11. Juli 2007 von Klartext

DJ Radio: Erst 2006

ah./ Das neue Zürcher Jugendradio DJ Radio auf UKW wird seinen Betrieb anstatt im Herbst 2005 frühestens Ende Jahr oder im Februar 2006 aufnehmen. Verzögert wird der Sendestart durch die Klage der Radiostation 105, die ebenfalls um die neue Zürcher Jugendradio-Konzession gebuhlt hatte (vgl. Klartext 1/2005). Die Beschwerde von Giuseppe Scaglione von Radio 105 gegen die Konzessionserteilung an das Projekt von DJ Radio ist zurzeit beim Gesamtbundesrat in Bern hängig. Entscheiden wird die Regierung ab Herbst 2005, so der Sprecher des Bakoms auf Anfrage.
DJ Radio war in der Ausmarchung um eine Konzession für ein neues, terrestrisch verbreitetes Jugendradio in Zürich als Sieger hervorgegangen. Die Trumpfkarten von DJ Radio waren die tiefen Kosten und die Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandte Medienwissenschaft der Zürcher Hochschule Winterthur. Das Institut wird – analog zum St. Galler Jugend- und Studentenradio Toxic.fm – jeweils rund 20 StundentInnen im neuen Jugendradio als Inhalte-ProduzentInnen einsetzen und ausbilden. Doch diesen Herbst wird noch kein Radio auf dem Lehrplan stehen. Bis die Beschwerde beantwortet ist, müssen die MacherInnen zuwarten. DJ-Radio-Chef Egon Blatter scheint die Klage Scagliones aber keine Bauchschmerzen zu bereiten. Ab Oktober wollen er und sein Team Studio-Räumlichkeiten einrichten, dies in Zürich West am Escher-Wyss-Platz, dem neuen Ausgeh-Mekka fürs Jungvolk. „Hier sind wir am Puls der Stadt. Und hier verschmelzen die jungen Leute aus der Stadt und die aus der Region.“
Übers Programm will Blatter wenig verraten. Nur so viel: Es werde „sehr frech, authentisch sein und die Moderatorinnen und Moderatoren dürfen auch mal Fehler machen“. Kurzum, es werde anders. Was heisst das? In der Morgenschiene werde man etwa im Gegensatz zu all den Aufstellern auf ein ruhiges Programm setzen. An den Abenden sind thematisch verschiedene Musik-Stile jenseits des Mainstreams im Äther. Neue Ideen also und alte Erfolgsrezepte aus der Pionierzeit der Lokalradios Anfang 80er Jahre, welche vom Formatradio abgelöst wurden. Nach der Streetparade finden laut Blatter ModeratorInnen-Castings statt, um junge, spezielle Stimmen zu finden.

