albert Knechtli: „Mit IP Multimedia sind wir fertig!“ Der Streit ging um eine Zusammenarbeit zwischen dem Werbevermittler und dem Genfer Hausfernsehen. IP Multimedia wollte eine Verbreitungslücke für seine nationalen Werbekunden schliessen, da sich die Lausanner und Genfer Kabelnetzbetreiber weigerten, das von IP Multimedia vermittelte Werbefenster von M6 aufzuschalten. Denn die Télévision Suisse Romande (TSR) und Léman Bleu wehrten sich dagegen, dass der französische Privatsender M6 ein Werbefenster ohne Programmangebot ausstrahlt. TSR betrachtet das als unlauteren Wettbewerb und Verletzung von Urheberrechten, da M6 Serien ausstrahlt, für die TSR die exklusiven Ausstrahlungsrechte für die Schweiz erworben hat. Die entsprechenden Klagen in Frankreich und der Schweiz sind immer noch hängig.
Doch seither sind viele Dämme gebrochen, die der audiovisuelle Service public der Romandie gegen die übermächtige französische Konkurrenz aufbauen wollte. Bei Léman Bleu ist der französische Verleger Philippe Hersant eingestiegen, und das liberalisierungsfreundliche Bakom untersucht zurzeit sogar, ob die Aktienmehrheit, die die Stadt Genf am Lokalsender hält, rechtens sei. Und IP Multimedia kann punkten: Léman Bleu und M6 bilden jetzt einen gemeinsamen, von IP Multimedia vermittelten Werbepool.
TSR-Direktor Gilles Marchand gefällt das nicht. Den unternehmerischen Entscheid von Léman Bleu kommentiere er nicht, erklärt er. Und TSR bekämpfe auch nicht IP Multimedia, sondern den Sender M6, der an den Schweizer Werbekuchen herankommen wolle, ohne Ausstrahlungsrechte für die Schweiz zu bezahlen: „Die Werbestrategie von M6 negiert, dass die Romandie in audiovisueller Hinsicht ein eigenständiger Rechtsraum ist.“ Das habe Konsequenzen für schweizerisch-französische Koproduktionen und könne gar die unabhängige Filmproduktion gefährden. Denn Westschweizer Filmemacher könnten ohne die Hilfe von TSR und ohne schweizerisch-französische Koproduktionen nicht arbeiten. „Solche Koproduktionen sind aber nur möglich, wenn die Romandie als audiovisueller Rechtsraum respektiert wird.“ Die TSR werde den Rechtsweg bis zur letzten Instanz beschreiten: „Ich bin überzeugt, dass weniger wirtschaftliche als kulturelle Fragen auf dem Spiel stehen!“

11. Juli 2007 von Klartext

Vom Nutzen einer Umfrage

hb./ „Was halten Sie von der Einführung einer Gratiszeitung?“, fragt die „Tribune de Genève“ ihre LeserInnen auf der Website www.tdg.ch. Trotz Sommerloch und sauren Gurken antworteten vom 13. Juli bis 7. August 1134 LeserInnen auf die Umfrage. 62 Prozent machten ihr Kreuzchen bei der Antwort „Ausgezeichnete Idee, das würde eine Abwechslung von der Lokalpresse bedeuten“. 18 Prozent äusserten leichte Zweifel: „Warum nicht, aber was würde dann aus den bezahlten Zeitungen werden?“ 13 Prozent fanden es eine „Schlechte Idee, weil die Zeitung voll Werbung sein wird“ (man beachte den Indikativ!). 5 Prozent sind offen kritisch: „Auf keinen Fall, die Informationsvielfalt würde leiden.“ Und 3 Prozent antworteten: „Ist mir egal, ich lese keine Zeitungen.“ Der Nutzen der Umfrage wird allerdings geschmälert durch die Tatsache, dass Mehrfachvoten möglich sind; auch kommt man beim Addieren der Prozentzahlen vom 7. August exakt auf 101 Prozent. Und noch eine Frage drängt sich auf: Auf welchen Satzteil antworteten die Abstimmenden wohl bei der ersten Frage? Auf die „Ausgezeichnete Idee“? Oder auf die „Abwechslung von der Lokalpresse“?

11. Juli 2007 von Klartext

Gratis-Rätselraten

hb./ Die SBB haben vor, in der Romandie eine Ausschreibung zu lancieren, bei der es um die Vergabe jener Boxenstandplätze geht, ohne die eine Pendlerzeitung nicht unter die Leute kommt. Wie Beat-Gaudenz Schwarz (Key Account der SBB für Rahmenvereinbarungen und gesamtschweizerische Projekte) bestätigt, haben die SBB in der Westschweiz „verschiedene Anfragen von verschiedenen Seiten“ erhalten, ob man auf den Bahnhöfen solche Boxen aufstellen dürfe. Wer „man“ sei, will Schwarz nicht verraten. Die SBB würden Ende Sommer eine Ausschreibung lancieren und rechneten damit, den Zuschlag bis Ende Jahr vergeben zu können. „Die Ausschreibungen erfolgen, weil wir das für uns beste Angebot aussuchen wollen“, sagt Schwarz. Ob die SBB die politische Verantwortung dafür übernehme, im Fall von mehreren sich konkurrenzierenden Blättern nur einem die Bewilligung für Boxen zu geben, fragte Klartext den SBB-Verantwortlichen. „Wir handeln nach betriebswirtschaftlichen Kriterien, dies ist auch aufgrund des SBB-Gesetzes vorgegeben“, war die wenig erhellende Antwort.
Mehr Licht in die Sache bringt da schon Edipresse selber. Der Verlag rekrutiert bis Ende August Freiwillige aus den Redaktionen seiner Titel für eine neue Redaktion. Die JournalistInnen werden bis zu sechs Monate für das Projekt freigestellt, anschliessend kehren sie entweder in ihre Redaktionen zurück, oder aber sie bilden die Redaktion der neuen Gratiszeitung. Offen bleibt da eigentlich nur noch, wer mit wem gegen wen lanciert.

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