17. August 2010 von Nick Lüthi

Gesetz gegen das Versagen

Ein Lehrstück in Verlegerlogik: Weil wir es nicht gepackt haben mit dem Internet, soll uns nun der Staat helfen. So argumentiert heute in der NZZ der Schaffhauser Norbert Neininger. Ein Leistungsschutzrecht müsse deshalb her, fordert der Kleinverleger. Das Wiederveröffentlichen von Auszügen aus Zeitungsartikeln im Internet würde damit entschädigungspflichtig. Neininger zielt an erster Linie auf Google, das für seinen Nachrichtenaggregator Google News Titel und Leads von Artikeln zusammenträgt und thematisch gruppiert bereitstellt. Dafür soll der Internetriese nun bezahlen, finden Verleger in Deutschland und der Schweiz. Das Zauberwort heisst: Leistungsschutzrecht.

Während es in Deutschland dieses verwandte Schutzrecht bis in den Koalitionsvertrag geschafft hat, hält der Bundesrat von einer solchen Extrawurst für Verlger nicht viel: «Ein Leistungsschutzrecht würde (.) einzig eine zusätzliche Schicht von Rechten schaffen, ohne dass dafür ein Bedürfnis ausgewiesen ist», schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf die Interpellation von Kurt Fluri (FDP, SO).

Neben der «zusätzlichen Schicht von Rechten» würde vor allem ein bürokratisches Monster geschaffen. Man stelle sich vor, welchen Aufwand es bedeutete, das Internet nach Auszügen aus Presseartikeln abzuklopfen, dann abzuklären, ob diese nun entschädigungspflichtig oder durch das Zitierrecht geschützt sind und schliesslich ein Inkasso zu betreiben, damit die Verleger zu ihrem ersehnten Geld kommen.

So weit darf es nicht kommen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb Zeitungsverlage ein solches Privileg geniessen sollten. Wem Google nicht passt  (und wer es sich leisten kann, auf den Traffic zu verzichten, den einem die Suchmaschine beschert), kann im Handumdrehen dafür sorgen, dass seine Inhalte von Google nicht mehr erfasst und in den Index aufgenommen werden. Eine rechtliche Sonderstellung der Verlage zu schaffen wäre auch deshalb unsinnig, weil es zahlreiche andere Akteure gibt, die für sich genau so ein Leistungsschutzrecht beanspruchen könnten, um dann ihrerseits bei den Verlagen eine Entschädigung einzutreiben. Etwa Autoren,  Online-Publizisten, Blogger, bei denen Zeitungen bisweilen munter abschreiben. Womit sich die Schlange in den Schwanz beisst und das Ganze ad absurdum geführt wäre.

15. Februar 2010 von Nick Lüthi

Was wir heute lesen

Wozu noch Journalismus? | Stefan Niggemeier
Eigentlich müssten La-Ola-Wellen von Journalisten durch das Land schwappen, vor lauter Begeisterung darüber, wie das Internet ihre Arbeit erleichtert und verbessert und ihre Möglichkeiten  potenziert hat. Das Gegenteil ist der Fall. Die Online-Welten werden abgetan und belächelt, als Heimat für Betrüger und Perverse denunziert (..).

“Medien verbreiten oft nur Propaganda” | Medien Monitor
Jedes Jahr veröffentlicht das Project Censored 25 brisante, aber in den US-Medien nicht veröffentlichte Geschichten. Professor Peter Phillips leitete das Projekt an der kalifornischen Sonoma State University von 1996 bis vor wenigen Wochen. Weltweit, sagt Phillips, sei die Wahrheit zunehmend in Gefahr. Journalisten und ihre Geschichten würden immer häufiger beeinflusst.

Ringier sattelt auf Google Apps um | Blog Handelsblatt
Der Schweizer Verlag Ringier führt im gesamten Konzern Google Apps in der kostenpflichtigen Unternehmensversion ein und ersetzt damit seine Microsoft-Architektur. Neben einer deutlichen  Produktivitätssteigerung erhofft sich Ringier eine Kostenersparnis von rund einer Million Schweizer Franken pro Jahr.

Journalismus im Hause Ringier (4) | Ronnie Grob
Frank A. Meyer lobt die Berichterstattung der deutschen Medien zur Steuersünder-CD, “Das ist ein Klassenunterschied zu den meisten Schweizer Printmedien.” Welche Schweizer Printmedien er da wohl meint? Vielleicht das Medium aus dem Ringier-Verlag namens “Blick”, das ihm die Plattform bietet zu seinen Aussagen?

11. Januar 2010 von Klartext

Was wir heute lesen

„Weltwoche“ plädiert für Beugehaft | Dominique Strebel’s Blog
Die „Weltwoche“ plädiert offen für die Beugehaft. Journalisten verlieren das Verständnis für den Sinn von Untersuchungshaft.

Medientrends: Twittern war gestern | ZEIT ONLINE
Seriöse Information hat Zukunft. Wer hier investiert, gewinnt – glaubt der Londoner Zeitschriften-Erfinder Tyler Brûlé

Google Editions: Erste offizielle Informationen | bewegliche lettern
Mit Google Editions will der Internetkonzern vom kommenden Jahr an in Zusammenarbeit mit Verlagen digitale Bücher zum Kauf anbieten.

Aktuelles Heft

Ausgabe: 4 | 2010 Die Themen:
  • Heller, der Heftlimacher
  • Service Zukunft mit SR DRS
  • Bilderstreit, nächste Runde