11. Juli 2007 von Klartext

Jammern, bis die Zahlen schwarz sind

hs./ Krise ist fast überall und fast immer. Auch bei den Schweizer Zeitungsverlegern. Seit Jahren klagen sie über den Rückgang der Inserateeinnahmen und die konjunkturelle und strukturelle Lage. Und sie bauen Arbeitsstellen ab. Aber dann veröffentlichen sie ihre Geschäftsberichte und weisen namhafte Gewinne aus. So ist es seit Jahren – abgesehen von einigen Ausnahmen; im Geschäftsjahr 2003 schrieb beispielsweise die Tamedia-Gruppe rote Zahlen.
Auch für letztes Jahr weisen – mit einer Ausnahme – alle grossen Schweizer Medienverlage eindeutige Gewinnzahlen aus. Ja, das Jahr 2004 sei „ein Rekordjahr – zumindest was die Höhe des Jahresgewinnes betrifft“, frohlockt Michael Ringier, Verleger und Präsident des Verwaltungsrates der Ringier AG, in seinem Jahresbericht. Rund 55 Mio. Franken Gewinn schreibt die Ringier-Gruppe, die in der Schweiz in den vergangenen drei Jahren rund 350 Stellen abgebaut hat. Insgesamt weist die Ringier-Gruppe trotzdem noch rund 600 Stellen aus, weil sie vor allem in der Slowakei und in Rumänien neue Arbeitsplätze geschaffen hat. – Ringiers Geschäftsbericht ist zwar sehr dick, einige wichtige Informationen fanden aber trotzdem keinen Platz. Auch dieses Jahr verschweigt der Konzern, wie viel Dividende den EigentümerInnen – Michael Ringier, Evelyn Lingg-Ringier, Annette Ringier – ausbezahlt wurde.
Anders bei der börsenkotierten Tamedia-Gruppe: Den AktionärInnen wird dieses Jahr mit 15 Mio. Franken vergoldet. Der Berner Severin Coninx beispielsweise – mit 14,39 Prozent der Aktien grösster Aktionär – sackt allein 2,15 Mio. Franken ein. Auch die acht Mitglieder des Verwaltungsrates müssen nicht darben, ihnen wurden trotz 10-prozentiger Honorarkürzung noch 2 Mio. Franken für ihre Teilzeitarbeit ausbezahlt. Dazu kommt bei Verwaltungsratspräsident Hans-Heinrich Coninx 1,89 Mio. Dividendenertrag hinzu. Denn: Insgesamt hat die Tamedia ansehnlichen Gewinn bei weniger Umsatz erzielt und weist per Ende 2004 307 Stellen (= 17 Prozent) weniger aus, als ein Jahr zuvor.
Mehr Gewinn bei mehr Umsatz und weniger Vollzeitstellen weist auch Peter Wanners AZ Medien Gruppe aus. In Zahlen: 6,5 Mio. ausgewiesener Gewinn bei 185 Mio. Umsatz mit 520 Vollzeitstellen Ende 2004 (vor einem Jahr waren es noch 542 gewesen). An die AktionärInnen zahlt die AZ Medien Gruppe 150 Franken pro Aktie aus, insgesamt 1,62 Mio. Franken. Ein netter Beitrag an Wanners Familienkasse.
Auch die Südostschweiz-Mediengruppe von Verlegerverbandpräsident Hanspeter Lebrument meldet ein „erfreuliches Jahr“. Bei geringerem Umsatz (123,8 Mio., im Vorjahr 129 Mio.) stieg der Gewinn auf knapp 5,2 Mio. Franken. Hingegen sank die Zahl der Beschäftigten von 869 auf 825, nachdem die Südostschweiz-Mediengruppe Ende 2002 noch 892 Personen auf der Lohnliste hatte.
Aus der Reihe tanzt die Berner Espace Media Groupe (EMG), deren Umsatz markant, nämlich um 19 Prozent, angestiegen ist. Angestiegen sind auch die Vollzeitstellen, dies eine Folge des Einstieges bei der Bund Verlag AG. Bei einem Betriebsumsatz von 260 Mio. erzielte die EMG einen Gewinn von 21,5 Mio., was zwar beachtlich ist, jedoch weniger als 2003 (23,2 Mio.). Wie üblich, weist die EMG einen grossen Teil des Gewinnes dem EMG-Eigenkapital zu.
Stark angewachsen ist im vergangenen Jahr auch der Umsatz der NZZ Gruppe, vor allem auch, weil sie im Frühjahr 2004 die Aktienmehrheit der Luzerner LZ Medien erwerben konnte. Das Ergebnis: 21,8 Mio. Gewinn. Dazu beigetragen haben insbesondere die LZ Medien und die St. Galler-Tagblatt-Gruppe.
Nicht ganz die Kurve gekriegt hat die Edipresse-Gruppe von Pierre Lamunière. Sie weist einen Verlust von 7,9 Mio. aus, nachdem der Gewinn im Jahr 2003 noch 11,8 Mio. betragen hatte. Allerdings nimmt man diesen Verlust beim grössten Westschweizer Verlagshaus, das einen grossen Teil seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, ziemlich gelassen. Verlustgrund seien Restrukturierungskosten und Investitionen in neue Produkte. Diese Aufwendungen würden sich, so Edipresse in einem Mediencommuniqué, bald als „äusserst vorteilhaft“ auswirken. Trotz ausgewiesenem Verlust nichts von Krise also.

11. Juli 2007 von Klartext

„m“ muss sparen

bbü./ Die schlechte Nachricht: Im Rahmen der „Restrukturierungsmassnahmen“ bei der Gewerkschaft Comedia hat die Mitgliederzeitung „m“ einen happigen Sparauftrag erhalten. „m“, das je in einer deutsch- und einer französischsprachigen Ausgabe erscheint, verfügte bisher über ein Budget von rund 700’000 Franken. Davon sollen rund 200’000 Franken eingespart werden.
Die bessere Nachricht: Nach einigem Geplänkel (Gewerkschaftspolitik!) stand fest, dass vorläufig an den Personalkosten (Löhne für die drei RedaktorInnen, Freien-Honorare) nicht gespart werden soll. Schliesslich handelt es sich bei Comedia unter anderem um eine JournalistInnen-Gewerkschaft.
Die mittelprächtige Nachricht: Eine Spar-Variante wäre es, die deutschsprachige und die französischsprachige Ausgabe beim selben (selbstverständlich GAV-unterstellten) Druckunternehmen zu drucken, statt wie bisher bei einem Unternehmen in der Romandie und bei einem in der Deutschschweiz. Aus gewerkschaftspolitischer Sicht kein einfaches Unterfangen, gilt doch: eine Gewerkschaft, drei Sprachregionen, viele, viele Meinungen und unverrückbare Haltungen. Ob die Druckzusammenlegung zu Stande kommt oder nicht, wird sich erst nach KLARTEXT-Redaktionsschluss weisen.
Die Nachricht: Nach einigem Geplänkel mit einigen Beteiligten (Gewerkschaftspolitik!) haben die beiden Redaktionen (Deutsch: Graziella Gut, Adrian Hauser, Französisch: Jean-François Marquis) und René Hornung als Vertreter der Comedia-Fachkommission Kommunikation ein Konzept ausgearbeitet, das die Sparvorgabe knapp erreichen sollte. „m“ soll ab August 2005 anstatt wie bisher 20-mal nur noch 12-mal jährlich erscheinen. Das könnte die Druck-, Porto- und Layoutkosten um gegen 180’000 Franken verringern.
Die gute Nachricht: Im Rahmen dieser Konzeptanpassung wird „m“ auch ein neues Layout erhalten, das, so René Hornung gegenüber KLARTEXT, „kräftiger und röter“ werden wird. Dem längeren Erscheinungsrhythmus angepasst, soll der Inhalt „weniger kurzatmig, hintergründiger“ werden.
Die Nach-Nachricht: Hornung bezeichnet den Prozess, der zu diesem Lösungsansatz geführt hat, als „ziemlich langwierig und mit ziemlich viel Emotionen belastet“, und kommentiert ihn mit: „Wir sind eben eine Gewerkschaft!“

11. Juli 2007 von Klartext

Olfaktorische Lektüre

bbü./ Erstaunliches ist aus der Romandie zu hören: Die Neuenburger Zeitungen „L’Express“ und „L’Impartial“ sollen die unlängst erfolgte Legalisierung der „Fée Verte“, des Absinth, mit einer besonderen Aktion begangen haben: Am letzten Februartag, einen Tag vor Inkrafttreten der Absinth-Legalisierung, gaben sie eine Sonderbeilage heraus – parfümiert mit Absinth-Essenz.
Wir wollen hier für einmal nicht moralisieren (Was geschieht, wenn ein Kind daran riecht? Folgeschäden? Suchtgefahr?), sondern uns inspirieren lassen: Wenn „L’Express“ und „L’Impartial“ nach Absinth riechen können, weshalb riechen dann manche Zeitungen nicht nach Schabziger, Basler Leckerli, Raclette oder Luganighe? Weshalb kitzelte beim Öffnen der Zeitungen, die über die Swiss-Übernahme durch die Lufthansa berichteten, nicht der Duft von Kerosin und verbrannten Geldnoten unsere feinen Nasen? Weshalb riecht „Wir Eltern“ niemals nach vollen Windeln? Und weshalb hat der NZZ-Börsen-Bund ganz unzweifelhaft einen Geruch (Ja! Riechen Sie an Ihrer NZZ!), obwohl es doch ganz klar ist: „non olet“?
Fragen über Fragen. Doch bremsen wir unsere Fantasie, bevor sie endgültig entgleist. Denn die Vorstellung, dass gerade heute, wo die Zeitungen und Zeitschriften ihren Inseratekunden nur die allerbesten Konditionen anbieten, auch die Inserate (Wir sprechen jetzt nicht von den Todesanzeigen!) dem beworbenen Produkt entsprechend riechen könnten, lässt schlicht schaudern. Dieses Kredit-Parfüm-M-Budget-Autoabgas-Deo-Ems-Chemie-und-anderes-mehr-Gemisch möchten wir wirklich nicht riechen müssen. Und schon gar nicht den ländlich-stalligen Geruch, der uns aus manchen Kommentaren entgegenwehen würde.

11. Juli 2007 von Klartext

Walpen:Alles paletti

nil./ Die Wahl ging schnell und die Kritik war laut. Quer durch die Parteienlandschaft störte man sich am auffällig reibungslosen und schnell abgewickelten Wechsel von Bundesratssprecher und Vizekanzler Achille Casanova auf den Posten des Ombudsmanns von Radio und Fernsehen DRS. Die SVP witterte “Zustände wie in der Sowjetunion”, von Seiten der SP erschallte der gleiche Vorwurf, nur eleganter verpackt. Intransparente Wahlen hätten bei der SRG SSR idée suisse Tradition, wurde Parteipräsident Hans-Jürg Fehr in der “NZZ am Sonntag” zitiert. SRG-Generaldirektor Armin Walpen habe den Publikumsrat, das Wahlgremium für den Ombudsmann, fest im Griff, war aus FDP-Kreisen zu hören. Dass Walpen und Casanova beide ein Parteibuch der CVP besitzen, war nur noch Wasser auf die Mühlen der KritikerInnen.
Nachdem Walpen bereits in den Medien zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit der Casanova-Wahl Stellung genommen hatte (“Ich verwahre mich gegen Unterstellungen!”, “Werbewoche” 27. 1. 2005), äusserte er sich auch an der Geschäftsleitungssitzung der SRG vom 1. Februar ausführlich zu “der in jüngster Zeit in den Medien geäusserten Kritik an den Besetzungen von Kaderstellen”. Grundtenor: Auf keinen der Personalentscheide habe er persönlich Einfluss genommen. Er habe von der Wahl Casanovas erstmals durch die Medien Kenntnis genommen, ist im Protokoll der Geschäftsleitungssitzung nachzulesen. Und auch bei der Wahl von Daniel Eckmann zu seinem Stellvertreter, der Ernennung von Andreas Huber zum Projektleiter im Stab Strategie und Planung sowie der – nun doch schon eine Weile zurückliegenden – Wahl von Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre sei alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen. Allerdings, schränkt Walpen ein, habe bei der Regelung der Schellenberg-Nachfolge nicht mit vollständiger Transparenz verfahren werden können, “was bei der Besetzung von Toppositionen in der Privatwirtschaft aber gängig sei und den Statuten entspreche, um den Kandidierenden im Falle einer Nichtwahl keine unmögliche Situation zu bereiten”.
Einen gewissen Mangel an Transparenz ist Walpen also durchaus bereit in Kauf zu nehmen – natürlich nur im Interesse der KandidatInnen für Kaderposten. Der Vorwurf der Mauschelei wird damit sicher nicht entkräftet, und auch bei der nächsten Wahl werden wohl Vorwürfe laut werden. Egal, ob sie stimmen – förderlich für das Bild der SRG in der Öffentlichkeit sind sie nicht.

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